Pfarre

Villach-St. Nikolai

Geschichte und Spiritualität der Anbetung (1)

Zehn Jahre Anbetung in St. Nikolai

Foto: @ P. Emmanuel-Maria Fitz OFM
Foto: @ P. Emmanuel-Maria Fitz OFM

Vor dem Allerheiligsten – eine Spurensuche durch die Jahrhunderte

Seit zehn Jahren wird in der Franziskanerkirche St. Nikolai in Villach an jedem Werktag das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt. Das Jubiläum gibt Anlass, sich näher mit der Geschichte, der theologischen Bedeutung und der geistlichen Praxis der eucharistischen Anbetung auseinanderzusetzen.

In den kommenden Tagen veröffentlichen wir hier eine kurze Artikelreihe, die den Ursprüngen dieser Gebetsform nachgeht und ihre Entwicklung durch die Jahrhunderte beleuchtet. Den Auftakt bildet Teil 1: „Vom Letzten Abendmahl zur Anbetung“.

Vom Letzten Abendmahl zur Anbetung

Um zu verstehen, was die Eucharistische Anbetung ist, lohnt sich zunächst ein Blick auf das Letzte Abendmahl. Dort liegt der Ursprung der Eucharistie, griechisch eucharistía, „Danksagung”.

Die Evangelien berichten, wie Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern das Brot nahm, den Lobpreis sprach, es brach und ihnen gab: „Das ist mein Leib.” Ebenso nahm er den Kelch und sagte: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden” (Mt 26, 26–28). Lukas überliefert dazu den Auftrag Jesu: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.” (Lk 22,19)

In der heiligen Messe werden Brot und Wein durch das Wirken des Heiligen Geistes und die Worte Christi, die der Priester spricht, zu Leib und Blut Christi. Im katholischen Glauben geschieht dabei die Wandlung: Äußerlich bleiben Brot und Wein, was sie vorher waren. Im Glauben der Kirche aber ist nach der Wandlung Christus selbst wirklich gegenwärtig. Theologisch wird dafür der Begriff Realpräsenz verwendet: die Gegenwart Christi unter den Gestalten von Brot und Wein.

Foto: @ Ferdinand Dreger
Foto: @ Ferdinand Dreger

Das wird besonders deutlich in der Kommunion. Wer die konsekrierte Hostie empfängt, empfängt nach katholischem Verständnis nicht nur ein Zeichen oder eine Erinnerung an Jesus, sondern Christus selbst.

Damit schließt sich der Kreis zur Anbetung. Die Hostien, die nach der Kommunion übrigbleiben, werden nicht einfach weggeräumt. Sie werden im Tabernakel aufbewahrt. Tabernaculum heißt auf Lateinisch „Zelt” und erinnert an das Zelt der Begegnung, in dem die Israeliten die Gegenwart Gottes verehrten. Das Gefäß, in dem die konsekrierten Hostien aufbewahrt werden, heißt Ziborium. Seit dem 4. Laterankonzil von 1215 ist vorgeschrieben, dass die Eucharistie sicher und verschlossen aufbewahrt wird. Vor dem Tabernakel soll das „ewige Licht”, ein Lämpchen, ständig brennen. Somit endet die Gegenwart Christi nicht mit dem Ende einer heiligen Messe, sondern bleibt bestehen.

Während in der heiligen Messe die Eucharistie gefeiert und empfangen wird, verweilen in der Anbetung die Gläubigen vor Christus, der in der Eucharistie gegenwärtig ist, betonte einmal Papst Benedikt XVI. (2005–2013): „Die Anbetung außerhalb der heiligen Messe verlängert und intensiviert, was in der eigentlichen liturgischen Feier getan wird.”

Christus im unscheinbaren Brot

Das konsekrierte Brot wurde seit Anfang an über die Feier der Eucharistie hinaus aufbewahrt. Zunächst hatte das einen praktischen Grund: Die Kommunion sollte zu Kranken und Sterbenden gebracht werden können, die nicht beim Gottesdienst dabei sein konnten. Eine eigene eucharistische Anbetung außerhalb der Messe gab es in den ersten christlichen Gemeinden in dieser Form jedoch noch nicht. Dies entwickelte sich erst zunehmend im Laufe der Jahrhunderte mit eigenen Formen.

Für Franz von Assisi (1181/82–1226) nahm die Eucharistie einen zentralen Platz ein. In seiner Ersten Ermahnung spricht er mit großer Eindringlichkeit von der Gegenwart Christi im Sakrament. Christus, so schreibt Franziskus, komme „täglich” auf den Altar und zeige sich den Menschen im heiligen Brot. Er fordert seine Brüder deshalb ausdrücklich auf, den Leib und das Blut Christi zu verehren. Denn Christus, den die Apostel mit eigenen Augen sahen, begegnet den Menschen nun in der unscheinbaren Gestalt des Brotes.

Klara von Assisi (1193/94–1253) lebte ebenfalls aus diesem Glauben an die Gegenwart Christi in der Eucharistie. Als Assisi durch die Truppen des kaiserlichen Heerführers Vitale von Aversa bedroht wurde, ließ sich die schwer kranke Klara von zwei Schwestern zur Tür des Refektoriums tragen. Dort wurde ihr das silberne Ziborium, ein Gefäß zur Aufbewahrung der konsekrierten Hostien, mit der Eucharistie gebracht, und Klara betete vor dem Allerheiligsten. Die Überlieferung berichtet, dass die kaiserlichen Truppen das Kloster daraufhin nicht stürmten.

Foto: @ Ferdinand Dreger
Foto: @ Ferdinand Dreger

Interessant ist, wie diese Begebenheit später dargestellt wurde. Papst Johannes Paul II. (1978–2005) weist in einem Schreiben zum 800. Geburtstag Klaras darauf hin, dass die Heilige seit dem 17. Jahrhundert häufig mit einer Monstranz dargestellt wird. Tatsächlich berichtet ihre Lebensbeschreibung jedoch, dass Klara vor einem silbernen Ziborium mit der Eucharistie betete. Die Darstellung mit der Monstranz gehört also einer späteren Bildtradition an und entspricht nicht dem Gefäß, das Klara bei jener Begebenheit tatsächlich vor sich hatte.

Wie aus der Aufbewahrung der Eucharistie allmählich eine Praxis des betrachtenden Verweilens vor dem Allerheiligsten wurde, steht im Mittelpunkt des 2. Teils.

Foto: @ Ferdinand Dreger / Design: @ Martin Steiner
Foto: @ Ferdinand Dreger / Design: @ Martin Steiner

Teil 2: https://www.kath-kirche-kaernten.at/pfarren/detail/C3258/geschichte-und-spiritualitaet-der-anbetung-2

Teil 3: https://www.kath-kirche-kaernten.at/pfarren/detail/C3258/geschichte-und-spiritualitaet-der-anbetung-3