Gemeinsam für eine harmonischere Welt
Vatikan initiierte ersten christlich-konfuzianischen Dialog
Das Dikasterium für den Interreligiösen Dialog veranstaltete Anfang August an der Sogang-Universität in Seoul (Südkorea) erstmals offiziell einen christlich-konfuzianischen Dialog. Die Beziehungen zwischen Christentum und Konfuzianismus, welcher sich selbst weniger als Religion versteht, sondern vielmehr als philosophische Tradition, sollen dabei gefördert werden. Neben der oben genannten Universität wurde dieses internationale Begegnungstreffen von der Katholischen Bischofskonferenz Koreas mitgetragen.
Unter dem Motto „Ein neuer Himmel, eine neue Erde und Datong“ sollte über eine Verbindung zwischen der biblischen Vision eines „neuen Himmels und einer neuen Erde“ (vgl. Offb 21) und dem konfuzianischen Ideal „Datong“ („Große Eintracht“; harmonisches Zusammenleben aller Menschen) nachgedacht werden. Ebenso über mögliche gemeinsame Beiträge zu Themen wie Frieden, Gerechtigkeit, ökologische Verantwortung, u. Ä.
Angesichts globaler Krisen wie Kriegen, gesellschaftlicher Spaltung und Umweltzerstörung wollen die Dialog-Teilnehmenden engere Wege der Kooperation gehen - im Sinne einer Zusammenarbeit für eine bessere Welt. Trotz Unterschiede hinsichtlich der religiösen und philosophischen Grundlagen der beiden Traditionen werden in der Abschlusserklärung der Konferenz gemeinsame Überzeugungen betont wie der Einsatz für Menschenwürde und Umweltschutz, die Bedeutung ethischer Werte für die Gesellschaft, das Engagement für das Gemeinwohl und eine verantwortungsvolle, tugendhafte Führung. (Quellen: kathpress (Nr. 186 vom 30.07.2026) & Links)
Der Konfuzianismus geht zurück auf den chinesischen Philosophen Konfuzius, eigentlich Kong Qiu / K’ung Ch’iu (551–479 v. Chr.), der ein Wanderleben führte. Er rationalisierte den „Himmel“ zu einer moralisch wirkenden Macht. Im Zentrum seiner politischen Lehre steht eine ethisch begründete Staatsführung. Der Kaiser wird als „Sohn des Himmels“ und „Vater des Volkes“ verstanden, der die moralische Verantwortung für das Wohl seines Volkes trägt. Riten nahmen einen wichtigen Stellenwert ein, denn im Vollziehen dieser wird die Harmonie zwischen Mensch und Kosmos veranschaulicht. Mengzi (eigentlich Meng Ke; 372-289 v. Chr.), ein bedeutender Nachfolger des Konfuzius, entwickelte die konfuzianische Lehre dahingehend weiter, indem er diese um eine mystische Komponente (spirituelle Verbundenheit des Individuums mit dem Kosmos; Einheitserfahrung u.Ä.) bereicherte. (Quelle: Der Brockhaus Philosophie. Ideen, Denker und Begriffe, Mannheim: F.A. Brockhaus 2004)
Das Dikasterium für Interreligiösen Dialog ist eine von mehreren Zentralbehörden der Römischen Kurie (= „Verwaltungsapparat“ des Heiligen Stuhls). Früher wurden die Dikasterien als Kongregationen bezeichnet (z.B. Kongregation für die Glaubenslehre). Dikasterien sind vergleichbar mit weltlichen Ministerien. Sie unterstützen den Papst bei seinen Aufgaben auf weltkirchlicher Ebene und arbeiten mit den Teilkirchen (Diözesen) und Bischofskonferenzen zusammen.