Organisation

Kirche und Arbeitswelt

ERKLÄRUNG DES MMTC ANLÄSSLICH DES INTERNATIONALEN TAGES FÜR MENSCHENWÜRDIGE ARBEIT 2026

Würdevolle Arbeit – Weg zu Gerechtigkeit, Frieden und Hoffnung

Bildunterschrift (Bildrechte sind zwingend anzugeben!)
Foto:ILO

Anlässlich des Welttages für menschenwürdige Arbeit bekräftigt die Weltbewegung Christlicher Arbeiter (WBCA) ihr Engagement für die Würde aller arbeitenden Menschen und für den Aufbau einer Welt, in der Arbeit dem Leben, der Gerechtigkeit und dem Frieden dient.

Aus unserem Glauben an Jesus Christus und aus unserer Präsenz in der Arbeitswelt bekennen wir: Menschliche Arbeit darf nicht wie eine Ware behandelt oder allein der Logik des Profits unterworfen werden. Arbeit ist Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes, Weg der persönlichen Entfaltung, Band der Gemeinschaft und unverzichtbares Mittel zur Erhaltung des Lebens. Wenn Arbeit prekär wird, ausgebeutet oder verweigert wird, werden nicht nur Rechte verletzt: Die Würde der Person wird verwundet und die Solidarität unter den Völkern geschwächt.

Wir leben in einer Zeit, die von Kriegen, Ungleichheiten, erzwungenen Migrationen, Arbeitslosigkeit, Informalität, Arbeitsunfällen, Armut trotz Arbeit und neuen Formen der Ausbeutung geprägt ist. Die gesellschaftspolitische Polarisierung erschwert den Dialog und bedroht mühsam errungene Arbeitsrechte. Deshalb wollen wir betonen: Es wird keinen wahren Frieden ohne soziale Gerechtigkeit geben, und keine soziale Gerechtigkeit ohne menschenwürdige Arbeit.

Papst Leo XIV erinnert uns: „Das Bewusstsein für ein gemeinsames Schicksal der Völker verlangt, dass die Kultur der Verhandlung immer mehr zu einer gemeinsamen Verpflichtung wird“ (Magnifica humanitas, MH, 221). Dieser Ruf erhellt heute die Mission derjenigen, die menschenwürdige Arbeit verteidigen. Kollektivverhandlungen, Gewerkschaftsfreiheit, sozialer Dialog und die Beteiligung der Arbeitenden sind notwendige Wege, um gerechtere Gesellschaften aufzubauen.

In diesem Sinne unterstreicht das WBCA die Bedeutung der Anerkennung, des Schutzes und der Stärkung internationaler Arbeitsnormen. Sie sind ein ethisches und rechtliches Erbe der Menschheit, besonders notwendig in Zeiten tiefgreifender produktiver und technologischer Veränderungen. Die Verabschiedung des internationalen Übereinkommens über Arbeit auf digitalen Plattformen[1] – das erste rechtlich verbindliche Instrument zur Regulierung der Arbeitsbedingungen von Millionen Beschäftigten in diesem Sektor – stellt einen hoffnungsvollen Fortschritt dar. Nun gilt es, seine wirksame Umsetzung zu gewährleisten, damit Innovation nicht dazu dient, Arbeitsverhältnisse zu verschleiern, Rechte zu schwächen oder Prekarität zu verstärken.

Wir fordern auch eine demokratische Regulierung der künstlichen Intelligenz in Arbeitsprozessen. Kein Algorithmus darf in intransparenter Weise über Löhne, Arbeitsrhythmen, Einstellungen, Entlassungen, Überwachung oder Leistungsbewertung entscheiden. Technologie muss dem Menschen dienen – mit Transparenz, menschlicher Aufsicht, unternehmerischer Verantwortung und Beteiligung der Arbeitenden.

Zugleich prangern wir die Lage vieler Migrantinnen und Migranten an, die tragende Säulen unserer Gesellschaften sind, ohne dass ihre Rechte vollständig anerkannt werden. Menschenwürdige Arbeit verlangt Bürgerrechte, Gleichbehandlung, sozialen Schutz, Regularisierung, Integration und die Ablehnung jeder Form von Rassismus, Ausbeutung oder Diskriminierung.

Gegenüber jenen, die Löhne und Arbeitsrechte als Hindernis für Wettbewerbsfähigkeit darstellen, bekräftigen wir: Kein Wirtschaftsmodell kann gerecht genannt werden, wenn es das Leben der Arbeitenden verbilligen muss. Wahre Prosperität erfordert produktive Investitionen, würdige Arbeitsplätze, sozialen Schutz, Sorge für das gemeinsame Haus und echte Beteiligung der Arbeitenden an Entscheidungen, die ihr Leben betreffen.

Leo XIV warnt uns vor der Versuchung, zu resignieren und zu denken, „die Probleme seien zu groß und wir zu klein“, und erinnert daran, dass „niemand von Verantwortung ausgenommen ist“ (MH, 212). Deshalb rufen wir an diesem Welttag für menschenwürdige Arbeit Regierungen, Institutionen und Menschen guten Willens auf, ihr Engagement für die Würde der Arbeit zu erneuern. Von allen Kontinenten aus wollen wir als christliche Arbeiter weiterhin Gerechtigkeit säen, Hoffnung organisieren und Frieden aufbauen. Denn dort, wo Arbeit menschenwürdig ist, blüht das Leben und die Menschheit erkennt sich als eine einzige Familie.

Beitrag von HOAC, Spanien

[1] Von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)