Organisation

Katholischer Akademikerverband

Eine gedrängte Aufzählung - Ausstellung von Iris Andraschek und Hubert Lobnig im [  ] Kunstquadrat Maria Saal

Kunstintervention in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Saal - 27. September bis 22. November 2020 täglich geöffnet

Unter der Empore der mit Kunstwerken aus fünf Jahrhunderten ausgestatteten Maria Saaler Pfarr- und Wallfahrtskirche befindet sich ein Raum mit quadratischer Grundfläche, der für zeitgenössische Kunst einen geeigneten Platz bietet. Der Katholische Akademikerverband Kärnten (KAV) hat in Zusammenarbeit mit der Pfarre Maria Saal das Projekt [ ] KunstQuadrat ins Leben gerufen, das einmal im Jahr zeitgenössischen bildenden Künstler*innen die Möglichkeit gibt, in dieser viel besuchten Kirche auszustellen. Die thematische Ausrichtung der Kunstinterventionen wird dabei stark vom Ambiente des Sakralraumes mitbestimmt. Nach den erfolgreichen Kunstinstallationen von Ina Loitzl (2018) und Bernhard Wolf (2019) wird am Sonntag, dem 27. September 2020, um 10 Uhr das diesjährige [ ] KunstQuadrat mit einer Installation von Iris Andraschek und Hubert Lobnig im Rahmen der Sonntagsliturgie „eröffnet“.

Pflanzen in Versuchsanordnung

In der Installation von Iris Andraschek werden in dem kleinen Raum mit Kreuzrippengewölbe unter der Empore, der wie eine Miniatisierung des großen wirkt, mit speziellen Vorrichtungen Pflanzen montiert und aufgehängt. Diese werden von unten mit speziellen, kinetischen Vorrichtungen beleuchtet, so dass sie langsam bewegte Schatten an die Decke und an die Wände werfen. Wie für eine wissenschaftliche Anordnung, für ein Experiment oder eine Untersuchung sind die Pflanzen ausgesucht, hängend getrocknet, vorbereitet und angeordnet. Ihre Schatten treffen und verknüpfen sich mit der oft floral inspirierten formalen Sprache der Gotik und Spätgotik.

Ein Mobile mit Pflanzenteilen hängt von der hohen Decke im Kirchenraum - ein schwebender Hinweis auf die floralen Fresken an der Decke.

Licht- und Schattenwürfe

Die Auseinandersetzung mit Pflanzen trifft sich hier in der Intervention/Installation mit einfacher Licht- und Projektionstechnik. Licht und Schatten und Raum spielen in der Dramaturgie der katholischen Kirchen eine zentrale Rolle. Waren die alten Kirchen mit Kerzen beleuchtet, bildete die Schwärzung mit Russ nicht nur eine ungewollte Patina, sondern auch einen Zugewinn an Stimmung für die Liturgie, die mit Weihrauch noch verstärkt wurde und wird. Ein synästhetischer Rausch aus performativem Ereignis, Gerüchen, Geräuschen, Musik, Licht- bzw. Schattenwürfen und ein Hauch von Unheimlichkeit.

Inspirationen: das Deckenfresko, Friedrich Welwitsch und der Erntedank

Mehrere Faktoren bestimmten das Konzept für die künstlerische Intervention von Iris Andraschek und Hubert Lobnig in der Stiftskirche von Maria Saal:

Beim Betreten der Kirche sprangen den beiden Künstler*innen sofort die berühmten Deckenfresken des anonymen Malers ins Auge, auf denen sonderbare Knospen, Blütensprossen und Stengel die Unterkörper der dargestellten Figuren bilden, aus denen sie geburtsartig herauswachsen – die Pflanzen bilden dabei eine Mischung aus Körper, Behausung und Bekleidung. Die Stammväter und die vier Stammmütter des Matthäus-Evangeliums wachsen aus Blüten von Alpen- und Phantasieblumen.

In diesen pflanzlichen Darstellungen lassen sich Vorbilder aus der Natur ablesen, die unbedarften Kenntnisse des Malers zur Anatomie der Pflanzen dürften einfachen Pflanzenstudien entstammen. Einzelne Pflanzen lassen sich bestimmen, wie die Distel „Männertreu“, die Mohnkapsel oder das Edelweiß. Der Künstler war sonst in der Darstellung sehr frei, hat erfunden und gesampelt, gedichtet, paraphrasiert und phantasiert, was dem Wissenschaftsverständnis seiner Zeit entsprach.

In einer Radiosendung lernten Iris Andraschek und Hubert Lobnig den historischen Wissenschaftler Friedrich WELWITSCH (1806-1872 - Pflanzengeograph in Kärnten, Begründer des Herbars in Portugal und Erschließer der Flora Angolas) kennen, der seinen Weg durch Europa und Afrika als wichtiger Botaniker des 19. Jahrhunderts von Maria Saal aus begann und – für die Künstler*innen ein interessanter Aspekt - so viele gesammelte Pflanzen hinterließ, dass sich Generationen von Museolog*innen abmühten, sie zuzuordnen, zu konservieren und einzuordnen. Der Titel der Kunstintervention „eine gedrängte Aufzählung“ ist ein direktes Zitat aus den „Botanischen Wanderungen“ (S. 123) von F. Welwitsch.

In zahlreichen Ausstellungen und Projekten bilden Pflanzen - speziell in Arbeiten von Iris Andraschek - seit jeher einen wichtigen Pfad. In zahlreichen Installationen arbeitete Hubert Lobnig mit Licht und Projektionstechnik und Projektionsobjekten.

Der Zeitpunkt der Ausstellung fällt in die Zeit der Ernte und der Beschäftigung mit den sogenannten Feldfrüchten - Gemüse, Samen, Obst.

Die Installation lädt die Besucher*Innen ein, in einen Dialog mit den floralen Fresken und der experimentellen Pflanzeninstallation zu treten, in der es auch einen Platz geben wird, an dem in der Zeit des Erntedanks die Besucher*Innen aktiv eingeladen werden, das Pflanzenarrangement zu ergänzen.

Künstlerbiografien

Iris Andraschek, geboren in Horn, NÖ, absolvierte ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien, mit ergänzenden Studien für Freskomalerei in Rom und Bozen. Arbeitsaufenthalte in Istanbul (2015), Woodside, CA (2012), New York (2010) Durham, Ontario (2002). Permanente Installationen im öffentlichen Raum in Krems (gemeinsam mit Hubert Lobnig), Loosdorf, NÖ und in Wien. Ausstellungen im In- und Ausland, zuletzt im Büyük Valide Han und Österreichischen Kulturforum, Istanbul, in der Landesgalerie Krems (2019) und dem Kunsthaus Wien (2018).

Sie lebt und arbeitet in Mödring und Wien, A

www.irisandraschek.com
www.dermusereichts.at
www.sapunghar.com

Hubert Lobnig, 1962 in Völkermarkt geboren, lebt und arbeitet in Mödring (Niederösterreich) und Wien, studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Schwerpunkte seiner künstlerischen Arbeit: Malerei, Zeichnung, Video, Fotografie sowie kontext- und ortsbezogene Projekte und Installationen im öffentlichen Raum. 1997 Gründung von Tigerpark, einer künstlerisch-kuratorischen Plattform. Hubert Lobnig ist Mitglied der NGBK in Berlin und der Wiener Secession.

Seit 1989 zahlreiche Ausstellungen und kuratorische Arbeiten im In- und Ausland. Seit Mitte der 90er Jahre entstanden viele orts- und architekturbezogene Arbeiten und Projekte im öffentlichen Raum. Es erschienen zahlreiche Publikationen zum Werk.

www.hubertlobnig.com