Pfarre

Villach-St. Josef

Schau und Mach!

Haben Sie schon davon gehört? Papst Franziskus lädt mit einer zweijährigen Weltsynode dazu ein, sich als Kirche zu versammeln und intensiv aufeinander zu hören und miteinander zu gehen.

Die Frage ist, wie wir als Gläubige zusammen in ein Morgen unterwegs sein können, das nachhaltig und zukunftstauglich ist. Was sind die Bedürfnisse der Menschen und wie können sie das Kunstwerk Kirche kreativ mitgestalten? Unterschiedliche Ausgangssituationen rund um den Erdball werden dabei wohl ebenso Berücksichtigung finden müssen wie geladene Pole und Spannungsfelder zwischen den Entscheidungsträgern. Es gilt zu hoffen, dass die Synode stickige Räume durchlüftet, verschlossene Türen öffnet und Bewegung in erstarrte Strukturen bringt. Wie das gehen soll?

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich mit dem Zug unterwegs. Mir gegenüber sitzen zwei Schüler. Bei einem Bahnhof steigt ein älteres Ehepaar zu. Die Dame wirkt gebrechlich und ist auf der Suche nach einem Sitzplatz sichtlich gefordert. Die beiden Jugendlichen neben mir bemerken das, schauen von ihren Handys auf und springen vor Hilfsbereitschaft von ihren Plätzen. Mich rührt ihr spontanes Handeln. Vielleicht ist es das, denke ich, was Kirche heute in unserem Teil der Welt ganz dringend benötigt: Schau und mach! Was braucht es hier und jetzt, und was kann ich dazu beitragen?

Die hierarchische Struktur der Kirche fesselt vielen Frauen und Männern die Hände und macht so freies Handeln unmöglich – doch das muss nicht unbedingt der Tod jeder Spontanität sein. Manchmal sollen wir, wenn wir als Christinnen und Christen miteinander unterwegs sind, wohl nicht erst fragen, was erlaubt oder üblich oder bequem ist, sondern einfach tun, was ansteht. Wie die beiden Schüler im Zug – und wie mit Sicherheit auch Jesus.

Text: Heidi Wassermann-Dullnig