Neuanfang und gelebter Dialog: Das neue Leitungsteam im Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje
imFOKUS-Videointerview mit Direktorin Mija Janesch und Rektor Jože Valeško
Seit rund 100 Tagen steht das katholische Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje unter neuer Führung. Direktorin Mija Janesch und Rektor Jože Valeško blicken im imFOKUS-Interview mit der Internetredaktion auf eine intensive Anfangsphase zurück, stellen das neue kooperative Leitungsmodell vor und sprechen über ihre Visionen für das Bildungshaus.
Intensive Anfangsphase und neue Arbeitsstrukturen
Die ersten gut 100 Tage im Amt vergingen wie im Flug. Sie waren geprägt von vielfältigen Aufgaben, ersten neu organisierten Veranstaltungen und dem gegenseitigen Kennenlernen im Haus. Ein wesentlicher Unterschied zur Ära des langjährigen Altrektors Jože Kopeinig besteht in den Lebens- und Arbeitsbedingungen des neuen Leitungsteams: Weder Rektor Valeško noch Direktorin Janesch wohnen direkt im Bildungshaus.
Kollegiale Führung auf Augenhöhe
Um den Anforderungen eines modernen Bildungsbetriebs gerecht zu werden, setzt das Haus auf einen kollektiven und kooperativen Führungsstil. Das Leitungsteam zeichnet sich durch ein enges Vertrauensverhältnis und eine klare Aufgabenverteilung aus: Direktorin Mija Janesch trägt die Gesamtverantwortung für das operative Hausmanagement sowie für die wirtschaftlichen und inhaltlichen Belange. Pfarrer Jože Valeško verantwortet als Rektor die geistliche Führung und spirituelle Ausrichtung. Mag. Anton Rosenzopf-Jank verstärkt das Bildungshaus-Team als theologischer Referent.
Grundlage dieser Zusammenarbeit sind eine dichte und transparente Kommunikation, regelmäßige Arbeitsbesprechungen und ein kontinuierlicher Austausch.
Sodalitas als „Herzenswort“ – Offenheit und geistliche Mitte
Der lateinische Name des Hauses – Sodalitas (Gemeinschaft, Gefährtenschaft) – ist für beide Gesprächspartner ein echtes Herzenswort. Janesch verbindet damit unmittelbar den Dialog in all seinen Facetten. Das Haus bleibt fest in seiner gelebten Mehrsprachigkeit und der slowenischen Sprache verwurzelt, betont sie.
Rektor Valeško erinnert an die historische Gründung der Priestergemeinschaft Sodalitas Sanctissimi Cordis Jesu im Jahr 1906, aus der das Bildungshaus nach dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich aufgebaut wurde. Er verweist auch auf zwei zentrale Räume des Bildungshauses: den Eingangsbereich, einen offenen, einladenden und freundlichen Treffpunkt, an dem Gäste ankommen können, und die Kapelle im ersten Stock, die das spirituelle Herzstück des Hauses bildet.
Als zentrale pastorale Herausforderung nennt Valeško den Umstand, dass die frühere tägliche Hausmesse inzwischen entfallen ist. Ziel sei es jedoch, die eucharistische Mitte und das geistliche Fundament für Gäste und Personal neu zu verankern.
Orientierung in polarisierten Zeiten: Das Drei-Ebenen-Modell
Angesichts eines spürbar brüchiger gewordenen gesellschaftlichen Konsenses und ständiger technologischer wie gesellschaftlicher Umbrüche versteht sich das Bildungshaus als Ort der Stärkung und des Vertrauens. Hochkarätige Referentinnen und Referenten sowie Tagungen sollen den Menschen Orientierung und Mut für den Alltag schenken.
Direktorin Mija Janesch skizziert ihre Fünf-Jahres-Vision für das Tainacher Haus des Dialogs anhand von drei konzentrischen Ebenen:
- Dialog mit sich selbst: Förderung von Selbstreflexion und persönlicher Biografiearbeit.
- Dialog zum Höheren / zu Gott: Erschließung von Kraftquellen durch Meditation, Exerzitien und Schweigeseminare.
- Gesellschaftliche Ebene („Ich und die Welt“): Öffnung nach außen durch politische Bildung, Diskussionsforen und Initiativen zur Schöpfungsverantwortung.
Dieser ganzheitliche Ansatz erfüllt den Auftrag des Hauses als diözesanes Bildungshaus für ganz Kärnten.
Ein generationenübergreifendes Zeichen
Zum Abschluss hob Rektor Valeško eine besondere geschichtliche Kontinuität hervor: Mija Janesch ist die Enkelin von Dr. Vinko Zwitter, einer der prägendsten Laienpersönlichkeiten der Katholischen Aktion im zweisprachigen Raum. Dass sie nun Verantwortung im Bildungshaus übernimmt, sei ein wertvolles und fast prophetisches Zeichen der Verbundenheit von Tradition und Aufbruch.