Tag der Elternbildung in Kärnten

Was Kinder und Eltern aufblühen lässt

Mittlerweile schon zum fünften Mal fand der österreichweit gefeierte Tag der Elternbildung mit dem diesjährigen Schwerpunkt „Eltern-Kind-Gruppen als Teilbereich der Elternbildung“ im Diözesanhaus statt.

Das Katholische Bildungswerk (KBW) und das Familienwerk (KFW) stellten am 12. März 2016 das Wohlbefinden der Kinder und Eltern mit dem Motto „Was Kinder und Eltern aufblühen lässt“ in den Mittelpunkt. Die rund 100 anwesenden Erwachsenen erwarteten Einblicke und Ausblicke in die Elternbildungslandschaft Kärnten, die Unterstützungsangebote des Familienministeriums sowie ein Vortrag von Kinder- und Jugendpsychiater und Bestseller-Autor, Univ.-Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort aus Hamburg.
Rund 50 junge Tagungsgäste erfreuten sich an einem buntem Kinderprogramm: vom Kasperltheater, Kinderschminken, Vorlesestunden, Mal- und Energieworkshop bis hin zum Zeitvertreib mit Gleichaltrigen im Jugendzentrum „Point“. Die Qualität der Elternbildungsangebote des KBW und KFW sowie der relativ hohe Männeranteil bei den Interessierten wurden von den Referent/innen sehr positiv wahrgenommen.

Dr. Iris Straßer, Präsidentin der Katholischen Aktion (KA), eröffnete die Tagung. Rolanda Honsig-Erlenburg, Generalsekretärin der KA präsentierte unter dem Titel „Das Beste für Kinder und Familien“ das neue Leitbild der Elternbildung und die vielfältigen Elternbildungsangebote von KBW und KFW.

Die Wichtigkeit von Wertschätzung, einem unterstützenden Umfeld und das Vertrauen in die eigene elterliche Kompetenz hob Brigitte Lackner, MAS, Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich in ihrem Beitrag „Unterstützung und Begleitung durch Elternbildung“ hervor. Auf lebendige und anschauliche Weise nahm Lackner die Teilnehmenden in die Elternbildungslandschaft mit, ließ sowohl Veranstalter, Referent/innen als auch Teilnehmer/innen von Elternbildungsangeboten zu Wort kommen und brachte das Qualitätszeichen MARKE Elternbildung (Mit Achtung und Respekt Kompetente Eltern) näher.

Auf die „Nachhaltige Entwicklung und Qualität“ in der Elternbildung ging Mag. Katrin Thöndl vom Bundesministerium für Familien und Jugend ein. Auch sie lobte die hohe Qualität der Angebote des KBW und des KFW und machte speziell auf die österreichweite Unterstützung aus Kärnten, unter anderem durch die Bereitstellung der Masterarbeit „Spracherwerb und Sprachbewusstseinsbildung für mehrsprachige Familien durch Einsatz des HIPPY-Programms“ der HIPPY-Trainerin Dragana Jakovljević, M.A. aufmerksam.

Der Hauptreferent des Tages Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort plädierte in seinem Vortag „Burnout Kids - wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert“ dafür, liebevoll auf unsere Kinder zu schauen. Weder sollten soziale Probleme medikalisiert werden, noch Modediagnosen von Interesse sein. Um die Verhinderung von Leidensdruck geht es. Er sprach sich für eine Wertediskussion aus und forderte präventive Maßnahmen - gesellschaftspolitisch und innerfamiliär. Der Umgang mit Burnout, einer Erschöpfungsdepression im Kinder- und Jugendalter und ein Verständnis für die Ursachen seien wichtig.

Vor dem Hintergrund der Industrialisierung 4.0, Ökonomisierung und im Kontext der Selbstoptimierung erläuterte er den Kreislauf, der Kinder vorgelebt wird: Angefangen vom Prinzip Leistung und dem „Unternehmen Familie“, das stets funktionieren müsse, bis zur „Mama-Logistik“. Unzähligen mütterlichen Pflichten nachgehend wird die Abwehr des eigenen Burnouts vorgelebt. Und als weitere mögliche Ursache nannte er die Schule, in der Lehrer/innen die Verantwortung für Lernerfolge auf Kinder abwälzen. Bei schlechten Noten würden nicht pädagogische Methoden reflektiert, sondern Kinder als dumm oder lernunwillig deklariert und der Übergang ins Gymnasium sei nicht gut begleitet. Es handle sich um eine Pädagogik der Demotivation, Destruktion und Enttäuschung und das Prinzip Leistung übertrage sich auf die Kinder.

Anhand von Fallbeispielen verdeutlicht Schulte-Markwort, wie sich das Kind „wie ein Hamster im Rad“ um Normalität und Erfolge bemüht und anstrengt. Je größer die Anstrengung, desto weniger Leistung kann es bringen, desto zahlreicher seien die Symptome.

Dabei sieht er in der Gesamtschau eine großartige Entwicklung der Kinder. Dem menschheitsimmanenten Phänomen, dass nachkommende Generationen als „schlechter“ tituliert werden, tritt er entschieden entgegen. Es stimme einfach nicht. Kinder lernten mit der Flut des Digitalen umzugehen und es läge an uns, sie dort abzuholen, wo sie sind.

Psychische Krankheiten bei Kindern haben in den letzten 30 Jahren nicht zugenommen, 80% aller Kinder sind psychisch gesund, „nur“ 20% auffallend. Der „Flynn Effekt“ belegt, dass Intelligenztests alle 10 Jahre nachgeeicht werden müssen, da Kinder immer intelligenter werden. Und eine repräsentative Studie von 2006, die besagt, dass Armut psychisch krank macht, dass alle psychischen Erkrankungen von sozialen Schichten abhängig sind und ein linearer Zusammenhang zwischen sozialen und familiären Risikofaktoren (zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Familienkonflikte, psychische Erkrankungen in der Familie usw.) und Auffälligkeiten bestehen, spricht für ein Umdenken – für einen notwenigen Wertewandel.

Was kann Elternbildung also dazu beitragen? Wertschätzung, Anerkennung, familiäre Ressourcen und ein positives Vorleben lauten die Schlüsselwörter. Eine Balance zwischen vielfältigen Angeboten und Ausgleich, Prävention. Ein gutes Familienklima wirkt sich protektiv aus, halbiert die Chance eines Kindes depressive oder Angstsymptome zu zeigen und wirkt sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität des Kindes aus.

„Auch unsere Kinder werden – wie wir – davon getragen sein, unsere Welt zu verbessern, sie friedlich und lebenswert zu erhalten - und sie werden es besser machen als wir!“, so Schulte-Markwort.