Organisation

Marianum Tanzenberg

Ostermesse - Aktionsauftritt der SchülerInnen der 7B

April 2012

https://youtu.be/4cpY6LA93wk
Ostermesse - Aktionsauftritt (© Foto: MMag. Daniel Schöffmann)
Ostermesse - Aktionsauftritt (© Foto: MMag. Daniel Schöffmann)

Der diesjährige Schulostergottesdienst in der Seminarkirche zu Tanzenberg wurde mit Rektor Dr. Franjo Vidovic zelebriert. Umrahmt wurde die Feier von der Spielmusik unter der Leitung von Mag. Dominik Maringer und vom Schulchor, geleitet von Mag. Sylvia Steinkellner. Einer der Höhepunkte war diesmal auch wieder der Aktionsauftritt der SchülerInnen der 7B.

In der Religionsstunde sagte ich den SchülerInnen, dass ich mich kaum wage, sie wieder zu fragen, eine Aktion bei der Messe zu machen, da sie sich ja schon voriges Jahr stark engagierten. Aber die Bereitschaft der Jugendlichen war ungebrochen. Heuer mussten die Schreckensnachrichten der letzten Monate aus Norwegen, der Schweiz und Toulouse aufgegriffen werden.

Der Auftritt begann, begleitet von dramatischer Musik, mit dem Gang zum Altar in einer Zweierreihe, jeweils einer schwarz und einer weiß gekleidet. Die Farben standen für das Gute und das Böse im Menschen. Alle hatten weiße, ernste Masken, um einerseits die Anonymität der Botschaft zu versinnbildlichen und um andererseits Betroffenheit auszulösen. Die weißen Aktionisten trugen bunte Blumen, die Schwarzen schwarze Rosen. Vor dem Altar angekommen, positionierten sie sich Rücken an Rücken, wobei die Schwarzen hinter den Weißen passiv wegblickten.

Im ersten Akt wurde das Schöne auf dieser Welt gezeigt. Stellvertretend für das Schöne wurden der Friede (Hände reichen), die Freundschaft (Umarmung), das Kind (wiegen,  Ruhegeste) und die Hilfsbereitschaft (aufhelfen) dargestellt. Nach jeder Darstellung wurde eine der bunten Blumen in eine große Vase vor den Altar gestellt.

Im zweiten Akt änderte sich plötzlich die Musik. Die Schwarzen drehten sich um und brachten das Leid. Sie nahmen die Weißen am Kragen und warfen sie übereinander zu Boden, sodass eine Art Haufen entstand. Dieser Haufen sollte die große Menge an Leid darstellen, mit dem Menschen fast täglich konfrontiert werden. Plötzlich erschallten Hammerschläge. Zwei Schüler stellten Henker dar, die auf große Nägel einschlugen (Sinnbild für die Hinrichtung Jesu). In die Musik floss ein immer lauter werdender Herzschlag ein. Nach jeder Abfolge von Hammerschlägen wurden Schlagzeilen vorgelesen. Nach jeder Schlagzeile wurde eine schwarze Rose auf den Menschenhaufen geworfen. Die Schlagzeilen lauteten:

  • Juli 2011: Der rechtsradikale Norweger Anders Breivik tötet 77 Menschen.
  • März 2012: Busunglück in der Schweiz. 28 Menschen starben, davon 22 Kinder
  • März 2012: vierfacher Mord vor einer jüdischen Schule in Toulouse
  • Jeden Tag: Dutzende Tote bei Kämpfen im Nahen Osten
  • Jede Stunde: 700 bis 1000 Hungertote weltweit

 

Im dritten Akt erklang ein EKG, das durch seine immer langsamer werdenden Töne das Lebensende signalisierte. Ein Aktionist trat mit einer schweren Eisenstange vor die Vase hin und zerstörte sie. Dies sollte die Zerstörung des Schönen, des Friedens, der Freundschaft, der Kindheit und des Mitgefühls symbolisieren.

Im vierten Akt wurde die Hauptbotschaft vorgetragen:

Zerbrochen, zerstört, gescheitert. Was wäre die menschliche Existenz ohne Hoffnung. Jesus Christus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Am dritten Tage auferstanden von den Toten.

Nach diesen Worten waren wir am Höhepunkt des Aktionsauftrittes angelangt. Die am Haufen liegenden standen nach der Reihe wieder auf und erhoben die Hände zum Sieg. Diese „Auferstehung“ wurde nochmal von der dramatischen Musik des Anfangs begleitet. Hiermit wurde eine Verbindung zwischen Anfang, Höhepunkt und Ende hergestellt.

Im Schlussakt gingen die schwarzen Aktionisten zu Boden und bildeten eine Kreuzformation. Dies sollte einerseits Ergebung, anderseits auch die Reue demonstrieren. Zu guter Letzt gingen die Weißen zum Kreuz, stützten den Kopf der Schwarzen und halfen ihnen dann auf. Die Versöhnung von Gut und Böse geschah am Kreuz.

Somit wurde das Talionsgesetz (Auge um Auge – Zahn um Zahn) am Kreuz überwunden. Die Opfer verziehen ihren Tätern und die Täter ließen es zu. Mit dieser Geste waren wir bei der fundamentalen und radikalen Botschaft Jesu angelangt, der Feindesliebe. Nur wenn Opfer ihren Tätern und die Täter sich selbst verzeihen, wird die dauerhafte Kraft der Sünde überwunden. Ausschließlich dann kann wirklicher Frieden zwischen den Menschen und auch persönlich mit sich selbst entstehen. Diese Botschaft verwirklicht Jesus in seinen letzten Worten am Kreuz:

Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!

MMag. Daniel Schöffmann
Mag. Markus Pippan