Pfarre

Villach-St. Nikolai

Die ungewöhnliche Bitte des Franziskus für die Welt

Portiunkula-Ablass

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Foto: P. Emmanuel-Maria Fitz OFM

Wir dürfen unsere Sehnsüchte und Bitten jederzeit Jesus anvertrauen: die Bitte um Gesundheit, um Frieden für die Welt oder um Glück und Segen für unsere Familien.

Ein Wunsch für die ganze Welt

Auch der heilige Franziskus trug seine Bitten immer wieder vor den Herrn. Eine von ihnen galt weder ihm selbst noch seiner Gemeinschaft – und doch wirkt sie bis heute nach. Er dachte an alle Menschen, die an ihrer Vergangenheit, an Schuld oder an ihrem Versagen zu tragen haben.

Einer Überlieferung zufolge war Franziskus in einer Nacht des Jahres 1216, in der kleinen Kirchen der Portiunkula tief im Gebet und in der Betrachtung Gottes versunken, als unerwartet die kleine Kirche mit einem prächtigen Licht überflutet wurde. Franziskus erblickte auf dem Altar Christus, von Licht umstrahlt, und zu seiner Rechten seine heilige Mutter, umgeben von einer großen Schar von Engeln. Franziskus warf sich mit dem Gesicht zur Erde und betete im Schweigen seinen Herrn an.

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Foto: Josefine Scherling

Sie fragten ihn also, was er sich für die Rettung der Seelen wünschen würde. Franziskus antwortete unverzüglich: "Heiliger Vater, obwohl ich ein elender Sünder bin, bitte ich dich, dass allen die diese Kirche besuchen, nachdem sie bereut und gebeichtet haben, ein umfassender und großzügiger Sündenerlass gewährt wird - mit einer vollständigen Vergebung aller Sündenschuld."

"Das, was du verlangst, oh Bruder Franziskus, ist sehr viel", antwortete ihm der Herr. "Aber du bist größerer Dinge würdig und größere wirst du erhören. Deshalb werde ich deine Bitte erhören, aber unter der Bedingung, dass du in meinem Auftrag zu meinem Vikar auf Erden gehst und ihn um diesen Ablass bittest."

Franziskus eilte daraufhin sofort zu Papst Honorius III., der sich in diesen Tagen in Perugia befand und erzählte ihm von der Vision. Der Papst hörte ihm mit Aufmerksamkeit zu und nach einigen Schwierigkeiten gab er seine Einwilligung. Dann fragte er: Für wie viele Jahre willst du diesen Ablass?"

Franziskus antwortete spontan: "Heiliger Vater, ich frage nicht nach Jahren, sondern nach Seelen!" Und glücklich machte er sich auf den Weg zu Tür, aber der Papst rief ihn zurück: "Wie, willst du kein Dokument haben?" Franziksus erwiderte: "Heiliger Vater, mir genügt euer Wort! Wenn dieser Ablass ein Werk Gottes ist, wird er dieses Werk offenbaren; ich habe kein Dokument nötig. Das Schriftstück soll die Heilige Jungfrau Maria sein, Christus der Notar und die Engel seine Zeugen."

Einige Tage später verkündete er zusammen mit den Bischöfen von Umbrien, unter Tränen dem Volk, das zur Portiunkula gekommen war: "Meine Brüder und Schwestern, ich will euch alle ins Paradies führen!"

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Josefine Scherling

Mehr als Vergebung

Beim Wort „Ablass“ denken allerdings viele zunächst an den Ablasshandel des Mittelalters oder an Martin Luther. Doch genau darum geht es nicht.

Ein Ablass ist kein Freikaufen von Sünden. Die Schuld vergibt Gott im Sakrament der Versöhnung (Beichte). Ein Ablass betrifft vielmehr die zeitlichen Folgen der Sünde – das, was unser Herz, unsere Beziehungen und unser Leben trotz der Vergebung noch belastet. Er ist Ausdruck der heilenden Liebe Gottes, die den Menschen nicht nur vergeben, sondern ihn ganz erneuern möchte.

Deshalb setzt der Portiunkula-Ablass eine bewusste Hinwendung zu Christus voraus: den Empfang des Bußsakraments, die Mitfeier und den Empfang der heiligen Eucharistie, das Gebet des Glaubensbekenntnisses und des Vaterunsers sowie das Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters und den Besuch einer katholischen Kirche. Es geht also nicht um eine äußere Leistung, sondern um die ehrliche Bereitschaft, Gott das eigene Leben neu anzuvertrauen.

Bedeutung bis heute

Wir leben in einer Zeit, in der Fehler oft nicht vergessen werden und Menschen schnell abgestempelt sind. Gottes Barmherzigkeit dagegen kennt immer einen Neuanfang. Sie schaut nicht zuerst auf das, was war, sondern auf das, was werden kann.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Portiunkula-Ablasses: Niemand muss Gefangener seiner Vergangenheit bleiben. Wer sich Christus anvertraut, darf erfahren, dass seine Liebe größer ist als jede Schuld.

Franziskus schenkt somit auch heute noch durch seine Bitte Trost für diejenigen, die jegliches Vertrauen verloren haben, Licht für jene, die sich in der Dunkelheit der Sünde verirren. Die kleine Kirche in Portiunkula bleibt weit über Assisi hinaus ein leuchtendes Zeichen der unendlichen Liebe Gottes und seiner Barmherzigkeit.

So lädt uns der hl. Franziskus auch 800 Jahre später ein, Gottes Barmherzigkeit neu zu entdecken – als Geschenk, das unser Leben verändern kann.

In der Franziskanerkirche St. Nikolai besteht am 2. August 2026 jeweils 15 Minuten vor den heiligen Messen (09.30, 11.00 und 19.00 Uhr) Beichtgelegenheit.

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Foto: Susan Speicher