Die Stadtkrone Graz ...
Innenhof Priesterseminar (© Foto: tourist-guides.at)
Das Priesterseminar in Graz ist seit über 400 Jahren das geistige, kulturelle und religiöse Herz der Diözese Graz - Seckau. Gegründet wurde das Priesterseminar als Jesuitenkolleg im Jahre 1573. 1585 wurde das Kolleg durch päpstliches und kaiserliches Dekret zur ersten steirischen Universität erhoben. Nach Aufhebung des Jesuitenordens unter Kaiserin Maria Theresia zog 1808 das Priesterseminar in das freigewordene Gebäude ein.
Heute ist das Priesterseminar unverzichtbarer Teil der von Kunsthistorikern so bezeichneten "Grazer Stadtkrone". Seit 1995 sind in diesem Haus die Priesterseminarien für die Diözesen Graz-Seckau und Gurk-Klagenfurt beherbergt.
Jesuitenkolleg
Im Herzen der Altstadt von Graz, gegenüber dem gotischen Dom (1438-1462), befindet sich das Priesterseminar für die Diözese Graz-Seckau. Der Renaissancebau (1572-97) entstammt der Zeit, als Jesuiten zur Durchführung der katholischen Reform in der Folge des Trienter Konzils (1545-63) nach Graz berufen worden waren. In der ersten Hälfte der neunziger Jahre wurde das Gebäude einer gründlichen Renovierung unterzogen. Zu den Sehenswürdigkeiten der Anlage gehören die imposante Hofanlage, ein barockes Stiegenhaus mit emblematischen Malereien im Südtrakt und das 1692/94 errichtete Refektorium (nur der Hof ist öffentlich zugänglich).
Hauptzweck eines diözesanen Priesterseminars ist die Heranbildung von Männern zu Priestern der Römisch-Katholischen Kirche. So stellt das Seminar zuerst eine christliche Gemeinschaft dar, in der junge Menschen miteinander leben und beten und ihre Berufung unter geistlicher Begleitung prüfen. Der akademische Teil der Ausbildung erfolgt an der Theologischen Fakultät der Universität, die unabhängig vom Seminar ist. Das Studium dauert sechs Jahre und schließt mit dem Magisterium ab.
Zur Zeit zählt die Gemeinschaft im Seminar ca. 35 Seminaristen (Kärntner und Steier). Alljährlich verbringen einige davon ein Externjahr (in der Regel nachdem Abschluß des ersten Studienabschnitts) an einer anderen Universität (zum Beispiel Lovain, Rom, Paris, München oder Innsbruck) oder in einer Pfarre für das Praktikum. Daneben leben auch Studenten aus anderen (ausländischen) Diözesen im Seminar, die für ihren künftigen Dienst in ihren Heimatdiözesen in Graz vorbereitet werden. Die Leitung des Seminares obliegt zwei Priestern - dem Regens und dem Spiritual - die vom Bischof ernannt werden.
Das liturgische Leben ist zentriert um die tägliche Meßfeier und eine Tageszeit aus der Stundenliturgie (Laudes oder Vesper). Die Liturgie wird von den Seminaristen gestaltet in der Vorbereitung und Auswahl der Gebete und Lieder, im Dienst als Kantor, Lektor oder Akolyth am Altar. Der Bogen der musikalischen Gestaltung reicht dabei vom lateinischen Choralamt bis zu moderner Gitarrenmusik. Dreimal in der Woche wird das Offizium in deutschem Choral gesungen, eine in deutschsprachigen Raum einmalige Gewohnheit. Zum Leben des Seminars gehört auch der liturgische Dienst am Dom zu Hochfesten bzw. die Choralsschola. Gäste, vor allem Theologiestudierende, sind regelmäßig zum Gottesdienst und zum gemeinsamen Essen eingeladen. Am sogenannten "Dies Liturgicus" einmal in der Woche ist es der Brauch, Priester aus der Diözese oder von der Universität zur Feier der Liturgie und Predigt einzuladen.
Die geistliche Erziehung umfaßt regelmäßige Treffen mit dem Spiritual. Dazu kommen einmal jährlich sechstägige Exerzitien und vier Einkehrwochenenden, von denen eines vom Bischof geleitet wird. Das liturgische Leben umfaßt zusätzlich zum genannten auch eucharistische Anbetung, Rosenkranz, Marienandachten (Mai und Oktober) und Wallfahrten zu Heiligtümern der Diözese.
Einmal im Jahr unternimmt die Seminargemeinschaft eine längere Reise entweder nach Rom oder an andere interessante Stätten.
Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch und Unterhaltung bieten zwei Gemeinschaftsräume, in denen Zeitungen aufliegen, eine Snackbar, ein Fernsehzimmer und ein Klavierzimmer.
Die mittlerweile renovierte Kapelle über dem barocken Refektorium, sie wurde 1962/63 erbaut, hat eine Orgel mit mechanischer Traktur. Die Kapelle birgt zwei signifikante Kunstwerke: eine spätgotische Marienstatue aus Pernegg in der Steiermark und ein großes Kreuzgemälde des wohl bekanntesten zeitgenössischen Malers Österreichs, Arnulf Rainer.
Die Kapelle ist als das Herz des Hauses in vielem Symbol für die Kirche und ihren Dienst: Erbaut in vergangener Zeit, offen für die Zukunft und Raumgebend, daß Christen gemeinsam und in Gemeinschaft vor Gott stehen.
Pater Anthony Ruff

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