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Dankbarkeit und Gelassenheit - Bischof em. Egon Kapellari feiert 90. Geburtstag

Der emeritierte Bischof von Graz-Seckau und von Gurk, Egon Kapellari, feiert am 12. Jänner seinen 90. Geburtstag. In einem Interview mit dem Steirischen Sonntagsblatt blickt er auf sein langes Leben und seinen kirchlichen Dienst zurück – geprägt von Zuversicht, geistiger Wachheit und tiefer Dankbarkeit. Trotz vieler Herausforderungen zeigt sich Kapellari gelassen: „Ich sehe weltweit viel Positives, bin daher im Ganzen gelassen.“ Seine Dankbarkeit gilt vor allem Gott, aus dessen Fügungen eine „reiche Lebensernte“ gewachsen sei – und weiterwachse, „wenn Gott es will“.

Bischof Egon Kapellari bei seiner Rede anlässlich des Auftaktes des Programmes “Kunst der Begegnung. Kärnten 2000“ am 26. Oktober 1999 auf Schloss Straßburg. (Foto: Diözese Gurk / Neumüller)
Bischof Egon Kapellari bei seiner Rede anlässlich des Auftaktes des Programmes "Kunst der Begegnung. Kärnten 2000" am 26. Oktober 1999 auf Schloss Straßburg. (Archivfoto: Diözese Gurk / Neumüller)

Frühe Jahre und Berufung zum Priester

Egon Kapellari wurde 1936 in Leoben geboren. Nach der Promotion in Rechtswissenschaften (1957) in Graz führte ihn sein Weg zum Theologiestudium nach Salzburg und Graz. 1961 empfing er in Graz die Priesterweihe. Seine ersten pastoralen Erfahrungen sammelte Kapellari als Kaplan, ehe er 18 Jahre in der Hochschulseelsorge wirkte. Besonders der Dialog mit jungen Menschen und Studierenden prägte diese Zeit nachhaltig.

Bischof von Gurk: Dialog, Weitblick und Nähe zu den Menschen

Am 7. Dezember 1981 ernannte Papst Johannes Paul II. Egon Kapellari zum Bischof der Diözese Gurk. Die Leitung der Diözese übernahm er am 3. Jänner 1982, die Bischofsweihe empfing er am 24. Jänner 1982 im Dom zu Klagenfurt. Sein Wahlspruch: „Omnia vestra, vos autem Christi“ – „Alles ist euer. Ihr aber gehört Christus.“
Während seiner fast 20-jährigen Amtszeit in Kärnten setzte Kapellari wichtige geistige Impulse. Die von ihm initiierten „St. Georgener Gespräche“ wurden zu einem bedeutenden Forum des theologischen und gesellschaftlichen Dialogs. Persönlichkeiten wie Joseph Ratzinger, Karl Lehmann, Hans Urs von Balthasar und Johann Baptist Metz prägten diese Gespräche.
Zugleich war ihm die Nähe zu den Gläubigen ein Herzensanliegen: Kapellari besuchte regelmäßig alle Pfarren und spendete den Großteil der Firmungen persönlich. Ein besonderer Höhepunkt war der Papstbesuch von Johannes Paul II. im Jahr 1988 in Gurk. Er war eingebettet in das große diözesane Hemma-Jubiläum 1987–1989 und der Beginn der Dreiländer-Wallfahrten mit Pilgerinnen und Pilgern aus Kärnten, Slowenien und Friaul.
Für das Heilige Jahr 2000 rief Kapellari das kärntenweite Millenniums-Programm „Kunst der Begegnung. Kärnten 2000“ ins Leben, das in enger Zusammenarbeit mit dem Land Kärnten realisiert wurde.

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Bischof Egon Kapellari im Stiftshof zu Gurk - Kunst der Begegnung. Kärnten 2000 - Foto: Diözese Gurk / Neumüller

Bischof von Graz-Seckau: Kirche im Herzen Europas

2001 übernahm Egon Kapellari nach dem Rücktritt von Bischof Johann Weber die Leitung der Diözese Graz-Seckau, der flächenmäßig größten Diözese Österreichs. Dieses Amt hatte er bis zu seiner Emeritierung 2015 inne.
Zu den prägenden Ereignissen seiner Amtszeit zählen der Mitteleuropäische Katholikentag 2004, bei dem Kapellari als sogenannter „Europabischof“ rund 100.000 Pilgerinnen und Pilger in Mariazell begrüßte, sowie der Papstbesuch von Benedikt XVI. im Jahr 2007 anlässlich des 850-jährigen Jubiläums des Wallfahrtsortes Mariazell.

Verantwortung in Kirche, Medien und Europa

Auch über seine Diözesen hinaus übernahm Kapellari vielfältige Verantwortung. Innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz war er ab 1992 Referent für Liturgie und Kultur, von 2001 bis 2015 zudem stellvertretender Vorsitzender.
Als sogenannter „Medienbischof“ betreute er die Katholische Medien Akademie, war Präsident und Herausgeber der Kathpress und zentraler Ansprechpartner für österreichische Medien. Auf internationaler Ebene engagierte er sich in den europäischen Bischofsgremien CCEE und COMECE.

Heute: Gebet, Aufmerksamkeit für die Welt und dankbarer Rückblick

Seit seiner Emeritierung lebt Bischof Kapellari bei den Grazer Elisabethinen in einem Haus für betreutes Wohnen. Seine Tage sind geprägt von Gebet für die Welt, wacher Anteilnahme am kirchlichen und gesellschaftlichen Geschehen sowie von Gesprächen, in denen er seine Erfahrungen weitergibt.
Seine persönliche Lebensbilanz fällt zuversichtlich aus: „Aus vielen Begegnungen ist eine reiche Lebensernte erwachsen, die auch in Zukunft weiter wachsen wird, wenn Gott es will.“ Sein Lebensmotto, inspiriert vom katholischen Schriftsteller Paul Claudel, bringt diese Haltung auf den Punkt:„Gott schreibt gerade – auch auf krummen Zeilen.“