Glaube braucht Bildung

Ohne Bildung fallen die einen in Aberglauben und die anderen in Unglauben.
-John Henry Kardinal Newman

Wie ist es 2000 Jahre nach Jesu Christi möglich ihm nachzufolgen und so mit ihm verbunden zu sein, dass man mit Paulus sagen kann: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2, 20). Ein gewaltiger Anspruch, der - wie im Sport - ohne ständige Übung, Erfahrung und Reflexion nicht möglich ist. Und Bildung besteht ja aus Erfahrung plus Reflexion.

Weil sich Denken, Wahrheitsauffassungen und Grunderfahrungen der Menschen immer ändern und entwickeln, wandeln sich auch Verständnis und Ausdrucksform des Glaubens. So wie wir als Kinder in Kindersprache und mit Kinderbildern den Glauben gelernt haben, so braucht es als Erwachsene neue, eigene Formen. Die Sprache und die Bilder müssen sich ändern. Nicht der Inhalt. Wir lernen in der Kindheit laufen, aber niemand läuft heute noch mit den Schuhen und Hosen aus seiner Kindheit herum…

Einfacher Glaube und Bildung sind kein Widerspruch. Natürlich riskiert man mit theologischer Bildung, dass einzementierte Auffassungen aufgebrochen werden. Aber nur so wächst der Glaube. Vieles, was zunächst als Erschütterung erlebt wird, entpuppt sich als Bereicherung. Denn erst mit Bildung wird unser Glaube sehend und steht nicht im Widerspruch zu unserer Vernunft.