dome in concert - Lux paschalis
"Vom Dunkel ins Licht"
1. Lux Paschalis ist lateinisch und bedeutet "Osterlicht". Der Titel bezieht sich auf das Licht, das in der christlichen Liturgie, insbesondere in der Osternacht, eine zentrale Rolle spielt. Es symbolisiert die Auferstehung Jesu Christi und den Sieg des Lichts über die Dunkelheit, des Lebens über den Tod. In der Osternacht wird die Osterkerze entzündet, die als Zeichen für den auferstandenen Christus steht und von der aus das Licht an die Gläubigen weitergegeben wird.
„Lux paschalis“ – das österliche Licht.
Ein Licht, das nicht blendet, sondern verwandelt. Ein Licht, das nicht nur den Raum erhellt, sondern den Blick auf die Welt.
Wir befinden uns noch in der nachösterlichen Zeit – jener Phase, in der das, was an Ostern gefeiert wurde, langsam in uns nachklingt: die Botschaft von der Auferstehung. Der christliche Glaube spricht hier nicht von einer bloßen Erinnerung, sondern von einem Durchbruch: Leben, das stärker ist als der Tod. Licht, das stärker ist als jede Dunkelheit.
Die Musik dieses Abends führt uns durch Jahrhunderte kirchlichen Denkens, Fühlens und Hoffens. Sie zeigt, wie unterschiedlich Generationen diesen Auferstehungsglauben verstanden und ausgedrückt haben – und doch bleibt der Kern derselbe: die Erfahrung, dass neues Leben möglich ist, selbst dort, wo alles beendet scheint.
Vielleicht können wir dieses Konzert hören wie einen Weg: vom Dunkel ins Licht, von der Frage zur Hoffnung, von der Vergänglichkeit zur Verheißung.
2. Wenn in der Osternacht die Kerze entzündet wird, beginnt alles mit einem kleinen Licht. Ein Licht, das weitergegeben wird – von Hand zu Hand, von Mensch zu Mensch – bis der ganze Raum erfüllt ist.
„Lux paschalis“: dieses österliche Licht ist mehr als ein Symbol. Es steht für den Kern des christlichen Glaubens: die Auferstehung. Für die Überzeugung, dass das Leben nicht im Tod endet, sondern verwandelt wird.
Die Musik, die Sie heute hören, stammt aus ganz unterschiedlichen Epochen. Und doch verbindet sie eine gemeinsame Frage: Wie klingt Hoffnung? Wie lässt sich das Unfassbare – die Überwindung des Todes – in Töne fassen?
Manche Werke tun dies in stiller Innerlichkeit, andere in festlicher Strahlkraft. Gemeinsam ist ihnen, dass sie das Licht von Ostern hörbar machen wollen.
Vielleicht entdecken Sie im Laufe dieses Abends Ihr ganz eigenes „österliches Licht“ – einen Moment der Klarheit, der Zuversicht oder auch einfach der Schönheit.
3. „Lux paschalis“ – das österliche Licht ist kein dekoratives Motiv. Dieses Licht ist mehr als ein schönes Bild. Es steht für eine der zentralen Aussagen des christlichen Glaubens: dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Eigentlich ist das eine Zumutung. Denn es behauptet etwas, das unserer alltäglichen Erfahrung widerspricht: dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Der christliche Auferstehungsglaube ist von Anfang an ein Wagnis gewesen. Er stellt die Frage: Was wäre, wenn Hoffnung mehr ist als ein Wunsch? Was wäre, wenn Leben tatsächlich stärker ist als Vergänglichkeit?
Die Kirchenmusik hat sich über Jahrhunderte hinweg genau an dieser Frage abgearbeitet. Sie hat gezweifelt, gejubelt, gerungen – und immer wieder versucht, diesem Geheimnis eine Stimme zu geben.
Sakrale Musik ist nicht nur Stilgeschichte, sondern auch Glaubensgeschichte: ein Ringen um Licht – um das „lux paschalis“.
Deshalb sind die Werke des Abends mehr als Kunst; sie sind eine Einladung, die Frage nach Hoffnung neu zu stellen. Vielleicht hören wir darin nicht nur Vergangenheit, sondern auch etwas, das uns heute, vor allem heute in diesen Zeiten voll Dunkelheit betrifft: die Frage nach Hoffnung – und nach dem Licht, das bleibt.
Text: Max Fritz