Frauensprachcafé

Foto: KBW
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Geschwind werden noch einige Tassen für Tee und Kaffee auf den Tisch gestellt, die Wasserkrüge befüllt und die Teller mit Kuchen und Keksen bestückt. Frauen aus unterschiedlichsten Ländern kommen mit bunten Gewändern, Kinderwagen schiebend oder mit Kleinkindern am Arm zur Tür herein und begrüßen sich ganz herzlich.
Die Arbeitsmaterialien sind schon alle vorbereitet, Memory-Karten zum Thema Berufe sind für die eine Gruppe aufgelegt, die andere Gruppe beschäftigt sich mit Lebensmitteln, weitere Frauen bereiten sich auf eine bevorstehende Prüfung vor. Während die Mütter lernen, spielen ihre Kinder mit der eigens organisierten Kinderbetreuung in einem Nebenraum.

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Im Laufe der Monate konnte gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden, daher ist die Stimmung entsprechend fröhlich und der Umgang miteinander unbeschwert. Jede Frau, die neu dazu kommt, ist herzlich willkommen und wird gleich in den Kreis aufgenommen.

Als das Thema Religion besprochen wird, blicken sich einige Frauen überrascht an. „Religion spielt doch bei unserem Sprachcafé keine Rolle“, meint Shirin*(Name geändert), die mit ihrer Familie aus dem Iran fliehen musste. Und sie hat recht: Welcher Religion die Frauen zugehörig sind, ist kein Kriterium bei unseren Treffen.

Das Team rund um Veronika Oelkrug von dem Verein VOBIS, der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Sonja Spevak und Birgit Wurzer vom Katholischen Bildungswerk bietet seit März 2017 geflüchteten Frauen ein Mal pro Woche die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, Themen zu behandeln, die sie sonst nirgendwo besprechen könnten, interkulturelle Basics zu erfahren, aber auch einfach miteinander eine unbeschwerte Zeit zu verbringen, zu lachen und Spaß zu haben. Welcher Religion die Frauen zugehörig sind, ist kein Kriterium bei diesen Treffen, wird aber im Sinne von kulturellen und religiösen Unterschieden immer wieder thematisiert.

„Ich bin sehr dankbar für dieses Angebot! Für mich ist ausschlaggebend, dass ich meine zweijährige Tochter mitnehmen kann und sie in der Zwischenzeit gut betreut wird. Meine anderen Kinder sind in der Schule und lernen Deutsch, aber ich habe kaum die Chance, die Sprache zu üben“, teilt uns Shirin, die aus dem Iran stammt, mit.

Sonja Spevak, die von Anfang an mit Begeisterung beim Frauensprachcafé unterrichtet, erklärt ihre Motivation: „Mit der großen Flüchtlingsbewegung von 2015 hatte ich den Wunsch, persönlich zu helfen. Dass es dann eine Frauengruppe wird, in der ich mitarbeiten kann, freut mich nochmals mehr.“

Frau Spevak hat sich in die Thematik vertieft und den Inklusionslehrgang an der Uni Klagenfurt besucht, in dessen Rahmen sie auch andere geflüchtete Familien begleitet.
„Der persönliche Kontakt, der über den Unterricht hinausgeht und die Möglichkeit, als Vertrauensperson zu wirken und speziell Frauen, die so oft benachteiligt werden, zu unterstützen, gibt mir viel mehr Energie zurück, als ich einsetze“, erzählt sie mit Freude von ihrer Tätigkeit.

Die Teilnehmerinnen wiederum sind froh, Menschen an ihrer Seite zu wissen, an die sie sich wenden können, und die Möglichkeit zu haben, an einem Vormittag in der Woche dem Alltag zu entkommen und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

Das Frauensprachcafé findet in den Räumlichkeiten der Pfarre St. Egid (Stadtpfarrkirche Klagenfurt) statt.

Text und Fotos von Mag.a Birgit Wurzer
Bildungsreferentin des KBW
Vorsitzende des Ausschusses „Kirche und Migration“