Pfarre

Villach-St. Nikolai

Wenn Beten Beziehung wird

Einkehrtag in St. Nikolai

Gebet als persönliche Anrede Gottes und als lebendige Beziehung? 30 Menschen gingen bei einem Einkehrtag in St. Nikolai dieser Frage nach.

Wenn Beten Beziehung wird - Einkehrtag in St. Nikolai

„Gebet bedeutet für mich …“ – mit dieser Frage begann am 14. März 2026 der Einkehrtag im Pfarrzentrum der Pfarre Villach - St. Nikolai. Kurz darauf folgte eine zweite: „Gebet fällt mir schwer, wenn oder weil …“. Die Antworten führten unmittelbar hinein in persönliche Erfahrungen, Erwartungen und auch Schwierigkeiten rund um das Beten.

An diesem Vormittag nahmen sich die Teilnehmenden dreieinhalb Stunden Zeit, um gemeinsam über das Gebet nachzudenken – ausgehend von eigenen Erfahrungen, Fragen und Suchbewegungen.

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Gebet beginnt mit der Anrede

Im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass die biblische Tradition Gebet vor allem als Beziehung versteht. Gott erscheint hier nicht als abstrakte Idee, sondern als Gegenüber. Beten bedeutet daher, Gott anzusprechen – mit eigenen Worten, mit überlieferten Gebeten oder mit den Worten der Psalmen.

Von dort aus öffnete sich der Blick auf die klassischen Formen des Betens: Bitte, Dank, Klage und Lob. Jede dieser Gebetsweisen bringt unterschiedliche Erfahrungen des Lebens zur Sprache. Bitte und Dank greifen konkrete Situationen auf, während Klage und Lob stärker die Beziehung zu Gott selbst betreffen.

Lernen von Franz von Assisi

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Spiritualität des heiligen Franz von Assisi. Sein Leben zeigt, wie sehr Gebet Quelle und Orientierung seines Handelns war. Besonders eindrücklich ist das Gebet, das er vor dem Kreuz von San Damiano gesprochen hat: „Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens.“ In diesen wenigen Worten verdichtet sich die Erfahrung eines Menschen, der mit seiner Suche und seinen offenen Fragen vor Gott steht.

Von dort aus führte der Weg weiter zum Stundengebet der Kirche, das auch für Franziskus den Rhythmus des Tages prägte. Die Psalmen bilden das Herz dieser Gebetstradition. Ein von Franziskus verfasstes Lobgebet als Einstimmung auf das Stundengebet machte sichtbar, wie er sich immer wieder bewusst in das gemeinsame Gebet der Kirche und der ganzen Schöpfung hineinstellte.

Auch die Klage hat ihren Platz

Ein weiterer Schwerpunkt galt der Klage im Gebet. Am Beispiel von Psalm 22 wurde deutlich, dass Erfahrungen von Verlassenheit, Ratlosigkeit und Dunkelheit ihren Platz im Beten haben. Gerade in der Klage zeigt sich, wie ernst Beziehung zu Gott genommen wird: Der Mensch verschweigt seine Not nicht, sondern bringt sie vor Gott zur Sprache.

Diese Perspektive öffnete zugleich den Blick auf die bevorstehende Karwoche. Der Psalm führt von der Erfahrung der Verlassenheit zu neuem Vertrauen – ein Weg, der auch im christlichen Glauben eine zentrale Rolle spielt.

Musikalische Beiträge begleiteten den Vormittag und eröffneten immer wieder einen anderen Zugang zum Thema. Zwischen Impulsen, Austausch und gemeinsamen Momenten entstand so eine Atmosphäre, die zugleich konzentriert, lebendig und immer wieder auch von Humor geprägt war.

Viele Teilnehmende nahmen am Ende eine einfache, aber tiefgehende Einsicht mit: Beten beginnt nicht erst dort, wo alles geklärt ist. Es beginnt dort, wo Menschen ihr Leben zur Sprache bringen – mit Dankbarkeit, mit Fragen und manchmal auch mit Klage.