Pfarre

Villach-St. Nikolai

Maria zwischen Gefahr und Heimkehr

Historische Blitzlichter aus St. Nikolai - Teil 1

© Foto: P. Emmanuel-Maria Fitz OFM
© Foto: P. Emmanuel-Maria Fitz OFM

Historische Blitzlichter aus St. Nikolai - Teil 1

Auftakt einer Online-Reihe anlässlich der Jubiläen 2026

Im Jahr 2026 begeht die Pfarre St. Nikolai mehrere Jubiläen. Diese Wegmarken laden nicht nur zum Feiern ein, sondern auch dazu, bewusst zurückzublicken.

Einen wichtigen Anstoß dazu gibt die derzeit laufende letzte Reihe „Basiswissen Theologie – Kirchengeschichte“. Dabei werden nicht nur große kirchliche Entwicklungen des 20. Jahrhunderts beleuchtet, sondern immer wieder auch lokale historische Ereignisse anhand der Chroniken des Klosters und der Pfarre in Erinnerung gerufen. Aus dieser Veranstaltungsreihe ist die Idee entstanden, ausgewählte geschichtliche Einblicke – besonders jene mit regionalem und pfarrlichem Bezug – über die Vortragsabende hinaus zugänglich zu machen.

Geschichte ist in einer Pfarre nie bloß Vergangenheit. Sie lebt weiter in Kirchen und Klöstern, in Chroniken und Zeitungsberichten, vor allem aber im Glauben der Menschen, die ihn über Generationen getragen und gestaltet haben. Angeregt durch die genannten Abende möchten wir daher auf unserer Homepage künftig historische Blicklichter veröffentlichen.

In unregelmäßigen Abständen werden hier interessante, bewegende und manchmal auch überraschende Episoden aus der Geschichte von Kirche, Kloster und Pfarre vorgestellt – als Einladung zum Erinnern, zum Weiterdenken und zum Dank für das, was uns anvertraut wurde.

Den Beginn macht ein Blick über die unmittelbaren Pfarrgrenzen hinaus – zu einem Marienbild, das im Ersten Weltkrieg selbst auf der Flucht war.

Muttergottes von Luschari „auf der Flucht“

Im Jahr 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, stand der Wallfahrtsort Maria Luschari in großer Gefahr. Italien trat in den Krieg auf Seiten von Frankreich und Großbritannien ein. Der Luschariberg lag nahe der Front, und man befürchtete schwere Zerstörungen durch die Kampfhandlungen. Das dort seit über fünf Jahrhunderten verehrte Gnadenbild der Muttergottes – die „Landesmutter von Kärnten“ – sollte deshalb in Sicherheit gebracht werden. Der Franziskanerpater P. Pius (Pij) Žankar schickte den Kirchenkämmerer Janz Kravina zunächst auf den Berg, um die Marienstatue rechtzeitig zu retten und nach Saifnitz zu bringen.

© Foto: P. Emmanuel-Maria Fitz OFM
© Foto: P. Emmanuel-Maria Fitz OFM

Luschari gehörte damals zur Gurker Diözese. Dort wurde entschieden, die Statue ins Franziskanerkloster nach Villach zu bringen. Am 5. Juli 1915 wurde im Franziskanerkloster St. Nikolai in Villach ein Protokoll aufgenommen. Darin ist festgehalten, dass Pater Pius im Auftrag des Ordinariats vorsprach, und dass das Gnadenbild außerhalb von Klagenfurt in Villach einen sicheren Ort finden könne.

Die Franziskaner nahmen dieses Anliegen mit großer Bereitschaft an. Für die Zeit der „Verbannung vom Gnadenort Luschari“, wie es im Protokoll heißt, wurde der Statue ein Platz im Oratorium über der Sakristei zugewiesen. Die Übernahme wurde ausdrücklich als geistlicher Auftrag verstanden: Die Gottesmutter sollte auch von Villach aus den Menschen in der Kriegszeit Trost und Schutz spenden.

Bald wurde jedoch erkannt, dass Villach zu nah an der Front lag. Pater Pius ließ die Marienstatue daher weiter in das Franziskanerkloster Maribor bringen, mit einem Zwischenstopp am Tag des hl. Jakob im slowenischen Schülerheim in Klagenfurt. Am 23. Juni 1915 wurde die Kirche von Luschari von Granaten getroffen und zerstört.

Noch vor Kriegsende begannen Gläubige bereits, an die Renovierung zu denken. Nach dem Krieg erschwerten neu gezogene Grenzen die Umsetzung, sodass die Wiederherstellung erst später in Angriff genommen werden konnte.

Zerstörung, Trauer – und Hoffnung

Zehn Jahre lang blieb die Muttergottes fern von ihrem angestammten Gnadenort. Erst 1925 konnte sie dorthin zurückgebracht werden. Die Rückkehr wurde zu einem eindrucksvollen Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung.

Am 24. Juni 1925 zogen trotz starken Regens mehr als 2.000 Pilger und dreißig Priester nach Saifnitz, um das Gnadenbild in feierlicher Prozession wieder auf den Berg zu begleiten. Vertreter von vier angrenzenden Diözesen waren anwesend. In der Predigt betonte der Priester Filip Terčepi (1892–1946) aus Görz besonders die verbindende Kraft des gemeinsamen Gebets. Die Liebe müsse Italiener, Slowenen und Deutsche verbinden, die sich vor Maria am Luschari begegnen.

© Foto: P. Emmanuel-Maria Fitz OFM
© Foto: P. Emmanuel-Maria Fitz OFM

Zeitungsberichte aus der Zwischenkriegszeit sind immer auch Spiegel ihrer Zeit. Sie geben nicht nur Ereignisse wieder, sondern tragen die Emotionen, Verletzungen und politischen Spannungen der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg in sich. Der folgende Bericht bringt die tiefe Trauer über die Zerstörung des Heiligtums ebenso zum Ausdruck wie das Empfinden von Verlust und religiöser Verwundbarkeit.

Zugleich wird darin deutlich, welche überregionale Bedeutung Maria Luschari als Ort des Trostes hatte – ein Heiligtum, das Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Nation im gemeinsamen Gebet verband. Die internationale Beteiligung an der Wallfahrt und der Aufruf zur verbindenden Liebe zeigen, dass neben Schmerz und Anklage auch Hoffnung und Versöhnung ihren Platz hatten.

Quelle:anno.onb.ac.at
Quelle:anno.onb.ac.at

Die Zeitung Grazer Volksblatt (Nr. 146 vom 26. Juni 1925) hielt dieses Ereignis fest. Dort heißt es unter anderem:

„Die Italiener haben das altehrwürdige Höhenheiligtum in Trümmer geschossen, das im Zeitlaufe Millionen guter Menschen eine Trost- und Gnadenstätte war, an der sie sich ausklagen und ausweinen konnten, um dann mit neuem Lebensmute den Kampf des Lebens weiter zu kämpfen.“

Und weiter:

„Wie die Gnadenkirche schon längst in Trümmer lag, kamen zahlreiche Pilger, um an der Gnadenstätte, wie die Israeliten auf den zerstörten Mauern Jerusalems, den Greuel am heiligen Orte zu beklagen und zu beweinen.“

Trotz aller Verletzungen klingt im Bericht auch eine zur damaligen Zeit nicht selten vorkommende Hoffnung an:

„Die Hoffnung kann in der Kärntner Volksseele nicht sterben, daß das alte Landesheiligtum wieder kärntnerisch werden wird.“

Abschließend wird die Rückkehr des Gnadenbildes als geistliches Ereignis von besonderer Bedeutung beschrieben:

„Das wundertätige Gnadenbild Mariens, das die Kriegszeit als Flüchtling im geschützten Teile des Kärntnerlandes verbringen mußte, [wurde] am 24. Juni in feierlichster Weise auf den hohen Thron des heiligen Berges zurückgetragen und aufgestellt.“

Maria heute – gelebte Frömmigkeit in St. Nikolai

Auch wenn die Muttergottes von Luschari letztendendes nicht nach St. Nikolai gekommen ist, bleibt die Gottesmutter doch ein wesentlicher und lebendiger Bestandteil des spirituellen Alltags in St. Nikolai:

  • täglich Rosenkranz von Montag bis Freitag um 8.00 Uhr
  • jeden Samstag Marien-Samstag mit Aussetzung des Allerheiligsten nach der hl. Messe um 7.30 Uhr und gemeinsamem Rosenkranz
  • im Mai tägliche Maiandachten an den Werktagen
  • im Rosenkranzmonat Oktober zusätzliches Rosenkranzgebet bei der Anbetung

So verbindet sich auch in St. Nikolai die Erinnerung an vergangene Glaubenszeugnisse mit einem Glauben, der heute gelebt, gebetet und weitergetragen wird.

Geschichte erleben - Basiswissen Theologie

Wer übrigens noch mehr über die Geschichte der Kirche im 20. Jahrhundert und die spannenden Zusammenhänge aus Kirche und Kloster vor Ort in Villach erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, bei der Veranstaltungsreihe „Basiswissen Theologie – Kirchengeschichte“ vorbeizuschauen. Die noch ausstehenden Abende finden statt am 19. Jänner, 26. Jänner und 2. Februar 2026, jeweils von 18.45 bis 20.00 Uhr im Pfarrzentrum. Die Treffen stehen allen Interessierten offen – zum Zuhören, Mitdenken oder einfach zum gemeinsamen Austausch.

Bildunterschrift (Bildrechte sind zwingend anzugeben!)
Bildunterschrift (Bildrechte sind zwingend anzugeben!)

Quellen:

  • Pfarrarchiv St. Nikolai XVII/1, Tom III 1922 bis 1934.
  • Pfarrarchiv St. Nikolai XXII/3, 1901-1980, 1-228.
  • KRAGELJ Jožko, LAH Peter SJ: Maria Luschari. Kurzer Führer mit Betrachtung (und topografischer Karte), Ljubljana 2018.