Im Zeichen des Friedens
GEH.rede am Plöckenpass
„Wie schon so oft hatte ich das schmiedeeiserne Portal mit der Aufschrift „1915 Heldenfriedhof 1918“ durchschritten und war langsam an den aufgereihten Gräbern entlanggegangen, immer wieder einen Blick auf die Namen der Verstorbenen richtend, hie und da stehenbleibend, um den Wortlaut der lapidaren Inschriften zu lesen, den nach außen hin völlig gleichartigen Erinnerungsmalen einen Namen zu geben, den sogenannten Helden ein Schicksal zuzuweisen, ein Schicksal, das sie ganz nahe ihrer letzten Ruhestätte ereilt hatte, als sie für Kaiser und Vaterland hier im oberen Gailtal die Grenze zu Italien verteidigten.“
Mit diesen Zeilen beginnt die Erzählung „1915 Heldenfriedhof 1918“, in welchem der Autor Mario Rausch aus dem Leben seines Urgroßvaters Adolf Rausch erzählt, welcher als erster seiner Einheit am 1915 eröffneten Frontabschnitt am Plöckenpass sein Leben lassen musste.
Die Schönheit des Angerbachtales wird jäh durchbrochen von Soldatenfriedhöfen, Mahnmale der Geschichte und zugleich Orte persönlicher Erinnerung. Der unbekannte Soldat fand hier seine letzte Ruhestätte neben Menschen aus dem Gailtal und aus entfernteren Gegenden der Habsburgermonarchie. Auch ein „unbekannter Soldat“ war Sohn, Bruder, Vater, Ehemann. Er hatte nicht das Glück, mit seinem Namen am einfachen eisernen Kreuz der Nachwelt in Erinnerung zu bleiben.
Man tat seine Pflicht als Untertan eines Reiches, welches schon lange vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges dem Untergang geweiht war. Plötzlich wurden aus Nachbarn und Freunden Feinde, auch Familien wurden entzweit und menschliche Tragödien ungeahnten Ausmaßes waren die Folge eines Krieges, welcher scheinbar unabdingbar war.
Bei dem gemeinsamen GEH.rede am Plöckenpass zu den Soldatenfriedhöfen und Gedenkorten im Angerbachtal hat der Krieg anhand des Schicksals der letzten Lebenswochen von Adolf Rausch, die von Manuela Maier aufgeteilt auf vier Stationen vorgetragen wurden - einen Namen und ein Gesicht bekommen. Ein Schicksal, das stellvertretend für viele steht, sowohl auf österreichischer, als auch auf italienischer Seite. Leid und Trauer kennen keine Nationalität, sondern nur verwundete Herzen.
Die Gefallenen wurden als Helden verehrt, als Kriegshelden, die ihr Leben einem höheren Sinn opferten. Dieser Begriff des „kriegerischen Helden“ war Anlass, um sich mit dem Begriff des „Heldentums“ in seinen verschiedenen Bedeutungen kritisch auseinanderzusetzen. Der Begriff „Held“ hat heute einen Bedeutungswandel vollzogen, vom kriegerisch-gewalttätigen Aspekt hin zu Verantwortung, Solidarität und Zivilcourage. „Modernes Heldentum“ zeichnet sich aus durch ein selbstloses Eintreten für den Mitmenschen, in einer Welt, die den Frieden bitter nötig hat. So auch der eindringliche Apell unseres Papstes Leo XIV: „Möge Gott uns auf Wegen der Gewaltlosigkeit führen!“
Den spirituellen Abschluss fand das GEH.rede beim Grünsee mit einem von Pfr. Josef Allmaier gemeinsam mit Pfr. Sergius Duru zelebrierten Gottesdienst. An diesem ganz besonderen Tag, der im Zeichen des Friedens und von „Senza confini“ stand, wurde deutlich, dass die Erinnerung an die Schrecken der Vergangenheit nur dann ihren Sinn erfüllt, wenn sie uns dazu bewegt, Brücken statt Grenzen zu bauen. Möge das gemeinsame Gedenken ein Auftrag für die Gegenwart und Zukunft sein: den Frieden zu bewahren, Versöhnung zu leben und die Menschlichkeit über alle Grenzen hinweg in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen.
Ein herzliches Dankeschön gilt in diesem Zusammenhang Ingo Ortner aus Kötschach-Mauthen, der in besonderer Weise zum Gelingen des GEH.redes beigetragen hat.
(Manuela Maier, Monika Gschwandner)