Über die Hügel – Von der Soboth zum Demmerkogel
Pilgertage in der Südsteiermark
Die Südsteiermark als „terra incognita“ – ein Gebiet, welches viele von uns lediglich vom Durchfahren kennen oder bezüglich seiner hervorragenden Weine zu schätzen wissen. Diese Landschaft, „der keine andere in ganz Österreich gleicht“, durften am Beginn des Marienmonats Mai über vierzig Pilgerinnen und Pilger aus ganz Kärnten unter der bewährten geistlichen Begleitung von Pfarrer Josef Allmaier etwas ausführlicher erkunden und erwandern.
Ausgangspunkt am ersten Tag war der südliche Ausläufer der Koralpe, wo wir vom Sobother Stausee (auch Koralm-Stausee genannt) zur Wallfahrtskirche St. Leonhard in Zambichl spazierten und dort mit Pfarrer Allmaier die Heilige Messe feierten. Dass wir einen Gottesdienst in dieser idyllisch in Waldeinsamkeit gelegenen Wallfahrtskirche feiern durften, war keine Selbstverständlichkeit. Viele gute Geister aus der Kirchengemeinde, allen voran PGR-Obfrau Friederike Niedereder und ihr Gatte, hatten eigens für unsere Pilgergruppe die Kirche aus dem Winterschlaf geholt und uns einen wunderbaren Rahmen für unseren Eröffnungsgottesdienst geschaffen. Im Anschluss daran erfuhren wir von Frau Niedereder viel Wissenswertes zur Kirche und zum Pfarrleben. Die Pfarre Soboth ist heute ein Teil des Seelsorgeraums Sulm-Saggautal mit Sitz der Pfarrkanzlei in Eibiswald.
Nach vielen herzlichen Gesprächen wanderten wir von wärmenden Sonnenstrahlen begleitet den Kreuzweg entlang bis zur Bundesstraße und gelangten durch Gehöfte, Waldstücke und auf bequemen Forstwegen direkt ins Zentrum des Dorfes Soboth. Der Ort mit seinem schmucken Dorfzentrum ist ein zertifiziertes Wanderdorf und liegt auf über 1000 m Seehöhe. Hier genossen wir im Gasthof Messner eine wohlschmeckende heiße Suppe und die Vielzahl der angebotenen köstlichen Torten ließ für den süßen Gaumen keine Wünsche offen.
Am Nachmittag ging es von der Weststeiermark direkt nach Schloss Seggau in der Südsteiermark, wo nach dem Bezug der Zimmer eine Schlossführung auf unsere Gruppe wartete. Unsere beiden Schlossführerinnen, Frau Gertrude Pölzl und Frau Karin Greiner-Mitteregger ließen die spannende Geschichte und Kunst rund um die ehemalige Residenz der Bischöfe von Seckau wieder zum Leben erwachen und die wunderbaren Klänge der “Seggauer Liesl“, der größten historischen Glocke der Steiermark, klangen noch lange nach. Beim Durchschreiten des Schlosshofes gab der Sommer ein erstes Lebenszeichen von sich und es hatte den Anschein, als ob die Römersteine in den Mauern angesichts der abstrahlenden Hitze lebendig würden und Männer und Frauen aus einer fernen Vergangenheit uns zuflüsterten. Der nach Regen dürstende Rasen und das Zirpen der Grillen ließ erste Zeichen des noch etwas fernen Hochsommers erahnen. Doch wir durften uns anschließend im bischöflichen Weinkeller bei einer Messwein-Verkostung abkühlen. Da wir mit unserem Pilgerpfarrer Josef unterwegs waren, musste es natürlich eine besondere Weinverkostung sein – und verschiedene Messweine werden einem schließlich nicht alle Tage kredenzt! Frau Ursula Lechenauer tauchte mit uns durch ihre herrlich erfrischende und mitreißende Persönlichkeit tief in die Kultur des Weines ein. So erfuhren wir nicht nur vom Schutzpatron der Winzer, dem heiligen Urban, sondern auch von seinem Gegenpart – dem Patron der Abstinenzler, den heiligen Kolumban und vier Messweine wurden zu einem interessanten Geschmackserlebnis – vom „koscheren“ Wein bis hin zum süß-öligen Samos. Selbst Josef war von so manchem Messwein „angetan“.
Solchermaßen historisch und kulinarisch „berauscht“, beschlossen wir den Tag bei einem guten Abendessen im Schloss und Josef sorgte mit vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für einen gesellig-musikalischen Ausklang.
Der zweite Pilgertag begann mit einem ausgiebigen Frühstück und führte uns am Marien-Kapellenweg durch die bezaubernde Landschaft der Südsteiermark bis Aflenz an der Sulm, den Frauenberg mit seiner Wallfahrtskirche und wieder zurück nach Schloss Seggau. Unser Pilgerpfarrer Josef verstand es als hervorragender spiritueller Wegbegleiter, uns die Strecke durch seine ausgesuchten Geschichten und Märchen zu verkürzen. Seine Erzählungen stammen aus allen Religionen und allen Kulturkreisen und stets steht die Liebe Gottes zu den Menschen als Botschaft im Mittelpunkt. So wie Jesus mit seinen Geschichten und Gleichnissen nicht bloß unterhalten wollte, sondern die Leute zum Mitdenken und Überdenken ihres Handelns und ihrer Einstellung aufrief, sind die Texte von Pfarrer Allmaier voll tiefer Lebensweisheit. Erinnern wir uns an das Märchen aus Marokko von der häßlichen Frau oder an das Mädchen, welches die Gottesmutter mit ihren Kohlblättern beglückte. Stets sind es Geschichten voller Menschlichkeit und Gottesliebe, die zum Nachdenken auffordern.
Zur etwas späteren Mittagsstunde trafen wir in der Buschenschank Bernhard, die an diesem Tag extra für unsere Gruppe aufsperrte, ein. Frau Laura Bernhard und ihre fleißigen Helfer kredenzten uns steirische „Schmankalen“ wie Käferbohnensalat mit Kernöl, Weinstrauben und Spagatkrapfen. Dazu durfte köstlicher Traubensaft oder ein Glaserl echter steirischer Wein nicht fehlen. Trotz eines aufkommenden frischen Lüftchens genossen wir in der idyllischen Weinlaube steirische Buschenschank-Kultur und zum Abschied stimmten Josef, Sepp und Christian einige Kärntnerlieder an. Gerne wären wir noch etwas länger geblieben, doch der Zeiger der Uhr mahnte zum Aufbruch. Nach einem Besuch der barocken Wallfahrtskirche Frauenberg mit einem Marienlied zu Ehren der Gottesmutter, war es nur ein kurzer Weg zurück nach Schloss Seggau, wo wir uns erfrischten und Pfarrer Josef am späten Nachmittag in der modernen Michaelskapelle des Schlosses einen Gottesdienst zelebrierte. Das optionale Abendessen nahm ein Großteil der Gruppe im Gasthof Gollner in Lebring ein und wiederum erklangen als Abschluss gesellige Lieder aus dem eigens für uns reservierten Saal des Schlosses.
Das „Radl der Zeit“ drehte sich leider allzu schnell und so statteten wir am dritten Tag noch dem höchstgelegenen Weinbauort der EU, Kitzeck im Sausal, einen Besuch ab, wo wir in der Kirche zur Schmerzhaften Muttergottes den Abschlussgottesdienst feierten. Und selbst für Pfarrer Josef Allmaier gibt es noch Überraschungen und Besonderheiten. So berichtete er uns, dass er das erste Mal fein säuberlich, kunstvoll und mit Liebe gestapelte Hostien vorgefunden habe. Wie wunderbar, wenn solch ein Höchstmaß an Kreativität auch im Kleinen wirkt und für Begeisterung sorgt!
Nach ausführlichen Blicken in das umgebende südsteirische Hügelland fuhren wir zum Parkplatz, von wo aus wir eine gemütliche Rundwanderung starteten und schließlich den „Gipfel“ des Demmerkogels (671 m) mit seiner Aussichtswarte erreichten. Fast alle Teilnehmer ließen es sich nicht nehmen, um die 140 Stufen zu erklimmen und einen herrlichen Rundblick in alle vier Himmelsrichtungen zu genießen. Bevor wir wieder aufbrachen ließen wir noch unser Geburtstagskind Gretl hochleben und wie rührend ist es, einem Menschen durch eine kleine Geste solch eine Freude zu bereiten!
Am Endpunkt unserer Wanderung durften wir noch den „größten Klapotetz der Welt“ mit einer Gesamthöhe von 17 Metern bewundern und beim Wahrzeichen der Südsteiermark durfte natürlich das obligate Gruppenfoto nicht fehlen! Den gesellig-kulinarischen Abschluss fanden unsere Pilgertage im Gasthof Schneeberger in Heimschuh, bevor es über die Pack wieder zurück in die Heimat ging.
Vielen gilt es an dieser Stelle den allerherzlichsten Dank auszusprechen, welche die drei Tage zu solch einem bereichernden Erlebnis werden ließen: Allen voran Pfarrer Josef Allmaier für seine geistliche Betreuung, Bergwanderführerin Jutta Jester für Ihre umsichtige und kompetente Tourenführung und Begleitung, Monika Suntinger für ihre vielschichtige organisatorische Arbeit, Frau Manuela Maier für Ihre historischen und kunstgeschichtlichen Erläuterungen, allen Menschen vor Ort, die uns so herzlich willkommen geheißen und begleitet haben, Sepp und Christian für Ihre musischen und gesanglichen Beiträge bei den Gottesdiensten, unserem „Kapitän“ Wolfgang für die angenehme Busfahrt und vor allem ein herzliches Vergelt’s Gott allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die bereichernde Gemeinschaft!
(Manuela Maier)