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Von lila Tüchern und roten Messgewändern

Woran die Farbe Rosa am vierten Fastensonntag erinnert, warum violett die Farbe der Fastenzeit ist und welche Bedeutung die weiteren Farben im Kirchenjahr haben

Blick in den Kleiderschrank in einer Sakristei; Foto: Diözesan-Pressestelle
Blick in den bunten Kleiderschrank in einer Sakristei; Foto: Diözesan-Pressestelle

Klagenfurt, 12. 3. 26 (pgk). Das Leben ist bunt, das Kirchenjahr auch. Farben erzeugen nicht nur Emotionen und beeinflussen unser Wohlbefinden, sie sind auch wichtige Ausdrucks-, Kommunikations- und Orientierungshilfen. Im liturgischen Jahreskreis geben die Farben der liturgischen Gewänder und Ausstattungsgegenstände Orientierung darüber, was gefeiert wird, und spiegeln Charakter und Inhalt der jeweiligen Tage wider.
Der kommende vierte Fastensonntag am 15. März nimmt diesbezüglich im Kirchenjahr eine besondere Stellung ein, denn nur zwei Mal im Jahr zeigt der liturgische Kalender die Farbe Rosa an: am vierten Fastensonntag und am dritten Adventsonntag. Die liturgische Farbensprache wird in der Fasten- und Osterzeit besonders gut sichtbar.

Violett – Farbe der Buße und Umkehr

Violett gilt in der Farbpsychologie als Farbe des Umbruchs, der Verwandlung und des Neubeginns. In der Liturgie ist Violett die Farbe der Vorbereitung, Umkehr und Buße. So tragen Priester und Diakone in der österlichen Fastenzeit, der Vorbereitungszeit auf Ostern, ebenso wie in der Adventzeit, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten, violette Messgewänder. Ab dem 5. Fastensonntag, dem sogenannten „Passionssonntag", werden Kreuze und Standbilder mit violettfarbenen Tüchern verhüllt. Auch bei der Beichte tragen Priester grundsätzlich eine violette Stola als Zeichen der Umkehr und Buße. Bei Gottesdiensten für Verstorbene ist ebenfalls die violette Farbe vorgesehen, als Alternative kann auch schwarz getragen werden.

Rosa – Farbe der Vorfreude

Der vierte Fastensonntag ist einer von zwei Sonntagen im Jahr, an dem das liturgische Gewand rosafarben ist. (Im Bild: Hl. Haupt-Andacht 2025 am „Laetare“-Sonntag in der Wolfsberger Stadtpfarrkirche mit Abt Gerhard Hafner, Abt des Stiftes Admont und Administrator des Stiftes St. Paul/Lav.) Foto: Stadtpfarre Wolfsberg
Der vierte Fastensonntag ist einer von zwei Sonntagen im Jahr, an dem das liturgische Gewand rosafarben ist. (Im Bild: Hl. Haupt-Andacht 2025 am „Laetare“-Sonntag in der Wolfsberger Stadtpfarrkirche mit Abt Gerhard Hafner, Abt des Stiftes Admont und Administrator des Stiftes St. Paul/Lav.) Foto: Stadtpfarre Wolfsberg

Der kommende vierte Fastensonntag oder sogenannte Sonntag „Laetare“ (lat. „laetare!“ = Freue dich!), benannt nach dem Eröffnungsvers des Einzugsgesangs zur Messfeier des vierten Fastensonntags „Laetare Ierusalem …“ / „Freu dich, Jerusalem …“ (Jes 66,10), steht ebenso ganz im Zeichen der Freude wie der dritte Adventsonntag, der sogenannte „Gaudete“- Sonntag (lat. „gaudete“ = Freut euch!), der nach dem Eröffnungsvers des Einzugsgesangs zur Messfeier des dritten Adventsonntags „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4,4) benannt ist. An diesen beiden Sonntagen geht es um die Vorfreude auf jenes große Fest, das am Ende der jeweiligen Vorbereitungszeit gefeiert wird, nämlich Ostern bzw. Weihnachten. Das Violett der Buße der Fastenzeit bzw. Adventzeit wird am kommenden vierten Fastensonntag ebenso wie am dritten Adventsonntag aufgehellt. Die Farbe Rosa ist ein Zeichen der freudigen Vorahnung auf die kommenden Feste Ostern bzw. Weihnachten. Deshalb ist es in Österreich üblich, dass während der Adventzeit die dritte Kerze am liturgischen Adventkranz rosa ist, während die anderen drei violett sind.

Weiß – Farbe des Lichts und der Reinheit

Weiß gilt als Farbe der Unschuld, der Reinheit und des Lichts, das der Welt nach christlichem Verständnis durch die Geburt Jesu geschenkt wird. Zum Osterfest, dem Fest der Auferstehung Christi, heuer am 5. April, wird die Kirche weiß geschmückt. Die Priester und Diakone tragen von der Feier der Osternacht bis zum Samstag vor Pfingsten, heuer am 23. Mai, weiße Messgewänder. Ebenso wird Weiß während der Weihnachtszeit, von der Christmette bis zum Fest der Taufe des Herrn, das jeweils am Sonntag nach dem 6. Jänner gefeiert wird, verwendet. Auch zu Festen und Gedenktagen zu Ehren Jesu Christi (mit Ausnahme seines Leidens), zu Marienfesten und Engelfesten, zu Gedenktagen von Heiligen, die keine Märtyrer sind, sowie bei Taufen, Hochzeiten und anderen festlichen Anlässen ist die liturgische Farbe Weiß. Als Alternative zu Weiß wird beispielsweise zu Ostern oder Weihnachten manchmal auch Gold verwendet, um den besonderen Charakter dieser Hochfeste zur Geltung zu bringen.

Rot – Farbe des Feuers und des Blutes

Am Palmsonntag erinnert die liturgische Farbe Rot an das Leiden Jesu. (Im Bild: Palmsonntagsliturgie mit Dompfarrer Peter Allmaier in Klagenfurt 2025) Foto: Stadtpastoral
Am Palmsonntag erinnert die liturgische Farbe Rot an das Leiden Jesu. (Im Bild: Segnung der Palmzweige mit Dompfarrer Peter Allmaier in Klagenfurt-St. Martin 2025) Foto: Stadtpastoral

Die Farbe Rot steht für intensive Emotionen, Liebe, Leidenschaft und Kraft, wirkt aber auch als Warnsignal. Sie symbolisiert Feuer ebenso wie Blut und Opfer. Am Palmsonntag, heuer am 29. März, und am Karfreitag, heuer am 3. April, erinnert die Farbe Rot an das Leiden Jesu. Zu Pfingsten symbolisiert das rote Messgewand das Feuer des Heiligen Geistes, dessen Ankunft zu Pfingsten gefeiert wird. Auch bei der Spendung des Sakramentes der Firmung tragen die Firmspender rote Messgewänder. Außerdem wird Rot am Fest der Kreuzerhöhung sowie an Gedenktagen von Märtyrern, an dessen Blut die Farbe Rot erinnert, liturgisch verwendet.

Grün – Farbe der „gewöhnlichen“ Zeit

Grün ist in der Farbenlehre die Farbe der Hoffnung, der Natur, des Lebens und des Wachstums. Sie symbolisiert Harmonie, Ruhe und Entspannung. Im Kirchenjahr wird dieser Farbe kein besonders Fest zugeordnet. Es ist die Farbe der „gewöhnlichen Zeit“, die den überwiegenden Teil des Kirchenjahres ausmacht. Grün ist gleichsam die liturgische „Alltagsfarbe“ und wird in den Gottesdiensten in den Wochen zwischen der Weihnachtszeit und der österlichen Bußzeit sowie in der Regel vom Dienstag nach Pfingsten bis zum Samstag vor dem ersten Adventsonntag – mit Ausnahme der Tage, die an bestimmte Ereignisse oder Heilige erinnern – verwendet.

Schwarz – Farbe der Trauer

Schwarz ist die Farbe der Trauer, der Klage und des Todes. Demzufolge wird sie zu Allerseelen (2. November) sowie bei Begräbnissen ebenso getragen wie die Farbe Violett.

Der verbindliche Farbkanon der römisch-katholischen Kirche, bestehend aus den Farben Violett, Rosa, Weiß, Rot, Grün und Schwarz, gilt seit mehr als 450 Jahren und geht zurück auf das Messbuch „Missale Romanum“ aus dem Jahr 1570 von Papst Pius V.

Verwendete Quellen:

  • Kasper, Walter: Lexikon für Theologie und Kirche
  • Berger, Rupert: Pastoralliturgisches Handlexikon
  • www.katholisch.de
  • www.liturgie.ch
  • www.vivat.de
  • www.messgewaender.de