Nachfolge impliziert Beweglichkeit
Bischof Alois Schwarz hielt Hauptreferat bei einer internationalen Pilgerkonferenz in Mariazell
Das Charakteristische am christlichen Glauben sei die Nachfolge und diese "impliziert Bewegung und vor allem Beweglichkeit". Darauf hat der Kärntner Bischof Alois Schwarz am Montag, dem 14. Mai 2012, im Rahmen der dreitägigen internationalen Pilger-Konferenz in Mariazell hingewiesen. "So wie Jesus sind wir aufgefordert, aufzustehen" und nach ausreichender Rast weiterzugehen, appellierte Schwarz, der in der Bischofskonferenz für Fragen der Pilgerpastoral zuständig ist. Der Bischof betonte auch, ein "Ankommen" bedeute neben einem körperlichen Ausrasten vor allem "ein geistiges Wachwerden in der Liebenswürdigkeit unseres menschlichen Daseins".
Einen christlich geprägten Pilger unterscheide von einem Sportler ein "von Gottes Geist erfüllter Beweggrund" als Motivation für das Pilgern. Das pilgernde Gottesvolk sei "getrieben von und durch Gottes Geist", so Schwarz. Schon im Johannesevangelium sei zu lesen, "dass der Geist Gottes die Fülle des Lebens bringt. Für den Pilger heißt das dann: Wer sich beim Gehen auf Gottes Geist einlässt, wer ihn gleichsam zu seinem Begleiter erwählt, wird erfüllt sein."
Jesus sei durch Gottes Geist motiviert unterwegs gewesen: "Sein Unterwegssein hatte eine heilbringende Wirkkraft, die viele Menschen spüren durften", hob der "Pilger-Bischof" hervor. Dies wünsche er sich auch von den Menschen, die heute pilgernd unterwegs seien.
Begegnung mit mir selbst
Schwarz wies auf den Aspekt der Begegnung beim Pilgern hin. Am Beispiel Jesu könne man erkennen, dass Pilgern viel damit zu tun habe, "sein Leben einzubringen, sich gleichsam am Weg zu beteiligen". Wie auch immer Begegnungen verliefen: "Fest steht, dass ich durch die Begegnung mit einem Menschen meinen Weg nicht mehr so fortsetze wie vorher."
Schwarz: "Auch wenn ich scheinbar keinen Menschen treffe, so begegne ich dennoch meinen Erfahrungen, die Leib, Seele und Geist mit mir und an mir machen. Der Weg wird zu einer einzigartigen Begegnung - auch und vor allem mit mir selbst."
Der Kärntner Bischof erinnerte daran, dass das Pilgern "eine der christlichen Grund- und Glaubenshaltungen" und biblisch verankert sei. Aus der Bibel gehe hervor, dass es "einen Weg und einen Ortswechsel" braucht, um eine spirituelle Erfahrung zu machen, und dass Pilgern "nicht nur ein Mode-Trend" sei.
Konferenz startete mit Messe und Empfang
Die internationale Konferenz unter dem Titel "Pilgrimage in Europe - Grenzüberschreitende Wege zu mehr Verständnis und vertrauensvoller Zusammenarbeit" ist am Sonntag gestartet. Eröffnet wurde das Treffen mit einer Messe in der Basilika im obersteirischen Wallfahrtsort. Beim anschließenden Empfang hatte auch der gastgebende Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari über den christlichen Beitrag zu "gemeinsamen Werten in einem Europa der Vielfalt" gesprochen.
Noch bis 15. Mai tauschen sich die rund 80 Teilnehmer aus mehr als zehn Ländern - Verantwortliche von Pilgerwegen und "Pilger-Experten" - im Mariazeller "Europeum" aus. Ein Fokus des Treffens liegt auch auf dem von der Europäischen Union unterstützten Projekt "Pilgrimage Europe", in dessen Rahmen die Diözese Graz-Seckau und die kirchlichen Pilgerverantwortlichen aus ganz Österreich den Kongress veranstalten.
(Text: KATHPRESS, 14.05.2012)