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Internetredaktion der Diözese Gurk

Eine fast vergessene Passion und die Begeisterung für Kirchenmusik

imFOKUS-Videointerview mit Stiftskapellmeister Stjepan Molnar

Der Weg zur Kirchenmusik beginnt manchmal unspektakulär. Bei Stjepan Molnar war es eine einfache Frage seines Pfarrers in der Heimatpfarre in Zagreb: Ob er nicht einmal versuchen wolle, Orgel zu spielen. Molnar war damals Ministrant und aus den ersten Versuchen an der Orgel wurde schnell mehr. Seit dieser Zeit, erzählt er im Video-Interview, sei er „einfach begeistert dabei“ gewesen und habe viel geübt.

Der St. Pauler Stiftskapellmeister Stjepan Molnar bei imFOKUS-Interview (Foto: Internetredaktion / Karl-Heinz Kronawetter)
Der St. Pauler Stiftskapellmeister Stjepan Molnar bei imFOKUS-Interview (Foto: Internetredaktion / Karl-Heinz Kronawetter)

Heute ist Molnar Stiftskapellmeister in St. Paul im Lavanttal und Regionalkantor im Kirchenmusikreferat der Diözese Gurk. Seine Begeisterung für Kirchenmusik ist über die Jahre nicht weniger geworden. Schon als Kind habe ihn besonders die Chormusik geprägt. Er habe viel gesungen und Kirchenmusik gehört – ohne damals überhaupt zu wissen, dass man diese Musik so nennt. Entscheidend sei für ihn bis heute, dass Musik Menschen berührt und guttut. Genau diese Erfahrung möchte er weitergeben. Es freue ihn sehr, sagt Molnar im Gespräch, wenn er seine Begeisterung für Kirchenmusik mit anderen teilen könne.

St.Mark-Passion von Charles Wood

Aktuell zeigt sich diese Begeisterung in einem besonders ambitionierten Projekt: Mit einem rund 60-köpfigen Chor arbeitet Molnar an der Aufführung der Markus-Passion des Komponisten Charles Wood. Das Werk ist 100 Jahre alt und dennoch kaum bekannt. Gerade das habe ihn fasziniert. Als er die Musik entdeckte, habe er kaum glauben können, dass diese Passion so selten aufgeführt wird. Für ihn sei sie ein „unglaublich schönes“ Werk und zugleich ein musikalisches Drama von großer Intensität.

Die Struktur erinnert an die Passionen von Johann Sebastian Bach: Rezitative erzählen die Handlung, dazwischen stehen Chorpassagen und solistische Teile. Gleichzeitig besitzt Woods Musik eine ganz eigene spätromantische Klangsprache. Für Molnar ist es deshalb auch eine wichtige Botschaft dieses Projekts, dass es neben Bach noch viele andere beeindruckende Werke der Passionsmusik gibt, die es zu entdecken lohnt.

Projektchor „Vox Collis“

Für die Aufführungen gründete er eigens einen großen Projektchor mit dem Namen „Vox Collis“. Der lateinische Ausdruck bedeutet „Stimme des Hügels“, eine Anspielung auf das hoch über dem Lavanttal gelegene Stift St. Paul. Die Entscheidung für den Namen sei spontan gefallen, erzählt Molnar, passe aber gut zu seiner Idee, die musikalische Identität dieses besonderen Ortes hörbar zu machen.

Die Entstehung des Chores war durchaus ein Wagnis. Ein Vorsingen gab es nicht; stattdessen verschickte Molnar eine offene Einladung. Sein Stiftschor und der Singkreis Wolfsberg bildeten zwar die Basis, doch viele Sängerinnen und Sänger kamen neu dazu. Heute zeigt sich, dass das Risiko funktioniert hat: Die Begeisterung im Ensemble sei groß, berichtet er, und die Mitwirkenden kämen aus ganz Kärnten – manche sogar aus Graz oder Tirol, weil sie spüren, dass hier etwas Besonderes entsteht.

Passionskonzerte St. Paul, Spittal an der Drau und Klagenfurt

Gleich dreimal wird die Markus-Passion in Kärnten zu hören sein: am 22. März im Stift St. Paul im Lavanttal, am 25. März in Spittal an der Drau und am 28. März im Dom zu Klagenfurt.
(LINK zu Detailinformationen und Kartenvorverkauf)

Auch über dieses Projekt hinaus blickt Molnar bereits nach vorne. Ab 2027 wird er künstlerischer Leiter des St. Pauler Kultursommers sein. In der aktuellen Saison beobachtet er die Abläufe noch im Hintergrund, beschreibt die Aufgabe aber schon jetzt als großes Geschenk. Besonders wichtig ist ihm dabei ein Gedanke: Die Grenzen zwischen Kirchenmusik und weltlicher Musik seien fließend. Am Ende, sagt Molnar, sei es doch „alles Musik“.

Welche Gedanken hinter diesem Passionsprojekt stehen und wie Molnar über seine musikalische Arbeit spricht, erzählt er ausführlich im Video-Interview. Ein Gespräch über Zufälle, Entdeckungen – und die Kraft der Musik.

imFOKUS-Video mit Stjepan Molnar

https://youtu.be/7iVz92eO1FQ