Organisation

Referat für Interreligiösen Dialog

Ramadan versus christliche Fastenzeit

Zusammenfassung des Interviews von Bischofsvikar Hans-Peter Premur und Imam Adnan Gobeljic in der Kleinen Zeitung

Da heuer aufgrund der Mondphasen sowohl der Ramadan als auch die christliche Fastenzeit am selben Tag beginnen, sehen der katholische Pfarrer Hans-Peter Premur und der Imam Adnan Gobeljić darin eine besondere Chance für den interreligiösen Dialog. Beide betonen, dass Fasten in ihren Religionen vor allem der inneren Erneuerung dient: bewusster leben, Verantwortung übernehmen, Mitgefühl stärken und sich Gott neu zuwenden. Zum islamischen Ramadan gehören daher auch Spenden, gemeinsames Fastenbrechen und soziales Engagement, während auch im Christentum Fasten ohne konkrete Nächstenliebe seinen Sinn verfehlt.

Trotz theologischer Unterschiede sehen beide viele Gemeinsamkeiten. Fasten bedeutet körperlichen Verzicht, spirituelle Vertiefung und soziales Handeln. Unterschiede bestehen vor allem in der Praxis: Muslime fasten 29 bis 30 Tage täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang ohne Essen und Trinken, während die christliche Fastenzeit rund 40 Tage umfasst und individuell gestaltet wird, etwa durch Verzicht auf Fleisch, Alkohol oder bestimmte Gewohnheiten. Während das Fasten im Islam verpflichtend und gemeinschaftlich geprägt ist, hat es sich im Christentum stärker individualisiert und wird heute oft auch aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen wiederentdeckt.

Beide Gesprächspartner betonen, dass Begegnung und Dialog entscheidend sind, um Vorurteile abzubauen und voneinander zu lernen. Gemeinsame Werte wie Mitgefühl, Solidarität und Verantwortung für Bedürftige könnten religionsübergreifend umgesetzt werden, etwa durch gemeinsame soziale Projekte. Der Ramadan werde bewusst für Einladungen an Menschen anderer Religionen genutzt, um Austausch und gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Als zentrale Botschaft formulieren sie, den anderen in seiner Andersheit zu akzeptieren und im Gespräch zu bleiben. Fastenzeiten sollen Gläubige dazu anregen, sich auf das Wesentliche zu besinnen, Geduld und Demut zu lernen und universelle Werte wie Respekt, Selbstdisziplin und Barmherzigkeit stärker im Alltag zu leben.

Das ganze Interview kann mann hier nachlesen: https://www.kleinezeitung.at/kaernten/20595610/pfarrer-und-imam-so-lernen-wir-von-den-anderen