Pfarre

St. Andrä im Lavanttal

Vom Lachen als Medizin gegen die Resignation

Gedanken zum 6. Sonntag im Jahreskreis von Dechant P. Gerfried Sitar

Ist uns das Lachen vergangen? Jedenfalls gibt es heuer keinen Fasching, wie wir diesen über Jahre gewöhnt sind – mit Umzügen und Maskenbällen und ausgelassenen Feiern. Das mag manche sehr treffen, sollte uns aber trotzdem nicht den Humor abspenstig machen.

Humor ist die Gabe, sich selbst auf den Arm zu nehmen, ohne dabei umzufallen.

Oft fehlt es uns an dieser guten Portion Humor, um trotz aller Widerwärtigkeiten der Gegenwart optimistisch zu bleiben und der gefühlt schlechten Zeit trotz allem ein Lächeln als Antwort entgegenzuschleudern. Mutter Theresa meinte:

„Wir werden nie wissen, wie viel Gutes ein einfaches Lächeln vollbringen kann.“

Die Gefahr, in schwierigen Zeiten zu erstarren, ist groß und dabei alles in Schwarz und Weiß zu malen, die vielen Schattierungen des Lebens aber zu ignorieren und wegen mancher Probleme das Gute und Gelingende sowie das Frohmachende zu übersehen. Unter den Masken ist das Lachen nicht sichtbar. Aber gerade der Fasching liebt die Masken – das Verkleiden. Lächeln geschieht in erster Linie mit der Seele, die dem Lachen erst das Unbeschwerte und Echte gibt. Wie es ein Lachen aus einer tief empfundenen Freude gibt, existiert auch jenes aus Schadenfreude oder aus Zynismus. Das echte Lächeln und Lachen hängt also von der inneren Einstellung ab. Lachen schafft oft Entspannung, wo scheinbar aussichtslose Situationen in eine vermeintliche Sackgasse führen.

Das klingt einfach. Es ist aber tatsächlich so, dass das Einfache dem Komplexen nicht selten das Drückende nimmt. Sich selbst nicht zu ernst zu nehmen bedeutet keineswegs, an den eigenen Fähigkeiten zu zweifeln, sondern vielmehr die Weite des Geistes, die notwendig ist, um nicht engstirnig zu werden. Über sich selbst lachen zu können kann nur dann gelingen, wenn wir nicht ein Idealbild von uns selbst zimmern, an dem wir krampfhaft festhalten, sondern vor allem dann, wenn Humor die eigenen Grenzen menschlich sieht und Missgeschicke somit sympathisch werden. Die gute Laune nicht über Bord zu werfen ist heutzutage eine echte Herausforderung, aber diese Stimmung ist genauso ansteckend, wie der Missmut und die Resignation, also ein wichtiger Gegenpol, um nicht in die Depression zu verfallen. Einander bewusst ein Lächeln zu schenken funktioniert auch mit Maske, indem wir unsere Augen sprechen lassen. Blicke können etwas Strahlendes haben und Freude verbreiten, sie können aber auch töten. Das sollten wir nicht vergessen. Der Fasching ermutigt uns auch heuer dazu, dass wir trotz allem fröhliche Menschen bleiben, die sich an den vielen oft übersehenen Dingen freuen können. Der Frühling kommt bald und mit ihm die Vielfalt der Farben.

BUNT ist die Farbe des Faschings, aber auch der Lebensfreude, die wir uns immer wieder gegenseitig schenken können, indem wir einander Mut machen und vielleicht auf das hinweisen, was es an Schönem in unserem Leben gibt.

Das Sonntagsevangelium zeigt, dass der Glaube an das Gute am Ende auch die Heilung bringt. Es ist wie in der Natur: auf den Nebel und die düstere Zeit folgt das Erwachen des Frühlings.

Ich wünsche Euch einen schönen Fasching mit dem Wiederentdecken des herzlichen Lachens.

Herzlich, Euer P. Gerfried Sitar