Zwischen Franziskus, Klara und dem eigenen Weg
Assisireise 2026 - 800 Jahre Franziskus
Wer sich auf die Spuren des heiligen Franziskus begibt, entdeckt weit mehr als historische Orte. Sein Leben und seine Botschaft führen unweigerlich zu Fragen, die bis in den eigenen Alltag reichen. Genau darum ging es bei der Pilgerreise nach Assisi in der dritten Augustwoche 2026.
Eine Gruppe von 25 Pilgerinnen und Pilgern aus verschiedenen Bundesländern – zwischen 13 und über 80 Jahre alt – machte sich auf den Weg, um Franziskus, Klara und Carlo Acutis an ihren Lebens- und Wirkungsstätten näherzukommen. Was diese Tage prägte, war jedoch nicht allein die Fülle der besuchten Orte, sondern vor allem das Miteinander. Unterschiedliche Generationen und Lebensgeschichten fanden zu einer bemerkenswerten Gemeinschaft zusammen.
Wo Unterstützung gebraucht wurde, war eine helfende Hand zur Stelle. Wenn das Tempo auf den teils steilen Wegen unterschiedlich war, wurde gewartet. Und trotz mancher Anstrengung gab es viel zu lachen. Gerade dieses selbstverständliche Füreinander machte die Reise zu etwas Besonderem.
Foto: Ferdinand Dreger
FRANZISKUS ZWISCHEN KRIEG UND UMKEHR
Den Auftakt bildete Perugia, ein Ort, der tief mit Franziskus’ Biografie verbunden ist. Als junger Mann zog er den Krieg nach Perugia, geriet in Gefangenschaft und verbrachte dort mehr als ein Jahr. Die Erfahrungen von Krieg, Gefangenschaft und Krankheit wurden zu wichtigen Stationen auf seinem späteren Weg der Umkehr.
Auch die Begegnung mit der Kirchengeschichte kam nicht zu kurz: In Perugia starb 1216 Papst Innozenz III., jener Papst, der wenige Jahre zuvor die junge franziskanische Gemeinschaft zumindest mündlich anerkannt hatte. Später sollte gerade diese Begegnung für die Entwicklung des Ordens von entscheidender Bedeutung sein.
In Assisi selbst führte der Weg zu den großen franziskanischen Schauplätzen: San Francesco, Santa Chiara, San Damiano und die Portiunkula. Dabei wurde Geschichte nicht nur besichtigt, sondern an den Orten selbst greifbar.
San Damiano erinnerte besonders an die enge Verbindung zwischen Franziskus und Klara. 1212 empfing Klara in der Portiunkula aus der Hand des Franziskus das Ordensgewand. In San Damiano entstand anschließend ihre Gemeinschaft, aus der später der Orden der Klarissen hervorging.
Auch der selige Carlo Acutis, dessen Lebensweg die Pilgerinnen und Pilger in Assisi näher kennenlernten, wurde in die Betrachtungen einbezogen. So ging es nicht allein darum, die Lebensgeschichten von Franziskus, Klara und Carlo Acutis kennenzulernen. Immer wieder stellte sich die Frage, was ihre Erfahrungen, Entscheidungen und ihr Glaube mit dem eigenen Leben zu tun haben. Die historischen Orte wurden dadurch zu Anstößen, den eigenen Alltag, persönliche Herausforderungen und den eigenen Glaubensweg neu in den Blick zu nehmen.
Ein besonderer Weg führte zu Fuß zur Portiunkula. Hier versammelten sich die Brüder zu ihren Kapiteln, hier nahm die junge Gemeinschaft ihren entscheidenden Anfang, und hier verbrachte Franziskus seine letzten Stunden. Am Abend des 3. Oktober 1226 ließ er sich dorthin bringen, um Bruder Tod entgegenzugehen.
VON DER KRIPPE BIS ZUR ORDENSREGEL
Neben Assisi standen weitere Orte auf dem Programm, die unterschiedliche Seiten des Lebens und Wirkens von Franziskus erschlossen. In Greccio wurde jener Ort besucht, an dem Franziskus Weihnachten 1223 auf besondere Weise feierte und damit die Tradition der Krippendarstellung entscheidend prägte. Trotz der sommerlichen Hitze durfte an diesem besonderen Ort auch das Lied „Stille Nacht“ nicht fehlen.
In Fonte Colombo ging es um die Entstehung der endgültigen Ordensregel. Der Ort selbst lud zum kurzen Verweilen ein.
WO DER WEG VERBINDET
Vielleicht eine der schönsten Erfahrungen dieser Tage war, wie selbstverständlich Menschen unterschiedlicher Generationen miteinander unterwegs waren. Unterschiedliche Lebensgeschichten trafen aufeinander, ohne zu trennen. Man half, wenn Unterstützung gebraucht wurde, wartete, wenn das Tempo unterschiedlich war, und freute sich miteinander über das Erreichte.
Die Pilgerreise führte damit nicht nur zu den Wurzeln des Franziskanischen, sondern zugleich in die eigene Gegenwart: Was bedeutet es, sich auf den Weg zu machen? Was trägt, wenn ein Weg anstrengend wird? Und was geschieht, wenn Menschen bereit sind, nicht nur nebeneinander, sondern miteinander zu gehen?
Mit vielen Erinnerungen und müden Beinen ging es schließlich zurück nach Hause – vor allem aber mit vollen Herzen. Franziskus war dabei nicht nur Gegenstand der Geschichte. Er wurde zum Wegbegleiter, und der gemeinsame Weg selbst zu einem Teil zur Frohen Botschaft.