Pfarre

Maria Saal

Dome in Concert

"Von irdischen Klängen zu himmlischen Sphären"

Moderation von Max Fritz zum Nachlesen:

Lassen sie uns mit Edgar Allan Poe beginnen. Der amerikanische Autor, weltberühmt durch seine mysteriösen, dunklen Geschichten, hatte eine große Leidenschaft – Musik. In mehreren Essays und Texten hat er immer wieder Musik zum Thema gemacht- in einem davon sagt er
„Music, when combined with a pleasurable idea, is poetry; music, without the idea, is simply music“. Musik, wenn sie mit einer angenehmen, passenden Idee, kombiniert wird, ist Poesie- Musik ohne diese Idee ist einfach Musik.

Einfach Musik, einfache Musik- das erwartet sie nun in dieser kommenden Stunde nicht, ganz im Gegenteil. Sie hören Werke unterschiedlicher Epochen und unterschiedlicher Stile, denen aber eines gemein ist: die Idee, die tiefere Botschaft, die Magie, die aus Notation Musik und mehr als Musik macht- Klangwolken und uns Zuhörende durch irdische Klangkaskaden zu himmlischen Sphären führt.

Die uns aber auch hier und heute herausfordert- sie werden Michael Jacksons Earth Song hören, 1995 komponiert. Im Text heißt es unter anderem:

What have we done to the world?
Look what we've done
What about all the peace that you pledge your only son?

Did you ever stop to notice
All the children dead from war?
Did you ever stop to notice
This crying Earth, these weeping shores?

Was haben wir der Welt angetan, was haben wir gemacht. Was ist mit dem Frieden, den wir unserem einzigen Sohn versprochen haben?

Haben wird aufgehört, die toten Kinder der Kriege wahrzunehmen. Haben wir aufgehört die weinenede Erde, die weinenden Küsten wahrzunehmen.

deutsche Übersetzung des Earth Songs:

Was ist mit dem Sonnenaufgang,
was mit dem Regen und all den anderen Dingen, die wir angeblich bekommen sollten?
Was ist mit den Feldern des Todes? Gibt es eine Zeit?
Was ist mit all den Dingen, die angeblich dir und mir gehören? Hast du je bemerkt, wie viel Blut wir schon vergossen haben?
Dass die Erde schreit und die Küsten der Meere weinen?

Was haben wir der Welt alles angetan! Schau was wir getan haben.
Was ist mit dem Frieden, den du deinem einzigen Sohn versprichst?
Was ist mit den blühenden Feldern? Kommt deren Zeit noch?
Was ist mit unseren gemeinsamen Träumen?
Hast du je die Kindern bemerkt, die in Kriegen umkommen?
Dass die Erde schreit und die Küsten der Meere weinen?

Einst habe ich geträumt, habe hinter die Sterne geschaut.
Heute weiß ich nicht mehr wo wir sind –
obwohl ich weiß, dass wir weit abgedriftet sind.

Hey, wo ist die Welt von gestern,
was ist mit uns?
Was ist mit den Ozeanen? –
und was mit uns?
Die Himmel stürzen über uns ein.

Ich kann nicht einmal mehr atmen.
Wie geht’s der blutenden Erde?
Spüren wir ihre Wunden?
Was ist mit der Teilnahmslosigkeit?
Ich brauche dich!

Was ist mit dem Wert der Natur?
Sie ist doch der fruchtbare Schoß unseres Planeten!

Was ist mit uns?
Was ist mit den Tieren?
Wir haben ihre Königreiche in Staub verwandelt!

Was ist mit den Elefanten?
Haben wir nicht ihr Vertrauen verspielt?
Was mit den weinenden Walen?
Wir plündern die Meere.

Was ist mit den Wäldern, die wir abgefackelt haben?
Was ist mit dem Heiligen Land, das von Glaubenskriegen zerrissen wird?
Was ist mit dem Menschen wie du und ich,
können wir ihm die Freiheit geben?
Was ist mit den sterbenden Kindern –
können wir ihr Weinen tatsächlich überhören?
Was ist nur schiefgelaufen mit uns?
Kann mir das einer sagen?
Was ist mit den Kindern,
den Tagen der Freude?

Was ist mit dem Mensch?
Was ist mit dem weinenden Menschen?
Was ist mit uns?
Was ist mit Abraham – dem Stammvater?

Und schließlich: Was ist mit dem Tod?
Interessiert uns das alles überhaupt?

Für den griechischen Philosophen Platon war klar: Musik und Rhythmus finden ihren Weg zu den geheimsten Plätzen der Seele. Musik berührt, verwandelt, lässt im Moment des Hörens die Zeit stehen, hebt die Seele aus den Erschwernissen des Alltags und die Begrenztheit des Körpers. Sie weitet den Menschen im Moment des Erlebens. Musik hatte und hat daher immer auch eine religiöse Konnotation als Brücke zum Numinosen, Unerfassbaren, Ätherischen. Oder, wie es Victor Hugo formuliert hat: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“.

Lassen wir also die plumben Worte und lassen wir an unserer Stelle Musik sprechen und uns so hinaufführen in lichte Spähren und durch Harmonie gewordene Zelt-Losigkeit einen Abglanz des Höchsten erfahren.

Heinrich Heine antwortete auf die Frage: „Was ist Musik“… Was ist die Musik? Sie steht zwischen Gedanken und Erscheinung; als dämmernde Vermittlerin steht sie zwischen Geist und Materie; sie ist beiden verwandt und doch von beiden verschieden; sie ist Geist, aber Geist, welcher eines Zeitmaßes bedarf; sie ist Materie, aber Materie, die des Raumes entbehren kann.

Sie ist also eine Brückenbauerin, die Musik, zwischen dem unten und oben, dem irdischen und himmlischen. Verwurzelt und erschaffen, produziert auf Erden verweist sie über Raum und Zeit hinauf zum Höchsten. Für Nikolaus Harnoncourt war das Dirigieren der h-moll-Messe von Bach in einem Konzertsaal eine Form des Gebetes. Lassen wir in diesem letzten Block des Abends noch einmal für uns beten und lassen wir uns hinauftragen und erfahren wir vewundert verwandelt, wie unsere Ohren Augen werden und sogar einen Blick in paradisum, ins Paradies erhaschen.

Am Ende dieses musikalisch segensreichen Abends in diesem unglaublich schönen Gotteshaus wollen wir noch um den Segen bitten- und wie logisch und klar und himmlisch ist es, Domkantorei und Orchester zu bitten, für uns zu bitten…

Mit großer Leidenschaft, Hingabe und musikalischer Ausdruckskraft haben Sie die Zuhörer:innen berührt und den Raum mit einer besonderen spirituellen Atmosphäre erfüllt. Jede Stimme und jedes Instrument trug zu einem eindrucksvollen und harmonischen Gesamterlebnis bei.

Wir danken allen Mitwirkenden für dieses wunderbare musikalische Geschenk und wünschen weiterhin viel Freude, Inspiration und Gottes Segen für ihr gemeinsames Wirken in unserer Pfarre.

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Ein herzliches Dankeschön und großes Kompliment an unsere Maria Saaler Dommusik, der Kantorei, den wunderbaren Solisten und dem gesamten Orchester für dieses beeindruckende Konzert.