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Schiffsprozession mit Bischof Schwarz und Weihbischof Krätzl

Krätzl: Neuevangelisierung ist Weg zu einem geglückten Leben

Weihbischof Krätzl hielt dieses Jahr bereits zum dritten Mal die Kurzansprachen im Rahmen der von Bischof Schwarz geleiteten Schiffsprozession am Wörther See.  (© Foto: Pressestelle/Eggenberger)
Weihbischof Krätzl hielt dieses Jahr bereits zum dritten Mal die Kurzansprachen im Rahmen der von Bischof Schwarz geleiteten Schiffsprozession am Wörther See. (© Foto: Pressestelle/Eggenberger)

Klagenfurt, 12. 8. 11 (pgk). Neuevangelisierung, Hauptakzent derzeitiger Pastoral in Österreich und der Weltkirche sowie Thema einer Weltbischofssynode 2012 in Rom, und die Auslegung des Evangeliums für heute stand im Mittelpunkt der Kurzansprachen des emeritierten Wiener Weihbischofs DDr. Helmut Krätzl in Krumpendorf, Pörtschach, Velden und Maria Wörth im Rahmen der von Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz geleiteten traditionellen Marienschiffsprozession am Wörther See. Neuevangelisierung bedeute, so der Wiener Weihbischof, der bereits 1987 und 1992 als Festredner bei der Schiffsprozession fungierte, „das Evangelium neu, als frohe Botschaft, als ein Lebensprogramm für die Gesellschaft aufzuzeigen“. Dabei genüge es nicht, das Evangelium zu verkünden, es brauche Zeugen, die diese Grundsätze in die Tat umsetzen. „Dieses Zeugnis haben die Heiligen, aber auch heute viele, die sich gegen den Mainstream durchsetzen und anders zu leben versuchen“, sagte Weihbischof Krätzl und verwies in diesem Zusammenhang auf die beiden bevorstehenden Seligsprechungen von Hildegard Burjan und Dr. Carl Lampert in Österreich „Neuevangelisierung soll ein Angebot für solche sein, deren Glauben in den letzten Jahren müde und schwach geworden ist, die vielleicht von der Kirche da und dort enttäuscht wurden. Wir wollen aber auch jene Menschen ansprechen, die auf der Suche sind nach mehr Sinn, nach Glück im Leben“, betonte Weihbischof Krätzl und bezeichnete die Neuevangelisierung als „Weg zu einem geglückten Leben“. Bereits das Evangelium lehre als eine Voraussetzung für ein geglücktes Leben, so Krätzl, „dass man sich selber mag, sein eigenes Leben dankbar annimmt“. In diesem Zusammenhang verwies der Wiener Weihbischof auf das ORG St. Hemma in Gurk, das als erste Schule Österreichs „Glück“ als Pflichtfach eingeführt hat.
Neuevangelisierung werde schlussendlich daran gemessen werden, so der Wiener Weihbischof, in wieweit sie der Gesellschaft diene, einer Gesellschaft, deren Alltag und öffentliches Leben scheinbar säkularisiert, in der das Glaubenswissen erschreckend gesunken und aus deren Alltag das Religiöse vielfach verschwunden sei. Der Trend, Urlaub im Kloster zu machen, der Wallfahrts-Boom oder gelebtes Brauchtum wie zum Beispiel die Schiffsprozession am Wörther See würden jedoch deutlich machen, dass eine „unausrottbare Sehnsucht der Menschen nach Mehr, nach etwas, das über das rein Irdische hinausreicht“ bestehe und „neue Formen der Religiosität erwachen und gesucht werden“. Es sei Aufgabe der Kirche, im Rahmen einer Neuevangelisierung diese oft verschüttete und überlagerte Religiosität freizulegen – „nicht um der Kirche, sondern um des eigenen Lebens willen“. „Neuevangelisierung wird nicht als modernes Werbemittel für Kirche missverstanden, sondern dankbar angenommen werden, wenn die Menschen merken, dass sie damit etwas Hilfreiches für ihr Leben bekommen“, sagte Weihbischof Krätzl. Dazu sei es notwendig, „zu allererst den Menschen in seiner je einmaligen Würde, seinen Sehnsüchten und seinem Bemühen, aber auch mit den oft unvermeidlichen und leidvollen Brüchen, im Blick zu haben“. Dazu zähle, „Mut zum Leben zu machen, zu einem aufrechten und selbstständigen Gang herauszufordern, zu einem Leben nach dem Gewissen zu erziehen, das die letzte Instanz sittlicher Verantwortung ist“. Die Gesellschaft brauche zur Bewältigung ihrer immer größer werdenden Probleme einen Gesinnungswandel, sagte Krätzl und rief zu „mehr Solidarität in einer weltlich ´postsolidarischen´ Gesellschaft“ auf. „Wir brauchen Friedensstifter zwischen den vielen verhärteten Fronten, einen Anreiz zur Selbstlosigkeit und eine neue Ehrfurcht vor der Schöpfung sowie vor dem Leben von allem Anbeginn“, appellierte Weihbischof Krätzl.

In Maria Wörth erfolgte mit der Erneuerung der Weihe an die Gottesmutter durch Bischof Schwarz der Höhepunkt der Schiffsprozession, die von der Klagenfurter Pfarre St. Josef-Siebenhügel organisiert wird.