Pfarre

Villach-St. Nikolai

Meinungsforum

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Text von Joachim Hirschler zum Dreifaltigkeitssonntag 27.05.2018: joachim.hirschler@gmx.at

Liebe Brüder und Schwestern !

Jeden Gottesdienst beginnen wir mit dem Kreuzzeichen. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Um genau diese Dreifaltigkeit - Vater - Sohn - Heiliger Geist geht es heute. Diese Dreifaltigkeit ist in der Kirche SO wichtig, das ihr ein eigener Sonntag, der Dreifaltigkeitssonntag, gewidmet ist.

Aber warum ist das der Kirche und damit uns, so wichtig?

Es könnten doch genauso gut zwei Falten sein oder vier Falten statt einer - Dreifaltigkeit? Warum betonen wir in JEDEM Kreuzzeichen genau d-i-e-s-e drei Falten der Göttlichkeit? Warum sind es keine vier Falten oder nur zwei Falten?

Dazu eine Geschichte - übrigens ein Teil unserer eigenen Christengeschichte.

Eine kleine Zeitreise: Wir schreiben das Jahr 300 - Jesus ist seit ca. 10 Generationen gestorben. Zehn Generationen, man stelle sich das heute vor, 10 Generationen, das wäre so wie Ur-Ur-Ur-Großvater bzw. Ur-Ur-Ur-Großmutter oder etwa das Jahr 1718. Die Christenkirche hatte sich um 300 herum erstmalig etwas etabliert, aber - man stritt sich. Ja man stritt sich was denn nun wichtiger sei. - Gott Vater, oder - Jesus oder - der heilige Pfingstgeist. Ohne Aussendung mit Köpfchen und Verstand - dem Heiligen Geist von Pfingsten - kein Weitertragen in die nächste Generation. Ohne Jesus - das große Supervorbild - geht nichts. Und ohne den liebenden Vater schon mal gar nicht.

Was ist nun aber das Wichtigste von den Dreien ? Was steht ganz oben? Ohne WAS geht absolut gar nichts?

Das war im Prinzip ein großes Problem, und die Kirchenväter haben es weise gelöst: Alle drei Teile sind GLEICHBERECHTIGT nebeneinander. Eben wie drei Falten von einem Rock. Dreifaltigkeit. Gleichberechtigung dieser drei Teile. Das wurde dann in einem Konzil niedergeschrieben. Und das greift durch bis heute zum täglichen Kreuzzeichen. Ja sogar unser Glaubensbekenntnis hat diese Dreiteilung mit dabei, lesen sie es nach. Wir benötigen alle drei Teile. Sie spiegeln nämlich drei verschiedene Ebenen, drei verschiedene Dimensionen in unserem Menschsein: Gott Vater - Sohn und - Heiliger Geist.

Zunächst Gott Vater: Er ist nicht mehr der strafende richtende Gott, er ist nicht mehr einer, der ein bestimmtes Volk auserwählt hat, worauf im alten Testament oft Schwerpunkte gelegt werden. Er ist der liebende, barmherzige, verzeihende Gott. Er ist - ja oftmals gesagt: Die Liebe schlechthin. Übersetzt in die heutige Zeit könnte man sagen: Er ist die Beziehungsebene, die positive emotionale Grundlage, auf der wir Menschen ein glückliches, erfülltes Leben führen können. Aber: Ein Gefühl muss in die Tat umgesetzt werden. Ohne Taten werden Gefühle nicht in die Welt hineingetragen, und da kommt Jesus ins Spiel. Er zeigt uns wie es geht, wie diese Liebe in die Tat kommt. Irgendwie ist Gott da oben ja nach der Erschaffung im Hintergrund und hat uns durch Jesus sozusagen konkrete Handlungsanweisungen gegeben. Und nun muss man über die Handlungen auch erzählen, und die Liebesbotschaft verkünden. Dazu stehe ich jetzt hier. Ich als Prediger am Ambo, jetzt, hier. Ich bin nicht die Liebe, nein, ich spreche über die Liebe. Ich bin auch nicht die Tat, ich spreche über die Tat. Aber der Kopfgeist, die Gedanken, die Worte jetzt hier, sind nötig um das Christliche, die christliche Botschaft weiterzutragen. Dies also die dritte Falte der Dreifaltigkeit. Das ist insgesamt das Zentrale an diesem Dreifaltigkeitssonntag. Alle drei Falten stehen zudem gleichberechtigt nebeneinander, denn: die rechte Liebe bleibt leer, wenn Sie nicht durch Taten in die Welt gesetzt wird. Die rechte Liebe - ohne mit Kopf und Geist für das Gefühl eine Tat zu finden - bleibt leer. Taten - ohne rechte Gesinnung, wie die Gottesliebe - bleiben leer. Taten - ohne Verstand mit Richtung, wie der heiliger Geist - bleiben leer. Der Geist - ohne liebevolle Grundlage ist der Geist pure Mathematik, er bleibt für das MENSCHLICHE leer. Der Geist - ohne eine Tat, schafft es nicht bis in die reale Welt bzw. in die nächste Generation - bleibt leer. Wir brauchen alle drei Falten um unser Menschsein im Christentum in Fülle zu leben.

Nun der Sprung zurück in die Gegenwart:

Vom Jahre 300 her kommend, durch das mystisch geprägte Mittelalter, vorbei an der evangelisch gestützen Neuorientierung am Ende des Mittelalters, vorbei am Humanismus, der selbstbewussten Individualerkenntnis, vorbei an dem neuen Demokratiebewusstsein und freien Wahlen für alle Frauen wie Männer, hinein in die Psychoanalyse. Ja in die Psychoanalyse:

1) Der Mensch braucht eine Beziehungsebene, die positiv - und am stärksten mit dem Liebesprinzip - wirkt: Diese Beziehungsebene ist in unserem christlichen Glauben Gott.

2) Der Mensch muss in die Tat kommen - von nix kommt nix : Jesus, das leuchtende Tatenvorbild, von Gottesliebe befeuert.

3) Der Mensch muss mit Verstand an die Dinge herangehen, sonst verlieren wir uns in operativer Hektik, ziellosem Aktionismus: Der heilige Geist muss die Taten in Gottesliebe steuern.

Diese gleichwertige Verbindung der drei mentalen Pole - altertümlich ausgedrückt - der drei Falten - eben die Dreifaltigkeit sichert uns ein erfülltes Leben als Mensch .

Im Namen des Vaters - der Liebe

Des Sohnes - der Tat

Des heiligen Geistes - des liebevollen Verstandes

AMEN