Organisation

Referat für Tourismusseelsorge

Auf alten Pilgerpfaden durch Karnien

Angesichts des Sonnenscheins bereits am frühen Morgen begann unser diesjähriger Pilgertag am Cammino delle Pievi schon während der Anreise von Klagenfurt vielversprechend. Über Villach führte uns die Fahrt nach Zuglio, dem antiken Iulium Carnicum. Hier trafen wir mit den über den Plöckenpass mit Pfarrer Josef Allmaier angereisten Drautaler Teilnehmern zusammen. Nach einer gemütlichen Einkehr in der Trattoria M.a.n.d.y. mit einem typisch italienischen Frühstück, machten wir uns gemeinsamen auf den Weg – hinein in die stille Bergwelt Karniens und auf die Spuren einer jahrhundertealten Glaubenstradition.

Zuglio, unser Ausgangspunkt, blickt auf eine bedeutende römische Vergangenheit zurück. Das antike Iulium Carnicum galt als wirtschaftliches ebenso wie religiöses Zentrum der Region, dessen Geschichte bis heute in San Pietro weiterlebt, der ehemaligen Tauf- und heutigen Pfarrkirche, die am steilen Hügel oberhalb des Ortes thront und seit ihrer Renovierung im vergangenen Jahr noch eindrucksvoller ins Land hineinblickt.

Die alten Taufkirchen Karniens, die sogenannten Pievi, waren einst geistliche und gesellschaftliche Mittelpunkte der verstreuten Berggemeinden. Sie sind bis heute beeindruckende Zeugen einer lebendigen Glaubenstradition.

Unser Pilgerweg führte uns von Zuglio anfangs bergwärts nach Sezza und dann auf gleichbleibender Höhe am Westhang des Monte Duran nach Süden über die Ortschaft Cazzaso zur Wallfahrtskirche Santa Maria Oltre Bût. Wir wanderten über Waldwege und Nebenstraßen durch die reizvolle, sonnendurchflutete Landschaft Karniens, vorbei an verstreuten Einzelgehöften und entlegenen Siedlungen, die seit Generationen Menschen miteinander verbinden. Dabei wurde spürbar, dass der Cammino delle Pievi weit mehr ist als ein Wanderweg: Er erzählt von der Geschichte des Christentums, von der tiefen Verwurzelung des Glaubens und vom Leben der Menschen in dieser abgeschiedenen Alpenregion.

Unser Ziel, die Wallfahrtskirche Santa Maria Oltre Bût, auf einem markanten Felsen über der Ortschaft Casanova errichtet, empfing uns als Ort der Besinnung. Hier feierten wir mit Pfarrer Josef Allmaier die Heilige Messe. In der besonderen Atmosphäre der Kirche konnten wir innehalten und bewusst Gemeinschaft im Singen und Beten erleben. Es war der spirituelle Höhepunkt eines Tages an einem Kraftort, an dem sich Natur, Geschichte und Glaube auf wunderbare Weise miteinander verbinden.

Von der Kirche aus erfolgte der Abstieg über eine historische Steintreppe mit rund 400 Stufen entlang des Kreuzweges bis zu unserem Reisebus, der bereits am Fuß des Kirchhügels auf uns wartete, um die Gruppe nach Tolmezzo zu bringen.

Mit einer Einkehr in der Antica Osteria Valle und einem anschließenden Abstecher zur Gelateria L'Artigiano im Ortszentrum fand die letzte Pilgerwanderung dieses Jahres ihren kulinarischen Ausklang.

So wurde unsere Pilgerwanderung auf dem Cammino delle Pievi zu einer besonderen Reise für Herz und Seele: ein Tag des gemeinsamen Unterwegsseins, des Gebets und der Verbundenheit mit einer Landschaft, deren Wege seit Jahrhunderten Menschen zu ihren Kirchen und zueinander führen, begleitet von Pfarrer Josef Allmaier, dessen Gedanken und spirituelle Impulse diesem Tag eine besondere Tiefe verliehen und bereicherten.

(Monika Gschwandner-Elkins)