Organisation

Referat für Tourismusseelsorge

Pilgern im sommerlichen Osttirol

Dienstag, 4. August bis Freitag, 7. August 2026

Vor vier Jahren reifte bei der Helenenkirche in Oderdrum oberhalb von Lienz die Idee, Osttirols Natur- und Kulturschönheiten in mehrtägiger Pilgerwanderungen zu entdecken und näher kennenzulernen. Die Idee nahm Gestalt an und so kamen viele Teilnehmer in den Genuss der wohl schönsten Wanderziele Osttirols – denken wir ans Innergschlöss, die Umbalfälle, einige Etappen am Iseltrail, die Gottschaunalm, das Dorfertal, den Staller Sattel und vieles mehr. Auch dieses Jahr zog es wieder eine Gruppe von 40 Teilnehmern unter der geistlichen Begleitung von Pfarrer Josef Allmaier in Osttirols Gefilde, wobei wir aufgrund der hohen sommerlichen Temperaturen diesmal den Besuch luftiger Almen und Bergeshöhen bevorzugten.

So ging es am ersten Tag nach einem ausgiebigen Frühstück in Lienz mit der Zettersfeld-Bahn auf über 2.200 m Seehöhe bis auf das Steinermandl, von dessen Gipfelkreuz wir einen wahrlich atemberaubenden Panoramablick über die Lienzer Dolomiten im Süden und die Schobergruppe im Norden genießen durften. Nach einer spirituellen Einbegleitung durch Josef Allmaier wanderten wir zu den Neualplseen. Die insgesamt neun kleinen Seen, eingebettet in ein Hochplateau am Fuße der Schleinitz und der Sattelköfpe, wurden umrundet und ausgiebig fotografisch in Szene gesetzt. Eine kleine Gruppe unter der Begleitung von Monika Gschwandner-Elkins erklomm den Gipfel des 2.651 m hohen Östlichen Sattelkopf. Einen würdigen Abschluss fand dieser wunderbare Bergtag bei einer Andacht in der Michaelskapelle am Zettersfeld. Unser Dank gilt an dieser Stelle Christian Kurzthaler, dem Mesner und Betreuer der Michaelskapelle, der uns viel Interessantes aus dem Pfarrleben der kleinen, 1962 geweihten Kapelle zu erzählten wusste, die sich vor allem während der Sommermonate und in der Weihnachtszeit regen Besuches erfreut.

Am zweiten Tag ging es zu Fuß vom Parkplatz Wiesen in der Ortschaft Hinterbichl durch das Dorfertal (nicht zu verwechseln mit dem Dorfertal bei Kals) auf Steigen und Forstwegen hinauf zur Johannishütte in 2.121m Seehöhe. Für einige Teilnehmer hatten wir ein Almtaxi organisiert, um alle wohlbehalten zum Ziel zu bringen. Beim Aufstieg umfing uns eine urwüchsige Landschaft, geprägt von steilen Gipfelhängen und der mächtigen Schlucht des Dorferbaches, welcher auch Islitz genannt wird. Gleich am Beginn des Tales befindet sich ein Steinbruch, in welchem der dunkelgrüne Serpentinit, oft als grüner Marmor bezeichnet, abgebaut wird. Weiter taleinwärts kamen wir nahe der Venedigerbrücke an einem zweiten Steinbruch mit schwarzem Serpentinit vorbei.

Bevor wir die Johannishütte erreichten, zeigte sich seine Majestät der Großvenediger in seiner ganzen Pracht und wenn wir uns umdrehten konnten wir den Blick auf den ebenfalls beeindruckenden Lasörlingkamm genießen. Doch angesichts solch alpiner Schönheit - das Edelweiß am Wegesrand darf nicht unerwähnt bleiben – waren es auch die menschlichen Begegnungen und Aufmerksamkeiten, die diesen Tag zu einem besonderen Erlebnis werden ließen. Pfarrer Josef Allmaier empfing uns nach dem Anstieg mit frischem Obst, mundgerecht angerichtet. Welch eine köstliche Erfrischung angesichts der schweißtreibenden Temperaturen!

Die Mittagspause verbrachten wir auf der Johannishütte, die als eine der ältesten Berghütten Österreichs gilt und beliebter Ausgangspunkt für Touren auf den Großvenediger ist. Namenspatron ist Erzherzog Johann von Österreich, der den Bau der Hütte finanziell förderte. Nach dem Abstieg feierten wir im kleinen, den Heiligen Chrysanth und Sebastian geweihten Dorfkirchlein in Hinterbichl noch eine stimmige Abendandacht.

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir im Paradies, im Zedlacher Paradies – um genau zu sein! Die Berghänge oberhalb der Ortschaft Zedlach unweit von Matrei sind berühmt für ihre alten Lärchenbestände und so mancher knorrige Baum soll ein stolzes Alter von ein paar Jahrhunderten aufweisen. Wir starteten nach einer Andacht in der Kapelle in Zedlach in den Morgen, zunächst steil, später recht gemütlich bergwärts bis zur Wodenalm auf 1.825m wandernd. Extra für unsere Gruppe aufgesperrt, kredenzte die Betreiberfamilie Niederegger auf der Almhütte regionale Köstlichkeiten wie Ziegenkäse im Speckmantel, Bergpanorama inkludiert.

Gerne hätten wir mehr Zeit an diesem idyllischen Platz verbracht, doch nahendes Donnergrollen und dunkle Wolken mahnten zum Aufbruch. Das Wetter verzog sich glücklicherweise Richtung Defereggental und es blieb bei ein paar harmlosen Regentropfen, so dass wir abschließend noch gemütlich Kaffee und Kuchen auf der Terrasse des Gosserhofes in Zedlach genießen konnten. Spiritueller Höhepunkt des Tages war dann die Feier der Heiligen Messe mit Pfarrer Josef Allmaier in der prächtigen Matreier Pfarrkirche, wo Manuela Maier im Anschluss noch einiges zur Geschichte dieses bemerkenswerten Kirchenbaus erzählte.

Da der Wetterbericht für den vierten Pilgertag heftige Gewitter am frühen Nachmittag vorhersagte, entschlossen wir uns den Tag umzuplanen, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Nach einem gemütlichen Frühstück trafen wir uns mit Peter Mattersberger, seines Zeichens Heimatforscher und begeisterter Matreier, welcher uns bei einem erbaulichen Kulturspaziergang „seinen“ Markt genauer vorstellte. Der Rundgang endete beim Klaubaufmuseum, wo wir die Hintergründe des tief in der Matreier Bevölkerung verwurzelten Brauches kennen- und verstehen lernten.

Das Mittagessen genossen wir noch in Matrei, bevor wir schließlich wieder Richtung Kärnten aufbrachen. In Maria Pirkach feierten wir gemeinsam mit Pfarrer Josef Allmaier eine stimmungsvolle Abschlussmesse in der dortigen, vielen kaum bekannten Marienkirche. Josef Allmaier sei von Herzen für seine bereichernden Andachten und Messen sowie für die vielen aufmerksamen und wertvollen Gespräche gedankt, die unsere gemeinsamen Tage bereichert haben.

Ein herzliches Dankeschön gilt auch Monika Gschwandner und Monika Suntinger für die umsichtige Organisation und engagierte Begleitung, Manuela Maier für ihre stets interessanten kunst- und kulturgeschichtlichen „Einwürfe“ sowie Bernhard Wastian für das bravouröse Chauffieren.

Unser Dank gilt auch allen anderen, die durch ihr Zutun dazu beigetragen haben, dass diese vier Tage so gut gelingen konnten. Und nicht zuletzt ein herzliches Vergelt’s Gott an euch, liebe Pilgerinnen und Pilger, dass ihr euch wieder mit uns auf den Weg gemacht und diese gemeinsamen Tage zu einem besonderen Erlebnis werden habt lassen!

(Manuela Maier, Monika Gschwandner-Elkins)