Organisation

Referat für Tourismusseelsorge

Kulturfahrt nach Tamsweg

Samstag, 30. Mai 2026

Über die Nocke – von einer wohltätigen Gräfin und einem Lungauer Original

„Auch uns hatte das Reisefieber ergriffen und wir packten eilig (…) unsere Rucksäcke. Wir wollten diese Ferien in den Lungau, dem kleinsten und unzugänglichsten von Salzburgs Gauen, hinein, um uns dies wildromantische Stückchen Land mit seinen herrlichen Bergen und Tälern näher anzusehen.“

Dieses Zitat einer Ferienreise in den Lungau des 15jährigen Salzburger Realschülers Karl Ströcker aus dem Jahre 1905 brachte das Vorhaben unserer 37köpfigen Teilnehmergruppe über 120 Jahre später auf den Punkt. Auch uns zog es an einem „Sommertag im Mai“ in den Lungau, um dieses „wildromantische Stückchen Land“ genauer in Augenschein zu nehmen.

Über St. Michael und St. Margarethen gelangten wir zunächst nach Thomatal, einer idyllischen kleinen Gemeinde auf über 1000 m Seehöhe gelegen, wie übrigens fast alle Lungauer Gemeinden mit Ausnahme von Ramingstein. Direkt neben dem Gemeindeamt befindet sich das 2024 eröffnete „Valentinum“, ein kleines Museum, welches das Leben und Wirken des wohl bekanntesten Pfarrers im Lungau dokumentiert. Pfarrer Valentin Pfeifenberger wirkte von 1956 bis zu seinem Ableben 2004 in Thomatal. Ob seines eigenwilligen Äußeren häufig als „Lungauer Original“ bezeichnet, war Pfarrer „Voitl“ beseelt von einem tiefen und innigen Gottvertrauen und verstand es mit seinem anschaulichen und volksnahen Glauben die Herzen der Menschen zu berühren. Nach einem Besuch seines Grabes an der Kirchenmauer und der Pfarrkirche hl. Georg stattete der Mesner von Thomatal unserer Gruppe überraschend einen Besuch ab und erzählte in lebendiger und herzerfrischender Manier allerlei Anekdoten und Erlebnisse mit Pfarrer Pfeifenberger.

Bei einem anschließenden Kulturspaziergang durch das Zentrum des Marktes Tamsweg begaben wir uns auf die Spuren von Salzburger Erzbischöfen, Bürgersleuten, den adeligen Herren von Kuenburg, Kapuzinermönchen, Handwerkern und Künstlern. Am Marktplatz reihen sich Bürgerhäuser in bunter Farbgebung aneinander und erzählen aus ihrer über 500 Jahre alten Geschichte. Allen voran das heutige Rathaus mit seinen markanten Eckerkern und schöner Fassadenmalerei, in seiner Gesamtheit einer der wenigen Renaissancebauten im Lungau. Und was wäre Tamsweg ohne die Maler- und Mesnerfamilie Lederwasch, welche nicht nur im Lungau ihre künstlerischen Spuren hinterließ.

Nach einem wohlschmeckenden Mittagsmahl beim Gasthof „Gambswirt“ statteten wir der Pfarrkirche hl. Jakobus d.Ä. einen Besuch ab. Ein Teil der Kirchhofmauer dient in ihrer Gestaltung durch das Künstlerpaar Johanna und Helmut Kandl als Ort des Gedenkens an die Gewaltherrschaft des NS-Regimes und der Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit dieser menschenverachtenden Zeit. Die prachtvolle barocke Ausstattung und Innenraumgestaltung der Pfarrkirche spiegelt das Glaubensbewusstsein und den damaligen Wohlstand der Tamsweger Bürger eindrucksvoll wider.

Als Kontrast zum barocken „Augenschmaus“ tauchte die Gruppe am Nachmittag nach einem etwas längeren Aufstieg bei einer Burgführung in die Geschichte der Burganlage Finstergrün im ehemaligen Bergbauort Ramingstein ein. Im 13. Jahrhundert als Grenzfeste zwischen dem Erzbistum Salzburg und dem Herzogtum Steiermark errichtet, wurde sie bei einem verheerenden Waldbrand 1841 fast vollkommen zerstört. Der ungarische Sándor Graf Szápàry erwarb um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die Ruine und baute die Burg im neoromanischen Stil nach seinen Vorstellungen auf. Seine Gattin Margit, eine geborene Henckel von Donnersmarck zählt bis heute zu den großen Wohltäterinnen des Lungaus. Nach dem frühen Tod ihres Gatten führte sie den Burgbau fort und engagierte sich in vorbildlichster Weise u.a. für die sozialen Belange ihrer neuen Heimat.

Zum Abschluss besuchten wir die Grabstätte von Margit Gräfin Szápàry bei der Pfarrkirche hl. Achatius in Ramingstein und erwiesen noch dem Kirchenpatron, dem hl. Achatius – einer der 14 Nothelfer – unsere Referenz. Handelt es sich bei der Pfarrkirche in Ramingstein doch um die einzige, dem hl. Achatius geweihten Kirche im ganzen Bundesland Salzburg. Nach Bränden wurde sie 1889 in rein neugotischem Stil wiedererrichtet und stellt somit ein einmaliges Bauwerk dieser Stilepoche dar.

Ermüdet aber glücklich von vielen neuen Eindrücken in diesem „wildromantischen Stückchen Land“ traten wir am späten Nachmittag über Predlitz, Turrach und die Turracher Höhe die Heimreise an, sicher und ruhig „kutschiert“ von unserem äußert netten und hilfsbereiten Busfahrer Patrick.
Wie immer an dieser Stelle ein von Herzen kommendes „Vergelt’s Gott“ an Monika Suntinger für Ihre berührende kleine Morgenandacht in der Pfarrkirche Thomatal sowie für die Gesamtorganisation, Monika Gschwandner-Elkins für Ihre Hilfsbereitschaft in kleinen aber wichtigen Dingen des gemeinsam unterwegs seins und Manuela Maier für Ihre spannenden historischen Ausführungen!

(Manuela Maier)

Das Referat für Tourismusseelsorge bedankt sich ganz herzlich bei Michael Tavernaro, dem Social-Media-Experten der Diözese, der an diesem Tag mit dabei war und fast alle Momente festgehalten hat. Das Ergebnis, eine Zusammenfassung und Rückschau, ist demnächst hier zu sehen.