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Fastentücher in Kärnten: Vortrag am 25. März in Maria Saal

Die ältesten Fastentücher Kärntens

Das älteste und zugleich größte Fastentuch Kärntens befindet sich im Gurker Dom. Foto: Diözesan-Pressestelle/Eggenberger
Das älteste und zugleich größte Fastentuch Kärntens befindet sich im Gurker Dom. Foto: Diözesan-Pressestelle/Eggenberger

Klagenfurt, 19. 3. 26 (pgk). Ein in den Alpenländern einzigartiger Brauch wird in Kärnten während der Fastenzeit in besonderer Weise gepflegt, nämlich das Aufziehen von Fastentüchern, die von Aschermittwoch bis zum Mittwoch der Karwoche, mancherorts auch bis zum Karsamstag, den Hochaltar verdecken. In rund der Hälfte aller Kärntner Pfarren finden sich künstlerisch gestaltete Fastentücher, welche in der Zeit vor Ostern die Hochaltäre verhüllen. Mit rund 40 in liturgischer Verwendung befindlichen Fastentüchern aus der Zeit vor 1800 hat Kärnten österreichweit außerdem den höchsten Bestand an historischen Fastentüchern.
Die Kärntner Fastentücher stehen am Mittwoch, dem 25. März, um 19 Uhr im Mittelpunkt eines Vortrags von Mag. Roland Stadler und Monika Suntinger vom Referat für Tourismusseelsorge im Haus der Begegnung in Maria Saal. Die beiden Fastentuch-Experten, Herausgeber der gleichnamigen Broschüre (3. Auflage, 2023), werden an diesem Abend in Wort und Bild einen Überblick über bedeutende Fastentücher in Kärnten aus rund sechs Jahrhunderten geben.

Die ältesten Fastentücher Kärntens.
Das älteste (1458) und mit 80 Quadratmetern zugleich größte der erhalten gebliebenen Fastentücher Kärntens ist das Gurker Fastentuch, das 2019/2020 umfangreich restauriert wurde. Das Fastentuch von Meister Konrad von Friesach setzt sich aus zwei vertikal getrennten Hälften zusammen, die - durch eine Mittelnaht verbunden - ein Gesamtmaß von 8,87 mal 8,87 Meter und eine Fläche von rund 80 Quadratmetern besitzen. Die in Tempera auf Leinen gemalten Darstellungen zeigen 108 Szenen des Alten und Neuen Testaments.
Rund ein halbes Jahrhundert nach dem Gurker Fastentuch, nämlich im Jahr 1504, entstand das Fastentuch von Haimburg. Es zählt aufgrund des ikonographischen Programms und der Qualität der Malerei zu den schönsten Fastentüchern in Kärnten. Der nach niederländischem Vorbild gestalteten Landschaft am Fastentuch kommt eine bedeutende Rolle zu. Die Bildfelder des rund 4,2 x 3,8 Meter großen Fastentuches sind auf 36 reduziert, alt- und neutestamentliche Szenen jedoch noch im Gleichgewicht.
Aus dem Jahr 1520 stammt das Fastentuch von Reichenfels, das in der Pfarrkirche
St. Leonhard im Lavanttal ganzjährig zu besichtigen ist. Es zeugt von einer deutlichen Beeinflussung durch Stichvorlagen aus dem künstlerischen Bereich nördlich der Alpen wie z. B. durch die Passionszyklen von Dürer oder Cranach. Die einzelnen Szenen sind im erzählerischen Nebeneinander aufgereiht, die alttestamentarischen auf die Anzahl sieben reduziert, die neutestamentliche Heilsgeschichte dominiert.
Von großer künstlerischer Bedeutung ist auch das Fastentuch aus Steuerberg (um 1530). Ausgewogene Bildkomposition, effektvoller Einsatz von Farben, Einklang von Form und Ausdruck kennzeichnen dieses beeindruckende Kunstwerk, das sich in der Schatzkammer Gurk befindet.
Das Fastentuch von Baldramsdorf, signiert mit 1555, zählt mit seinen ca. 29 Quadratmetern und 40 Szenen zu den größten Fastentüchern Kärntens.
Das Fastentuch von Maria Bichl/Lendorf ist nicht signiert, dürfte jedoch aufgrund der Ähnlichkeit zum Baldramsdorfer Fastentuch ebenfalls in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden sein. Es hängt aktuell in der Christkönigskirche in Klagenfurt.
Das mit ca. 48 Quadratmetern zweitgrößte Fastentuch Kärntens wurde 1593 von Oswalt Kreusel gemalt und hängt in der Stiftskirche Millstatt. Es zeigt auf insgesamt 41 Feldern zwölf Szenen aus dem Alten und 29 Szenen aus dem Neuen Testament und imponiert vor allem durch seine einzigartige, bewegt erscheinende Fernwirkung.
Das Fastentuch von St. Stefan am Krappfeld aus dem Jahr 1612 ist das älteste Tuch Kärntens im so genannten „Zentraltyp“-Stil. Bei diesem sind um die Kreuzigungsdarstellung Szenen aus der Passion in Form von Medaillons gruppiert. Diese Art der Darstellung findet sich ausschließlich in Kärnten.
Eine Besonderheit weist das Sternberger Fastentuch auf. Es wurde vom Protestanten Hans Khevenhüller, Graf von Frankenburg, 1629 für die katholische Kirche gestiftet, bevor dieser im Zuge der Gegenreformation das Land verlassen musste. Das hochrechteckige 4,30 m x 3,80 m große Fastentuch vom Villacher Maler Jakob Kazner ist eines der wenigen Fastentücher, das noch an seinem ursprünglichen Platz, nämlich im Chorbogen, hängt.