Organisation

Referat für Kirchenmusik

Orgelmusik des Monats Juli

14. Sonntag im Jahreskreis

Max Reger – „Seelenbräutigam“ aus op.76 Nr. 35

https://www.youtube.com/watch?v=vq_lKii5e04

In dieser Aufnahme spielt Jos van der Kooy an der berühmten Müllerorgel der St.Bavo Kirche in Haarlem.

Der Choral Seelenbräutigam wurde das erste Mal in der Sammlung „Geistreiches Gesangbuch“ (Halle, 1697) abgedruckt, als Komponist und Autor wird Adam Drese angeführt. Insgesamt besitzt der Choral 15 Sechszeilige Strophen. Jesus wird in diesem Text oft als „Lamm“ oder „Bräutigam“ angesprochen oder als „Held aus Davids Stamm“ oder „Großer Friedensfürst“.

Erstdruck aus 1935
Erstdruck aus dem Jahr 1935

Im Choral Seelenbräutigam wird die Liebe Jesu besungen, die uns erlöst. So wie es im Evangelium dieses Sonntags beschrieben wird. Max Reger stellt diese Liebe in einer sanften ruhig pulsierenden Choralbearbeitung dar. Reger schreibt drei Manuale vor, man kann es aber auch auf zwei realisieren. Zwischen den einzelnen Verszeilen gibt es immer ein Echo, das auf dem dritten Manual gespielt werden soll. Entweder spielt man dieses Echo einfach mit beiden Händen auf dem Begleitmanual oder, wenn man jemanden zum Registrieren hat, dann kann man schnell umregistrieren, so wie es im Video gezeigt wird.

Titelblatt des Erstdruck 1935
Titelblatt des Erstdruck 1935

Dieses Choralvorspiel stammt aus der Sammlung der "Zweiundfünfzig leicht ausführbare Vorspiele zu den gebräulichsten evangelischen Chorälen op. 67". Reger war zwar katholisch, dürfte aber durch seinen Kontrapunktunterricht bei Hugo Riemann auf die evangelischen Choräle aufmerksam geworden sein. Die Choralvorspiele dieser Sammlung waren ausdrücklich für den liturgischen Gebrauch gedacht. Er wählte die Choräle nach ihrem Bekanntheitsgrad aus.

15. Sonntag im Jahreskreis

Max Reger – „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ aus op. 135a

https://www.youtube.com/watch?v=AFtu_HmewNM

Der Choral "Herr Jesu Christ, dich zu uns wend" war im 17. Jahrhundert das weitverbreiteste evangelische Kirchenlied. Das Lied ist eine an Jesus Christus gerichtete Bitte um den Heiligen Geist.

Reger legt den Cantus firmus in den Tenor und gibt zusätzlich die Angabe, diese Stimme auf einem anderen Manual zu spielen. Wem der Satz zu kurz ist, der kann ihn ein zweites Mal spielen, mit einer anderen Registrierung.

Originalprint aus dem Jahr 1935
Erstdruck aus dem Jahr 1915

Die Choralvorspiele aus op. 135a sind von jeglichem "regerschen" Überfluss befreit. Reger selbst dürfte aufgrund von außeren Einflüssen, aber wohl auch aufgrund innerer Bedürfnisse, diese einfachen und schlichten Stücke geschrieben haben.

16. Sonntag im Jahreskreis

Dietrich Buxtehude – „Nun bitten wir, den heiligen Geist“

https://www.youtube.com/watch?v=UQAAOyg6hyE

Die erste Strophe dieses Chorals wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert gedichtet, Martin Luther schrieb später weitere Strophen und auch Marie Luise Thurmair.

Dietrich Buxtehude legt den Cantus firmus bei dieser Choralbearbeitung in den Sopran. Zwischen den Verszeilen gibt es kurze Zwischenspiele. Buxtehude nimmt dafür kurze Motive der folgenden Cantus firmus Zeile und verarbeitet diese im Zwischenspiel. Der Cantus firmus sollte auf einem seperaten Manual mit einer stärkeren Soloregistrierung ausgeführt werden.

17. Sonntag im Jahreskreis

Girolamo Frescobaldi - "Toccata avanti la Messa della Domenica" aus Fiori musicali 1635

https://www.youtube.com/watch?v=5D0w_gxCyeU

Titelblatt des Erstdruck 1635
Titelblatt des Erstdruck 1635

Die Fiori musicali (musikalische Blüten) sind eine Kompositionssammlung des italienischen Komponisten Girolamo Frescobaldi, erstmals veröffentlicht wurden sie im Jahr 1635. Die Sammlung enthält siebenundvierzig liturgische Werke, sie besteht aus drei Messen und zwei profanen Werken. Sie zählen zu den anspruchvollsten Werken Frescobaldis. Die drei Messen entsprechen der Sonntagsmesse, der Apostelmesse und der Marienmesse. Sie enthalten cantus firmus-gebundene Sätze, Sätze freien Stils (Toccaten) und kontrapunktische Sätze (Kanzonen, Ricercari).

Vorwort des Erstdruck 1635
Vorwort des Erstdruck 1635

Im Vorwort schreibt Frescobaldi folgendes:

"Da ich (durch das Talent, welches Gott mir verliehen hat) schon immer darauf bedacht gewesen bin, anderen Ausübenden des musikalischen Berufes mit meinen Bemühungen von Nutzen zu sein, habe ich der Welt mit meinen gedruckten Tabulaturen und Partituren aller Arten von Capricci und Inventionen stets meine sehnsüchtige Neigung erwiesen, dass jeder, der meine Werke sieht und studiert, damit zufrieden ist und einen Nutzen daraus zieht. Der Hauptzweck des Buches ist, den Organisten behilflich zu sein. Ich habe die verschiedenen Kompositionen in einem solchen Stil geschrieben, dass sie für Messen und für Vespern geeignet sind, was für sie von großem Nutzen sein wird. Nach eigenem Gutdünken können sie sich auch der besagten Versetten annehmen. Wenn sie die Kanzonen oder Ricercari für zu lang erachten, können sie in den (Pausen oder) Kadenzen beendet werden. Ich erachte es für sehr wichtig, dass die Organisten aus der Partitur spielen können; nicht nur für diejenigen, die das Bedürfnis verspüren, sich mit solchen Kompositionen ernsthaft abzumühen - sondern notwendigerweise dient diese Materie als klare Abgrenzung dafür, die wahren Virtuosen zu kennzeichnen und sie von den Ignoranten zu unterscheiden - anderes brauche ich nicht, nur dass die Erfahrung die Meisterin von allem ist: wer in dieser Kunst fortschreiten will, probiere aus, und erfahre die Wahrheit dessen, was ich gesagt habe, und er wird sehen, wieviel er davon profitieren wird.

1. In den Toccaten spiele man dort, wo man einige Triller oder affettuoso-Passagen findet, adagio, und in den folgenden Achteln im Zusammenspiel diese so ziemlich allegro, und die Triller seien eher adagio gespielt, wobei sich gleichzeitig der Rhythmus verlangsamt; allerdings müssen die Toccaten nach Wohlgefallen und Geschmack des Spielers ausgeführt werden.

2. Die Anfänge aller Toccaten, auch wenn sie in Achteln notiert wurden, können adagio gespielt werden, und dann in den Läufen allegro.

3. In den Kyrie können einige im allegro und andere im langsamem Tempo gespielt werden, je nach Gustus des Ausführenden.

4. Auch wenn die besagten Versetten für das Kyrie geschrieben sind, können einige auch anderen Zwecken dienen, wie es beliebt.

5. In den Canti fermi (gregorianischen Themen) müssen die Melodien gebunden gespielt werden; um die Hände nicht zu behindern, kann man die Bindungen zur größeren Bequemlichkeit auch lösen. Was den Rest betrifft, habe ich alles so weit möglich leicht zu machen versucht."