Jahr der Barmherzigkeit

 (© Foto: Marco I. Ruprik)
(© Foto: Marco I. Ruprik)

Am 8. Dezember 2015 ruft Papst Franziskus mit der feierlichen Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom das 29. „Heilige Jahr“ in der katholischen Kirchengeschichte aus: Das Jahr der Barmherzigkeit. Es ist ein außerordentliches Jubiläumsjahr, welches am 20. November 2016 endet und nicht wie andere Jubiläumsjahre alle 25 Jahre begangen wird, sondern genau zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Vatikanischen Konzils, dem wohl wichtigsten Markstein der kirchlichen Entwicklung im 20. Jahrhundert.

Und warum zum Thema Barmherzigkeit?

Scheint „Barmherzigkeit“ für viele auf den ersten Blick ein antiquiertes Wort zu sein, beschreibt es doch treffend den Kern der biblischen Botschaft. Der Gedanke der Bergpredigt „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen" (Mt 5,7) findet sich auch im Zentrum des Pontifikats von Papst Franziskus, der den Gläubigen bereits am 17. März 2013 bei seiner ersten Ansprache barmherziges Handeln ans Herz legt und die Gleichgültigkeit gegenüber der Not anderer zu überwinden sucht:

Etwas mehr Barmherzigkeit verändert die Welt; es macht sie weniger kalt und mehr gerecht".

Das Jahr der Barmherzigkeit soll die Menschen zu Umkehr und Hinwendung zu Gott aufrufen und den Blick auf Bedürftige und Notleidende, Einsame und am Randstehende richten. Deutliche Zeichen setzt Papst Franziskus dabei mit seinem Zugehen auf Gefangene. Das Jahr der Barmherzigkeit, dessen Leitwort "Barmherzig wie der Vater" ist, soll zudem "eine Zeit der Gnade für die Kirche sein und helfen, das Zeugnis der Gläubigen stärker und wirkungsvoller zu machen." Es eröffnet darüber hinaus der Weltkirche besondere Möglichkeiten missionarische Akzente zu setzen und in einen verstärkten Religionsdialog zu treten, da die Barmherzigkeit auch in anderen Religionen ein zentrales Thema ist.