Pfarre

Villach-St. Josef

Gemeinsam unterwegs / Gute Hirtin einer emanzipierten Herde

Ich freue mich, mit Ihnen unterwegs zu sein, um Glauben zu gestalten und Christusbegegnung zu ermöglichen.

Gemeinsam unterwegs

Die Zeichen der Zeit zu erkennen und ihnen gemäß zu handeln, ist einer der Leitsätze des II. Vatikanischen Konzils. Die Träger der Glaubensverkündigung sind alle Getauften. Das Volk Gottes wurde sich seiner Sendung in der Welt von heute bewusst. Zwar ist unsere Pfarrkirche knapp vor dem Konzil errichtet worden, aber die Leitsätze des Konzils führen zu raschen Adaptierungen im Innenraum. Volksaltar und Ambo werden dem wieder gewonnenen Kirchenverständnis gerecht und spiegeln in der funktionalen Umsetzung den Gottesdienst als Gemeindegeschehen.

Heute wird das, was unmittelbar nach dem Konzil in der Liturgie eine Umsetzung erfahren hat, in ähnlicher Weise auf Gemeindeleitung bezogen. Zwar wurde Verantwortung der Seelsorge bereits in den frühen 70er Jahren auf der Grundlage der Diözesansynode durch die Pfarrgemeinderäte mitgetragen. Als Gremium, das die Pfarrgemeinde als Volk Gottes in Wahrnehmung des Sendungsauftrages repräsentiert, befasst sich der Pfarrgemeinderat mit Belangen des Glaubenslebens und der Seelsorge, berät, entscheidet und gestaltet pfarrliches Leben. Die Obmänner und die Obfrau des Pfarrgemeinderates von St. Josef sowie die jeweiligen Ausschussvorsitzenden haben in Wahrnehmung ihrer Verantwortung wesentlich zur Verlebendigung des Gemeindelebens beigetragen und tun es auch weiterhin. Gottes Geist ist in ihnen lebendig. Auch amtliche Gemeindeleitung, die in der Regel und ihrem Wesen nach einem Priester zukommt, kann einem Laien übertragen werden. Dies gilt allerdings nicht ausschließlich, sondern geschieht in Verschränkung mit einem Priester. In St. Josef ist dies seit 1. September 2016 durch ein offizielles Leitungsteam bestehend aus Pfarrmoderator, Pfarrassistentin und Vikar konkret umgesetzt.

Wir befinden uns auf neuen Wegen, die wir durch die Taufe kraft des Geistes Gottes als Gottes Volk beschreiten. Wir sind gemeinsam unterwegs.

Ihr Pfarrmoderator

Herbert Burgstaller

Gute Hirtin einer emanzipierten Herde

Ja, ich träume ihn noch, den Traum einer blühenden Gemeinde. In ihr wohnt nicht die Angst vor der Endzeit, sondern die Lust aufs Morgen. Sie vegetiert nicht im Status der Notversorgung, sondern gedeiht im Hören auf Jesus, der Wurzel ihres Sinns. Seit knapp drei Jahren bin ich nun Pfarrassistentin in Villach Sankt Josef und gemeinsam mit zwei Priestern für die Leitung dieser Pfarre verantwortlich. Ich trage pastorale und seelsorgliche Anliegen entscheidend mit und bin für Verwaltung und Finanzen zuständig. Dass Laien gestützt auf Can. 517 §2 des Kirchenrechts in bestimmten Fällen eine solche Funktion übernehmen dürfen, bringt im Bauplan einer Pfarre einiges in Bewegung. Das in viele Menschen tief eingeprägte Bild vom Pfarrer, der als Hirte seinen Schafen vorsteht, passt nicht mehr. Ein neues Bild muss gemalt werden, das braucht Kreativität, Geduld und Humor. In Sankt Josef ist in diesem spannenden Prozess aus meiner Sicht in der Gemeinde eine offene Gesprächskultur und ein demokratisches Miteinander gewachsen. Das gibt Menschen, so hoffe ich, Gelegenheit zum authentischem Christsein und schafft frischen Nährboden für den Glauben. Die Teamarbeit mit den Priestern erfahre ich als Aneinander-Reifen, das, wenn es von gegenseitiger Lernbereitschaft und Wertschätzung geprägt ist, viel Potential in sich birgt. Die Tatsache, dass ich zwar „Pfarrleiterin“ bin, mir als verheirateter Frau aber den Priestern vorbehaltene Aufgaben verwehrt bleiben, zeigt mir oft eine schmerzliche Grenze auf. Trotzdem erkenne ich im Modell der Pfarrassistenz voll Leidenschaft eine Chance für die Kirche, nicht auf ihre Mängel zu starren, sondern Ressourcen in den Blick zu nehmen. In Sankt Josef versuchen wir, diese Chance zu nutzen. Ob mein Traum von einer blühenden Gemeinde damit ein Stück weit wahr wird? Und ob ich eine gute Hirtin bin, die eine emanzipierte Herde begleitet? Ich ertaste mich an diese Berufungsfrage so gut ich kann mit den Worten von Petrus: „Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dich liebe.“

Ihre Pfarrassistentin

Heidi Wassermann Dullnig