Vom Ursprung der Tiebel und ihrer Bedeutung
Die Tiebelquellen im Bezirk Feldkirchen gelten als ein in Europa einzigartiges Naturschauspiel. Sie werden vom Grundwasserstrom des oberen Gurktales gespeist. Auf ihrem Weg zum Ossiacher See trieb ihr Wasser, das im Winter nie zufriert, früher insgesamt 30 Mühlen, zehn Eisen- und Hammerwerke, zehn Sägewerke, eine Pappfabrik sowie ein Pulverstampfwerk an. Vieles davon besteht längst nicht mehr, doch zumindest die Venezianersäge, die Mehlteurer Flodermühle der Familie Kröndl sowie das ehemalige Schmiede- und Sensenwerk Zeilinger in Himmelberg sind erhalten geblieben und für Besucher zugänglich.
Im Rahmen des ersten GEH.redes in diesem Jahr stand dieser auf den ersten Blick vermeintlich unbedeutende Bach, der die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde Himmelberg über Jahrhunerte hinweg ganz maßgeblich geprägt hat, im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Von Pfarrer Jacek Artur Wesoly in der Himmelberger Pfarrkirche willkommen geheißen und spirituell auf den Tag eingestimmt, folgte ein gemeinsames Frühstück im nahen Gasthof Zeilinger, ehe sich die große Teilnehmerschar auf den Weg machte, um das Quellegebiet der Tiebel zu erkunden.
Erstes Ziel war die Venezianersäge vulgo Sagschneider in der kleinen Ortschaft Tiebel. Christa Kröndl, die sich seit Jahren mit viel Engagement und Herzblut für den Erhalt dieser historischen Säge einsetzt, gab Einblicke in die Familiengeschichte und erklärte anschaulich die Funktionsweise der Venezianersäge, bevor diese vorgeführt wurde.
Die besagte Venezianersägder Familie Kröndl wurde im Jahre 1886 im Wasserbuch für unbegrenzte Zeit und Wassermenge eingetragen. Dieser Sägetyp, der auf Leonardo da Vinci zurückgeht, besitzt ein unterschlächtiges Wasserrad („Waschl“). Über Kurbel und Pleuelstange wird die Drehbewegung des Wasserrades in eine auf- und abgehende Bewegung des Sägeblattes umgesetzt. Dieses ist in einem hölzernen Sägerahmen eingespannt und schneidet das Holz beim Abwärtshub. Die Vorschubeinrichtung befindet sich unterhalb des Sägebodens und sorgt dafür, dass der Bloch nach jedem Hub gleichmäßig weitertransportiert wird, wobei eine fest fixierte Pressstange den gleichmäßiger Schnitt gewährleistet.
Eine abschließende Verkostung des köstlichen Tiebelwassers führte allen noch einmal eindrucksvoll vor Augen, wie wertvoll reines Wasser ist – ein Gut, das vielen Menschen auf der Welt nicht zugänglich ist.
Zu den Tiebelquellen war es nun nur mehr ein kurzer Weg, Umgeben von blühenden Sträuchern und Bäumen war das frische Grün der Wiesen mit den gelben Farbtupfern des Löwenzahns überall präsent. Das übermütige Gezwitscher der Vögel und die klare, warme Frühlingsluft begleiteten uns auf Schritt und Tritt – als Zeichen des Aufbruchs und des Wandels, den die Natur jedes Jahr aufs Neue vollzieht. Und mittendrin eine fröhliche Teilnehmerschar, angesteckt vom überall erwachenden Leben und der spürbaren Leichtigkeit des Frühlings.
Nach soviel Natur tauchten wir zum Abschluss des Tages im Schmiede- und Sensenmuseum Zeilinger in Himmelberg im Rahmen einer Führung nochmals in die Arbeits- und Lebenswelt vergangener Jahrhunderte ein. 1560 wurde diese Anlage erstmals als „Schmiede an der Tratten“ erwähnt. In ihrer Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert wurden jährlich Tausende hochwertiger Sensen in alle Welt exportiert. Mit der Einführung moderner Erntetechnik verstummten Hämmer und Feuer. 1968 wurde der Betrieb eingestellt – die Schmiede blieb wie eingefroren in der Zeit erhalten.