Pfarre

Klagenfurt-St. Egid

Apokalype-Kapelle von Ernst Fuchs

Prof. Ernst Fuchs in “seiner“ Apokalypse-Kapelle in Klagenfurt St. Egid (© Foto: Internetredaktion / KH Kronawetter)
Prof. Ernst Fuchs in “seiner“ Apokalypse-Kapelle in Klagenfurt St. Egid (© Foto: Internetredaktion / KH Kronawetter)

1991 hat der nun schon über 80-jährige "Malerfürst" Prof. Ernst Fuchs begonnen, an einer apokalyptischen Szenenfolge für die Südkapelle der Klagenfurter Stadtpfarrkirche St. Egid zu arbeiten. Beinahe 20 Jahre danach wurde am 30. September 2010 mit einer festlichen von Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz zelebrierten Hl. Messe die Fertigstellung der sogenannten "Fuchs-Kapelle" gefeiert und der neugestaltete Gebetsraum gesegnet.

Lebenswerk der Hoffnung

In seiner Predigt betonte Bischof Schwarz, dass wir "keine Reproduktion der Offenbarung des Johannes vor Augen (haben), sondern eine eigenständige, künstlerische Antwort auf die brennenden Fragen, die den Künstler Prof. Ernst Fuchs bewegten und bewegen - und vielleicht auch uns bewegen." Der Diözesanbischof bezeichnete die "Geheime Offenbarung des Johannes" als biblisches Buch, das nicht vom Weltuntergang schreibe, sondern von der Weltregierung, vom Weltgericht und von der Vollendung der Welt: "Auf dem Thron sitzt das Lamm und nicht der Kaiser. Auf dem Thron sitzt das vom Blut gezeichnete Lamm, ein Gott, der sich hingeben ließ in Jesus von Nazareth, der sich festnageln ließ in seiner Licht für die Menschen." Bischof Schwarz bedankte sich beim Künstler und sprach von einem "Lebenswerk der Hoffnung", das Ernst Fuchs mit dieser besonderen Sakralraumgestaltung schuf.

Visionen des Sehers Johannes

Sein Ziel sei es gewesen, die Offenbarung in einer "streng theologischen Studie" so zu zeigen, wie sie vom Seher Johannes im letzten Buch des Neuen Testaments geschildert werde, sagte Fuchs im Gespräch mit der Internetredaktion. Betritt man die nunmehr öffentlich zugängliche Kapelle, wird man in eine bunte und mitunter auch fremde Bilderwelt entführt. Mit der Technik der Lasurmalerei konnte Fuchs eine besondere Tiefenwirkung erzielen. An der Ostseite der Kapelle wird auf das zwölfte Kapitel der Offenbarung des Johannes Bezug genommen. Die Frau gebiert ein Kind, das der siebenköpfige Drache zu verschlingen droht. Der Drache wird vom Erzengel Michael in die Schranken gewiesen. Weiters sind an verschiedenen Stellen etwa der Höllensturz des Drachen, das himmlische Jerusalem, das Buch mit sieben Siegeln und auch die apokalyptischen Reiter zu finden. Die biblischen Bilder werden durch zeitgenössische ergänzt und in Beziehung gesetzt. So werden etwa im Kontext der Hure Babylon konsumfixierte egozentrische menschliche Haltungen dargestellt.
Der biblische Himmel an der Decke des Raumes wird vom Künstler in den Stichkappen mit dem irdischen Himmel - oder mit dem, was die Menschen daraus gemacht haben - kontrastiert. So schwebt etwa ein Satellit genauso durch den Raum, wie ein Astronaut oder auch Kampfflugzeuge. Im Rahmen einer Weltuntergangsszene findet sich auch die Darstellung des Untergangs der Titanic.
An der Westseite der Kapelle ist die alttestamentarische Opferung Isaaks zu sehen. "Es ist die Darstellung der Ablösung des Menschenopfers durch das Tieropfer", erläuterte Fuchs. Und das gehöre auch zu den Mysterien der Apokalypse, begründete der Künstler diese Erweiterung des Themenkreises.

Langer Zeitraum - großes Bildprogramm

"Ich habe im Laufe der Entstehung des Werkes sehr viele Gespräche mit Religionswissenschaftern und Theologen geführt", sagte Fuchs. Die Fertigstellung einer solchen Arbeit sei "keine Aufgabe, die man von einem Tag auf den anderen erledigt". Durch den langen Zeitraum sei "manches sogar besser geworden, als ich es mir ursprünglich vorgestellt habe", erzählte der Künstler, der in den vergangenen Jahren im Schnitt zwei bis drei Monate im Jahr in Klagenfurt verbracht hatte, um das insgesamt ca. 160 m2 große Gesamtkunstwerk zu schaffen.

FÜHRUNGEN:

Führungen von April bis November (ausgenommen Karwoche und Feiertage).
Während der Wintermonate keine Führungen.

Führungen, die ca. eine Stunde dauern, werden donnerstags, freitags und samstag um 11:30 Uhr angeboten. Für die Führung ist ein Erhaltungsbeitrag zu entrichten. Er beträgt 5,- € (in Gruppen 4,- €, für SchülerInnen 1,- €). Kinder unter 6 Jahren frei.

Weitere Termine nach telefonischer Vereinbarung sind möglich. (0463/511308 - Pfarre St. Egid)