Gott, mein Gott bist du, dich suche ich …

16. – 22. Dezember 2017: Jahresexerzitien der Seminaristen

Das Stift Rein, wo eine Gruppe die Exerzitien verbringen durfte... (© Foto: Priesterseminar / Rossian)
Das Stift Rein, wo eine Gruppe die Exerzitien verbringen durfte... (© Foto: Priesterseminar / Rossian)

„Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele“ (Ps 63). Es ist ein David zugeschriebener Psalm, „als er in der Wüste Juda war“, wie es gleich im ersten Vers des Psalms heißt.

Exerzitien sind auch so eine Art ,Wüste‘. Warum? In der Wüste – und da wird es David vielleicht ähnlich ergangen sein – wird einem mehr denn wo anders bewusst, dass man Durst hat. Wenn weit und breit nichts ist, was einem den Durst zu stillen vermag.
Ähnlich werden es vermutlich einige auch bei den Exerzitien erlebt haben. Wenn all das, was sonst den Alltag prägt, wegfällt; wenn nicht dutzende Male das Smartphone vibriert und die erwartenden Blicke des ,Wann-schreibt-mir-denn-endlich-jemand‘ wegfallen und einem wirklich Zeit geschenkt wird, bei sich selbst zu bleiben. Einige werden vielleicht auch erkannt haben, dass sie Durst haben nach Jemanden, – ich schreibe hier bewusst nicht nach Etwas – der ihren Durst zu stillen vermag. Es wird vielleicht bewusst geworden sein, dass die von David besungene Quelle des Lebens tatsächlich jene ist, nach der der zuweilen sich wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser sich fühlende Mensch dürstet.

Den Seminaristen wird in den Tagen vor Weihnachten immer diese Zeit geschenkt. In diesem Jahr waren es die Orte Seckau, Wernberg und Rein, die durch ihre von den Ordensleuten ,durchbetete‘ Atmosphäre dazu einluden, sich auf ein ,geistliches Abenteuer‘ einzulassen. Begleitet wurden wir von den Spirituälen Thomas Neulinger SJ, Michael Messner SJ und Josef Thorer SJ, die – nicht zuletzt durch ihre Ordenszugehörigkeit – wahre Spezialisten in Exerzitien sind. Ihnen gebührt aufrichtiger Dank für die Begleitung durch diese Woche. Ebenso gebührt den Ordensgemeinschaften herzlicher Dank für die gelebte Gastfreundschaft, die in diesen Tagen deutlich spürbar wurde.

Gestärkt durch diese Tage der inneren Einkehr dürfen wir nun das Weihnachtsfest feiern – ein Fest voller Staunen, denn Gott wird einer von uns! Möge das Staunen aus Kindertagen uns wieder neu das Herz erheben lassen.

Allen ein gesegnetes Fest! 

Michael Rossian