Organisation

Plattform „Verwaiste Eltern“

Würde im Abschied – Zwischen Schmerz, Sinn und Menschlichkeit

Fachtagung im Stift St. Georgen eröffnet vielfältige Perspektiven auf Sterben, Trauer und ein gelingendes Leben

Am 28. März 2026 fand im Stift St. Georgen die Fachtagung „Würde im Abschied“ statt. Rund 140 Teilnehmende aus unterschiedlichen Berufsgruppen, im Haupt- und Ehrenamt, folgten der Einladung zu dieser Kooperation mit Bestattung Kärnten/PAX sowie dem Referat für Trauerpastoral/Plattform "Verwaiste Eltern". Die Tagung bot Raum für fachlichen Austausch, persönliche Reflexion und neue Perspektiven.

Den Auftakt gestaltete Mag. Christoph Hufnagl mit der zentralen Frage, wie sich der Wert eines Menschenlebens sichtbar und erfahrbar machen lässt. Dieser Gedanke zog sich als roter Faden durch den gesamten Tag.

Dr. Patrick Schuchter widmete sich der Bedeutung der Hospizphilosophie und zeigte auf, warum diese Haltung für die gesamte Gesellschaft relevant ist. In einer bewusst leichten und zugleich tiefgehenden Atmosphäre sprach er über die enge Verflechtung von Schmerz und Glück und beschrieb Würde als ein „Aufleuchten des Menschseins“. Anhand von vier Lebenszielen verdeutlichte er, was ein gelingendes Leben ausmacht:

  • Reichtum: als Beziehung und Erinnerung
  • Lust: als dankbares Staunen über die Grundvollzüge des Lebens
  • Macht: als geteiltes Menschsein und gegenseitiges Aufrichten in der Ohnmacht
  • Ansehen: als die Fähigkeit, in der Unvollkommenheit die Vollkommenheit der Person zu erkennen.

Gerade für einsame Menschen sei nicht die Vielzahl an Angeboten entscheidend, sondern das Erleben, gesehen, gehört und gebraucht zu werden.

Mag. Christiane Eberwein sprach über Schuld und Versöhnung und differenzierte klar: Für Versöhnung braucht es zwei Parteien, für Vergebung hingegen nur sich selbst. Sie richtete den Blick dabei auch auf die innere Verarbeitung von Erfahrungen und Erinnerungen und machte deutlich, dass unser Gehirn zwar ein Meister der Erinnerung ist, jedoch kein verlässlicher Richter. In ihren Ausführungen macht sie sichtbar, welche Haltung im Umgang mit anderen entscheidend ist: Mitgefühl gehe über Empathie hinaus. Es bedeute, die Gefühle anderer wahrzunehmen und ihnen mit innerer Haltung zu begegnen. Freundlichkeit und Toleranz beginnen dabei immer bei uns selbst.

In der anschließenden Podiumsdiskussion gewährten Vertreter:innen verschiedener Berufsgruppen Einblicke in ihren Umgang mit herausfordernden Situationen im Arbeitsalltag. Deutlich wurde dabei auch die Spannung zwischen der Unplanbarkeit des Todes und der Fürsorgepflicht von Arbeitgeber:innen gegenüber ihren Mitarbeiter:innen.

Monika Matschnig regte in ihrem Vortrag dazu an, neben der Frage nach dem „Warum“ auch jene nach dem „Wozu“ zu stellen. Sie machte deutlich, dass Leiden oft leichter ist als Handeln, und zeigte konkrete Wege auf, wie Menschen aus eigener Kraft aus belastenden Situationen herausfinden können. Mit dem Zitat von Viktor Frankl „Ich muss mir von mir selbst nicht alles gefallen lassen“ unterstrich sie die Bedeutung von Selbstverantwortung.

Wer sich ausschließlich um sich selbst kreist, verengt den Blick auf das Leben.

Dr. Arnold Mettnitzer beleuchtete die Vielschichtigkeit von Trauerprozessen. Trauer sei eng mit der eigenen Lebensgeschichte verbunden, und beim Verlust eines Menschen würden oft auch andere, frühere Verluste wieder berührt. Rituale könnten dabei einen wichtigen Rahmen bieten, den individuellen Umgang mit Tod und Abschied jedoch nicht ersetzen. Der Tod betreffe nie nur einen einzelnen Menschen, sondern immer auch das gesamte Beziehungsnetzwerk.

Den Abschluss der Tagung gestaltete Schauspielerin Brigitte Karner, die sehr persönlich über ihre Hinwendung zum Leben nach dem Verlust ihres Mannes sprach. Ihr Beitrag bildete einen hoffnungsvollen Schlusspunkt.

Durchgehend begleitet wurde die Fachtagung von der professionellen Moderation durch Martina Klementin.

Ein besonderer Dank gilt auch dem großzügig gestalteten Büchertisch, der von Miriam Holzer (mein Kirchenshop) betreut wurde und den Teilnehmenden eine vielfältige Auswahl an Fachliteratur bot. Ebenso hervorzuheben ist die Gastgeberfreundlichkeit des Stiftes St. Georgen, das den passenden Rahmen für diese Veranstaltung schuf und wesentlich zum Gelingen beitrug.

Die Fachtagung „Würde im Abschied“ zeigte eindrücklich, wie wichtig es ist, sich mit den Themen Sterben, Tod und Trauer auseinanderzusetzen. Fachlich fundiert, menschlich zugewandt und in einer Haltung, die die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Aviso:
Die nächste Fachtagung findet am 20. März 2027 statt.