Organisation

Katholisches Bildungswerk

Ein innovativer Lehrgang für Insass:innen

Transforming Paths

+++english version below+++

Europäische Zusammenarbeit zeigt Wirkung

Das Projekt Transforming Paths wurde im Rahmen des EU-Programms Erasmus+ gefördert und entstand in enger Kooperation des Katholischen Bildungswerk Kärnten mit der Bodø videregående skole aus Norwegen. Auch Mitarbeitende der Strafvollzugsbehörde Nordland (Abteilung für Hochsicherheit in Bodø) sowie der Justizanstalt Klagenfurt waren aktiv an der Entwicklung beteiligt.

Zwei intensive Trainingswochen als Herzstück

Das Projekt begann mit zwei sogenannten LTTA-Wochen (Learning, Teaching & Training Activities), die den Kern des Vorhabens bildeten:

Im März 2024 trafen sich Kursleiter:innen aus Österreich und Norwegen, um Methoden für die Schaffung sicherer Lernräume für Insass:innen zu entwickeln. Zwischen März und Oktober arbeiteten die Teams in regelmäßigen digitalen Meetings weiter an der Ausarbeitung der Kursinhalte.

Die zweite intensive Woche im Oktober 2024 konzentrierte sich auf die praktische Erprobung der entwickelten Methoden. Die Kursleiter:innen setzten kreative und innovative Ansätze ein, die speziell auf die Bedürfnisse der Insass:innen abgestimmt waren.

Ganzheitliches Lernen im Strafvollzug: Module, Methoden, Materialien

Basierend auf den Erfahrungen aus den Trainingswochen startete das erste Kursangebot in Österreich im November 2024, Norwegen folgte mit eigenen Kursen ab Februar 2025.

Der Kurs ist in fünf thematische Module unterteilt, jeweils mit einer Dauer von fünf Einheiten – insgesamt 25 Unterrichtseinheiten, die auf die persönliche Entwicklung und das Wachstum der Teilnehmer:innen ausgerichtet sind.

Die fünf Module umfassen:

  • Kunst & Ausdruck
  • Körperübungen
  • Mentales Training
  • Reflexion
  • Kommunikation

Alle Module wurden so konzipiert, dass sie die psychische Gesundheit der Teilnehmenden stärken und ihnen praktische Werkzeuge an die Hand geben – sowohl für die Zeit während der Haft als auch für Herausforderungen danach.

Ein besonderes Merkmal des Projekts war die kontinuierliche Anpassung des Kursangebots: Nach jeder Unterrichtseinheit gaben die Teilnehmer:innen Feedback, das zur laufenden Optimierung und Individualisierung der Inhalte genutzt wurde.

Obwohl die Planung viel Detailarbeit erforderte, berichteten sowohl die Insass:innen als auch die Kursleiter:innen von durchwegs positiven Erfahrungen. Die gemeinsame Lernarbeit förderte Beziehungen und ermöglichte wechselseitigen Austausch.

Neben den Kursen wurde auch ein spezielles Kartenset entwickelt, das die Teilnehmer:innen als Unterstützung erhalten haben. Dieses Material dient der Vertiefung und Wiederholung der im Kurs erlernten Methoden – während der Haftzeit und darüber hinaus.

Die Karten enthalten Anleitungen und motivierende Impulse, um alltägliche Herausforderungen zu meistern und neue Perspektiven für das eigene Leben zu entwickeln.

Transforming Paths als europäisches Vorzeigeprojekt – Bildung mit nachhaltiger Wirkung

Da sich das Projekt nun seinem Ende nähert, zeigen erste Ergebnisse, dass die entwickelten Methoden langfristige Wirkung entfalten können. Das Projektteam ist überzeugt, dass diese erfolgreiche Modellstruktur als Vorbild für ähnliche Programme in ganz Europa dienen kann.

„Wir konnten zeigen, dass Inhaftierte stark von Bildungsangeboten profitieren, die über klassische Schulbildung hinausgehen. Durch kreative, interaktive und praxisnahe Methoden erwerben sie Fähigkeiten, die ihnen helfen, nach der Haft ein stabiles Leben aufzubauen“, so das Fazit des Projektteams, darunter Birgit Wurzer und Mija Janesch.

Der Erfolg des Projekts basierte auf der engen Zusammenarbeit mit den Justizanstalten in Klagenfurt und Bodø. „Ohne die Unterstützung und das Engagement der Justizeinrichtungen wäre dieses innovative Kursprojekt nicht umsetzbar gewesen“, betont die Projektleitung.

Das Projekt wurde von unabhängigen Expert:innen bewertet und wird von der Europäischen Kommission als „Good Practice“ eingestuft.

„Transforming Paths“ steht für eine neue Herangehensweise an die Resozialisierungsarbeit im Strafvollzug, die auf persönliche Entwicklung, Stärkung sozialer Kompetenzen und neue Perspektiven für das Leben nach der Haft setzt.

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European cooperation shows results

The Transforming Paths project was funded as part of the EU's Erasmus+ program and was developed in close cooperation between the Katholisches Bildungswerk Kärnten and Bodø videregående skole in Norway. Employees of the Nordland Correctional Service (High Security Department in Bodø) and the Justizanstalt Klagenfurt were also actively involved in the development.

Two intensive training weeks at the heart of the project

The project began with two so-called LTTA weeks (Learning, Teaching & Training Activities), which formed the core of the project:

In March 2024, course instructors from Austria and Norway met to develop methods for creating safe learning spaces for inmates. Between March and October, the teams continued to work on developing the course content in regular digital meetings.

The second intensive week in October 2024 focused on practical testing of the methods developed. The course instructors used creative and innovative approaches that were specifically tailored to the needs of the inmates.

Holistic learning in the prison system: modules, methods, materials

Based on the experiences gained during the training weeks, the first course was launched in Austria in November 2024, with Norway following suit with its own courses in February 2025.

The course is divided into five thematic modules, each lasting five units—a total of 25 teaching units focused on the personal development and growth of the participants.

The five modules cover:

  • Art & expression
  • Physical exercises
  • Mental training
  • Reflection
  • Communication
  • All modules were designed to strengthen participants' mental health and provide them with practical tools – both for the time during their imprisonment and for challenges afterwards.

A special feature of the project was the continuous adaptation of the course offerings: after each teaching unit, participants provided feedback that was used to continuously optimize and individualize the content.

Although the planning required a lot of detailed work, both the inmates and the course instructors reported consistently positive experiences. The joint learning process fostered relationships and enabled mutual exchange.

In addition to the courses, a special set of cards was developed, which the participants received as support. This material serves to reinforce and review the methods learned in the course—during the period of imprisonment and beyond.

The cards contain instructions and motivational prompts to help participants overcome everyday challenges and develop new perspectives for their own lives.

Transforming Paths as a European flagship project – education with a lasting impact

As the project draws to a close, initial results show that the methods developed can have a long-term impact. The project team is convinced that this successful model structure can serve as a blueprint for similar programs across Europe.

“We were able to show that prisoners benefit greatly from educational opportunities that go beyond traditional schooling. Through creative, interactive, and practical methods, they acquire skills that help them build a stable life after prison,” concluded the project team, including Birgit Wurzer and Mija Janesch.

The success of the project was based on close cooperation with the prisons in Klagenfurt and Bodø. “Without the support and commitment of the judicial institutions, this innovative course project would not have been possible,” emphasizes the project management.

The project was evaluated by independent experts and is classified as “good practice” by the European Commission.

“Transforming Paths” represents a new approach to rehabilitation work in the prison system, focusing on personal development, strengthening social skills, and new perspectives for life after prison.