Organisation

Referat Beziehung - Ehe und Familie

Kirche wächst aus den “Häusern”

Die Zukunft der Kirche liegt in den Familien mit ihrem religiösen Leben. - Überlegungen für Pfarrgemeinden / PGR

Familien mit Kindern - in ihrem religiösen Leben liegt die Zukunft der Kirche in unserem Land. (© Foto: KFW - WoUntb)
Familien mit Kindern - in ihrem religiösen Leben liegt die Zukunft der Kirche in unserem Land. (© Foto: KFW - WoUntb)

Glauben leben und feiern in den Familien und Haus-gemeinschaften.

Impulse für eine Ehe- und Familienpastoral / Beziehungspastoral in den Gemeinden / PGR.

Werden wir als Kirche den Familien heute einen Dienst erweisen - ihre Freuden und Sorgen, Ängste und Hoffnungen erkennen?

Die Zukunft des kirchlichen Lebens / der Gemeinden steht auf „zwei Beinen“.

  • Das persönliche Beziehungsleben (Ehe / Partnerschaft und Familie) und das berufliche Leben bewegen die Menschen am meisten – in ihren Freuden und in ihren Sorgen / Krisen.
  • Folglich muss eine Pastoral und ein kirchliches Leben in der Gemeinde, wenn es „den Menschen nahe sein“ will, für diese Lebensbereiche achtsam und engagiert sein, das bedeutet: eine besondere Aufmerksamkeit für die Anliegen einer Ehe- und Familienpastoral bzw. umfassender: Beziehungspastoral ist gefragt.
  • Die Pastoral in einer Pfarre muss in die Familien als Grund- und Lebenszellen der Gesellschaft und Kirche investieren, und zwar in Familien, wie sie faktisch sind; denn „die Familie ist die erste und wichtigste Kirche für jeden Menschen“ (Karl Lehmann)
  • Die Zukunft der Seelsorge wird im Wesentlichen auf „zwei Beinen“ stehen: auf der Gemeinde und auf den Familien. Beide sind wechselseitig aufeinander bezogen und aufeinander angewiesen.
  • Das religiöse Leben wird in den Familien mit Kindern in den ersten zehn Lebensjahren weitgehend grundgelegt. Bei ihnen liegt die Zukunft der Kirche in unserem Land.
  • Seelsorger der Gemeinden sind die Priester, ständige Diakone und beauftragte Laien. Seelsorger der Familien sind die Eltern / Ehepartner. Alle müssen miteinander kooperieren und aufeinander zu arbeiten.
  • „Kontaktpersonen“ [im Rahmen vom Grundauftrag „Dienst an der Gemeinschaft“] können in der Gemeinde eine koordinierende Aufgabe übernehmen, indem sie Anliegen, Bedürfnisse und Wünsche von Familien und Ehe-Paaren wahrnehmen, aufnehmen und mögliche Aktionen veranlassen – auch im Kontakt und Austausch mit diözesanen Einrichtungen und Mitarbeiter/innen der Familienarbeit.

Wie es mit der Kirche in den „Häusern“ begann.

  • Das „Haus der Petrus“, das Haus eines Mitglieds der jungen Christengemeinde, wird zur Hauskirche der judenchristlichen Gemeinde von Kafarnaum.
  • Ein anderes Beispiel der frühen Kirche ist das Ehepaar Priska und Aquila, ein jüdisches Ehepaar, das nach Rom gezogen war. Dort waren sie Christen geworden und hatten eine Hausgemeinde gegründet. Später ging das Ehepaar nach Korinth. (Apg 18,2-3) Aquila eröffnete als Zeltmacher und Lederarbeiter einen Gewerbebetrieb. Als Paulus um 50 nach Korinth kommt, wohnt und arbeitet er als Zeltmacher bei den beiden.
  • Als Paulus später nach Ephesus zog (Apg 18,18), gehen Priska und Aquila mit ihm und sammeln dort gleich eine neue Hausgemeinde. (vgl. 1 Kor 16,19)
  • Von Hausgemeinden wird auch an anderen Stellen berichtet. Hausgemeinden vervielfältigen sich in den ersten christlichen Jahrhunderten in allen Ländern, in denen das Christentum Fuß fassen kann.
  • Dieser Vorgang der Glaubensverkündigung in der frühen Kirche kann quer durch ganz Europa verfolgt werden.

Mit der konstantinischen Wende (4. Jh)

  • Mit der Freiheit des Christentums (313 Edikt von Mailand) breitet sich das Christentum sprunghaft aus. Als die Massen bekehrt und getauft sind, braucht es andere organisatorische Formen der Gemeinde.
  • Die Kirche erkennt dennoch, dass die Ehe und Familie als kleinste und fundamentale Zelle der Kirche eine bleibende Bedeutung besitzt. Die Hochschätzung der Ehe wird immer deutlicher.

In schweren Zeiten

  • Immer wenn  Christen unter Verfolgungen litten, konnte die Kirche in den Häusern gleichsam überwintern.
  • So beispielsweise in den mittel- und osteuropäischen Ländern unter kommunistischer Herrschaft. Wichtige Vollzüge der Kirche wie Katechese und Verkündigung in Gruppen und Kreisen waren nur im Geheimen möglich. In den Familien wurde Eucharistie gefeiert, auf Taufe und Firmung vorbereitet, fanden Religionsunterricht und Glaubensgespräche statt.
  • Ähnlich in China, Mexico und wo immer über längere Zeit die Kirche und die öffentliche Ausübung der Religion und das Bekenntnis zum Glauben unterdrückt waren.

In einer pluralistischen Gesellschaft

  • Die Zeiten der Christenverfolgung sind in unseren Breiten glücklicherweise vorbei. Doch scheint das gegenwärtige pluralistische Gesellschafts- und Wertesystem, in dem alles gleich gültig ist, nicht weniger glaubens- und kirchenentfremdend zu wirken.
  • Die pastoralen Erfahrungen zeigen, dass katholische Eltern für ihre Kinder weitgehend um die Taufe bitten, jedoch Gebet und Feiern der kirchlichen Feste in den Familien nur noch punktuell geschieht. Umfragen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass die religiösen Praktiken in den Familien innerhalb weniger Jahrzehnten deutlich abgenommen haben.
  • Die Kirchenkonstitution „Lumen gentium“ (n 11) fordert: „In einer Art Hauskirche (in hac velut ecclesia domestica) sollen die Eltern durch Wort und Beispiel für ihre Kinder die ersten Glaubens-boten sein und die einem jeden eigene Berufung fördern, die geistliche aber mit besonderer Sorgfalt.“  Familienleben ist grundlegende „Berufungspastoral“. Dabei ist zuerst gedacht an die Berufung jedes Getauften, Jesus Christus in je spezifischer Weise nachzufolgen und am Reich Gottes mitzubauen.
  • Die Aufgabe der Eltern ist nicht einfach an eine andere Institution delegierbar. Eltern und Familien benötigen jedoch Unterstützung. Die Begleitung und Arbeit mit Ehepartnern und Eltern als ersten Träger der Ehe- und Familienpastoral sind gefragt.

Anregungen, damit die Kirche aus den „Häusern“ wächst:

NB: Gemeinsam in PGR-Besprechungen, Pastoral- und Priesterkonferenzen etc. überlegen, Ideen sammeln…

  • Mit welchen religiösen Zeichen leben Familien zuhause? (z.B. „Herrgottswinkel)
  • Welche (einfachen) Riten und Bräuche können in Ehe und Familie gepflegt werden?  z.B. einfache Segensgesten
  • Wie können (einfache) Gebete gepflegt und als selbstverständlich vertraut werden? z.B. Tischgebet, Abendgebet
  • Wie können Feste im Kirchenjahr regelmäßig in den Familien (in Nachbargemeinschaften) gefeiert und erlebt werden?
  • Wie können Eltern / Partner als Paar über religiöse Erfahrungen sprechen? Wie mit den Kindern und Jugendlichen darüber sprechen?
  • Hilfen zur Entdeckung und Entfaltung einer spezifischen Ehe-Spiritualität, als ein gelebter Glaube in der Beziehung und aus der Beziehung?
  • Mit Familien zuhause Gottesdienst feiern.

 

[Die Anregungen sind zum Teil dem Beitrag entnommen: Hubertus Brantzen, Familienpastoral in der Gemeinde. In: Anzeiger zur Pastoral,  1/2000.]

Die Überlegungen und Anliegen einer "Kirche in den Häusern" - Hauskirche - Hauskreis sind in den letzten Jahren in vielen Tagungen und Zeitschriften aktualisiert worden.

 

Weitere Ideen und Anregungen sind jederzeit gefragt und willkommen.

Für Wünsche und Besprechungen, wie eine entsprechende Ehe- und Familienpastoral in der Pfarre / mit dem PGR möglich ist und begonnen werden kann, wenden Sie sich im Bischöflichen Seelsorgeamt,  Referat für Ehe- und Familienpastoral (Reinhold Ettel SJ) -  Tel.: 0676 8772 2445   Email: reinhold.ettel@kath-kirche-kaernten.at  Internet: www.kath-kirche-kaernten.at/beziehungspastoral