Pfarre / Fara

Köttmannsdorf/Kotmara vas

Pandemie-Erfahrungen neu erschlossen - ein Barock-Altar spricht ins Heute

Der Sebastian-Altar hat in der Zeit der Corona-Krise ganz neu zu sprechen begonnen.

Seit dem Jahr 1762 schmückt in der eigens dafür errichteten Seitenkapelle ein Sebastian-Altar von Josef Kapfer die Köttmannsdorfer Kirche. Die Hintergrunderfahrungen gründen in einer Zeit, in der ganz Europa von einer großen Seuche heimgesucht wurde, die ca. ein Drittel der Bevölkerung dahingerafft und eine große Erschütterung der Gesellschaft hervorgerufen hatte.

Die Auswahl der Heiligen des Altares lässt auf die Erfahrungen mit Epidemien bzw. Pandemien schließen. Sie verdeutlichen deren Herausforderungen. Ebenso führen sie uns vor Augen, wie es möglich ist, diesen praktisch, geistig und geistlich zu begegnen.

Jesus Christus – die Kraft der Annahme des Kreuzes und der Verwandlung
Ingesamt sind es sechs Heilige, die ihren Zielpunkt in Jesus Christus haben, der gestorben und auferstanden ist. Dieser erwartet die Seinen mit dem in Liebe angenommenen Kreuz in der Hand ganz oben. Mit ihm findet ihr Leben in Gott Kraft in den diversen Kämpfen sowie Frieden und Vollendung.

Der heilige Sebastian – klare Ausrichtung, Heilung der Wunden und Heiligung
Der Hl. Sebastian hat als leitender Offizier in der Leibgarde von Kaiser Diokletian gedient. Nicht Macht oder selbsternannte Götter sondern Gott und seine Liebe, wie sie in Jesus Christus offenbar geworden ist, haben ihn beseelt. So fand er Kraft zum Widerstand. Schwer mit Pfeilen verwundet, wurde er wieder gesund gepflegt und konnte sich der Herausforderung neu stellen.
Durch Heilungen und Wunder auf seine Fürsprache hin wird deutlich, dass Gott ihm Ansehen verleiht. Der Blick auf ihn bei der Behandlung der Pest-Geschwüre durch Öffnen, Reinigen und Ausheilen hat Menschen gestärkt, diese Widerwärtigenkeiten anzunehmen und sie ermutigt, um Heilung und Genesung zu bitten sowie Kranke nicht allein zu lassen.

Die heilige Rosalia – Heilung durch gutes Quellwasser, Heiligung durch die Quelle des Gebetes in der Abgeschiedenheit
Unversehrt nach ihrem Tode in einer Grotte in Sizilien/Süditalien gefunden, wurde sie sehr bald bei der Gefahr von Seuchen angerufen. Gerade Grotten mit gutem Quellwasser bekommen ihren Namen, wie z. B. die Rosaliengrotte beim Hemmaberg in Unterkärnten.
Gutes, reines, gesundes Wasser ist unerlässlich für die Heilung eines Menschen. Es gibt aber auch die Verunreinigungen im Menschen, die sein Leben vergiften und letztendlich zerstören können. Diese gilt es in der Stille und im Gebet zu reinigen. Wenn Unerledigtes und Unversöhntes sich meldet, bringt es zunächst Unruhe. Das darf und kann sich lösen, wenn wir nicht flüchten und es umso bewusster in das Gebet bringen. So innerlich befreit, können auch die leiblichen Kräfte der Abwehr und der Heilung wieder stärker werden.

Der heilige Rochus – Brot und Nähe in der Isolation
Isolation auf Dauer tut uns nicht gut. Neben den körperlichen Bedürfnissen wie Nahrung und Pflege braucht es auch die Erfahrung von Fürsorge, Zuwendung und Nähe. Das spiegelt sich auch im Leben des Hl. Rochus wider, der einmal erkrankt in der Isolation zu Grunde zu gehen drohte. Wo niemand mehr da war, hat ein Hund ihm Brot zu essen gebracht und ihm wärmende Nähe geschenkt. So konnte er wieder zu Kräften kommen.
Der Blick auf ihn zeigt uns, wo auch wir Fürsorge und Nähe erfahren und einander geben können.

Der Apostel Jakobus, der Ältere – Verlangsamung, Neuorientierung und Heilungsdienst
Viele Menschen machen sich seit Jahrhunderten auf den Weg nach Santiago de Compostella in Spanien zum Grab des Hl. Jakobus. Das Lebenstempo wird auf Schritttempo verlangsamt. Es gibt uns Raum und Zeit, Altes hinter sich zu lassen und sich neu auszurichten. Mit diesem Apostel dürfen wir schauen, worauf es in unserem Leben ankommt. Es ist möglich, aus dem immer schneller drehenden Rad der Sorgen und Ängste auszusteigen und wieder zu sehen, was da ist und - wenn nötig - entsprechend für andere da zu sein. Selbst auf dem Weg zur Hinrichtung hat er noch einen Mann geheilt. So ist er auch der Patron der Apotheker und Drogisten.
Danke allen, die uns Medizin bereit stellen, ein offenes Ohr und ein gutes Wort für unsere Bedürfnisse auf dem Weg. Für wen dürfen wir Medizin sein?

Die heilige Notburga – eine einfache Magd, gottverbunden, frei und einsatzbereit
Gerade in dieser Zeit bekommen Menschen in der Pflege und im Bereich der Landwirtschaft Wertschätzung und Anerkennung, die über lange Zeit nur all zu gerne für ihren aufopferungsvollen Dienst belächelt, unterbezahlt und ausgebeutet wurden. Die Hl. Notburga war auch so ein Mensch. Sie war aber auch selbstbewusst und frei. Sie hat den nötigen Respekt eingefordert und sich den Freiraum, um einen guten Dienst leisten zu können, gegönnt. Der Sonntag war ihr heilig. So heilig und selbstverständlich war ihr auch der hingebungsvolle Dienst und sogar die Pflege und Sorge für ihre ehemalige, ausbeuterische Herrin.
Solche Vorbilder sind die "wahren Helden des Alltags" und spornen zum positiven Handeln an.

Isidor von Madrid – ein einfacher Bauer, Nahversorger und Helfer in der Not
Er hat die Felder zum Blühen gebracht. Wo er wirkte gab es reiche Ernte und die Menschen konnten sich nähren. Er ist der Heilige der Nahversorger, die wir in diesen Tagen wieder ganz neu schätzen lernen. Er steht aber auch für die Nachbarschaftshilfe, wenn aufgrund eines oder mehrerer Todesfälle in der Familie die Felder nicht bestellt und die Ernte nicht eingebracht werden konnten. Ebenso steht er für den Wert der Familie. Gemeinsam mit seiner Frau hat er für die Kinder und die alten Menschen am Hof wie auch für viele andere gesorgt.
In dieser Zeit dürfen wir danke sagen für unsere Familien, auch wenn sie nicht immer heil sind. Sie tragen das Leben und letztlich auch unsere Gesellschaft.

Die Sebastianbruderschaft - eine Antwort auf die Herausforderungen der Zeit
Als Antwort auf die Epidemie-Erfahrungen wurde im 18 Jhdt. eine Sebastianbruderschaft in Köttmannsdorf gegründet. Die Auswahl der sechs Heiligen als Konkretisierung der Verbindung mit Jesus Christus, der unser menschliches Leben angenommen hat, zeigt uns, wie sie damals ihren Dienst verstanden und was sie für wichtig erkannt hat.
Ihre Erfahrung in Gestalt des Köttmannsdorfer Sebastian-Altares kann auch uns inspirieren, ein Zeugnis für Gottes erneuernde Kraft sowie eine gute Antwort auf die Herausforderungen heute zu geben.

https://www.youtube.com/watch?v=pgQOY7Fxdk0

Lep pozdrav in Božji blagoslov - prosim za Vašo molitev za dobri ponovni začetek.
Mit besten Grüßen und Segenswünschen bitte ich Euch um Euer Gebet für einen guten Start und Neubeginn.

Euer Pfarrer/Vaš župnik Michael G. Joham