Organisation

Katholische Aktion

Eine Kirche, die vom Ehrenamt lebt, muss auch bereit sein, es zu ermöglichen.

Ehrenamt wird in der Kirche gerne gewürdigt. Entscheidend ist jedoch, was von dieser Wertschätzung übrig bleibt, wenn über Budgets, Fahrtkosten und notwendige Arbeitsmittel verhandelt wird. In den aktuellen BK-Verhandlungen innerhalb der Diözese entsteht für uns als Katholische Aktion Kärnten zunehmend der Eindruck, dass ehrenamtliches Engagement zwar vorausgesetzt, seine Unterstützung jedoch infrage gestellt wird.

„Ehrenamt darf nicht zur Frage der persönlichen finanziellen Belastbarkeit werden. Wer Zeit, Wissen und Verantwortung einbringt, darf nicht selbstverständlich auch noch die Kosten dafür tragen müssen. Die Kirche muss die Voraussetzungen schaffen, damit sich Menschen unabhängig von ihrem Einkommen engagieren können“,

betont Präsident Marc Germeshausen. Wer sich für die Kirche engagiert, schenkt Zeit und übernimmt Aufgaben für die Gemeinschaft. Daraus darf keine Selbstverständlichkeit werden, auch noch private Räume, Computer, Drucker und Telefon bereitzustellen oder notwendige Fahrten aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

Wie sich eine solche Entwicklung auswirken kann, zeigen beispielhafte Alltagssituationen: Eine Ehrenamtliche sitzt nach ihrem Arbeitstag am privaten Küchentisch, druckt Unterlagen auf eigene Kosten und bereitet die nächste Veranstaltung vor. Ein engagierter Mitarbeiter überlegt, ob er sich die Fahrt zu einer Besprechung diesen Monat noch leisten kann. Eine junge Person würde gerne Verantwortung übernehmen, verfügt aber nicht über die finanziellen Mittel, laufend Kosten vorzustrecken. Darf ihre Mitarbeit daran scheitern?

Wo notwendige Fahrtkosten zum Rechtfertigungsfall werden und private Arbeitsmittel stillschweigend vorausgesetzt werden, entsteht eine soziale Hürde. Dann entscheidet irgendwann der Kontostand darüber, wer sich Engagement leisten kann.

Auch beim Kirchenbeitrag sehen wir Gesprächsbedarf. Nach unserem Verständnis der bisherigen Rücksprache mit der Leitung der Kirchenbeitragsstelle ist eine Vergünstigung aufgrund ehrenamtlicher Tätigkeit nicht vorgesehen. Die dabei vermittelte Haltung, ehrenamtliches Engagement sei ohnehin selbstverständlich, steht für uns im Widerspruch zu einer glaubwürdigen Anerkennung dieser Arbeit. Eine vermeintliche Selbstverständlichkeit darf nicht als Begründung dienen, finanzielle Entlastung auszuschließen.

„Wer für die Kirche unentgeltlich arbeitet und dabei teilweise selbst Ausgaben trägt, leistet bereits einen ganz konkreten Beitrag. Dieses Engagement muss auch bei der Frage des Kirchenbeitrags berücksichtigt werden. Wir erwarten eine ernsthafte Diskussion über transparente und sozial gerechte Möglichkeiten der Entlastung“,

fordert Vizepräsidentin Maria Schmidt-Leitner. Als Katholische Aktion Kärnten empfinden wir es als respektlos, wenn die Voraussetzungen ehrenamtlicher Arbeit als überzogene Ansprüche behandelt werden. Hinter jeder Budgetposition stehen Menschen und konkrete Aufgaben. Wer Unterstützung streicht, muss auch beantworten, welche Arbeit künftig unterbleiben soll und wer dafür die Verantwortung übernimmt.

Uns ist bewusst, dass finanzielle Mittel begrenzt sind. Gerade deshalb braucht es transparente Entscheidungen und verbindliche Rahmenbedingungen: zugängliche Arbeitsmittel, geeignete Räume, verlässliche hauptamtliche Ansprechpersonen, die Erstattung notwendiger Auslagen und eine angemessene Berücksichtigung ehrenamtlichen Engagements beim Kirchenbeitrag.

„Eine Kirche, die vom Ehrenamt lebt, muss auch bereit sein, es zu ermöglichen. Ein Dankeschön ersetzt keine Fahrtkosten. Ein Lob stellt keinen Arbeitsplatz bereit. Und die Berufung auf christliche Gemeinschaft verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn engagierte Menschen mit den Kosten dieser Gemeinschaft alleingelassen werden“,

schließt Germeshausen ab.