Bischof Marketz: Christliche Bildung nimmt Maß am biblischen Liebesgebot
Festgottesdienst und Festakt anlässlich 80-Jahr-Jubiläum der Bildungseinrichtung Tanzenberg
Klagenfurt, 20. 6. 26 (pgk). Auf Jesu Gebot der Gottes- und Nächstenliebe als grundlegenden Maßstab für christliche Bildung hat Diözesanbischof Dr. Josef Marketz am Samstag beim Festgottesdienst anlässlich des 80-jährigen Bestehens des Bundesgymnasiums Tanzenberg gemeinsam mit dem Marianum, dem ehemaligen Knabenseminar der Diözese Gurk, aus dem das heutige Bundesgymnasium hervorging, hingewiesen. Der Gottesdient, den Bischof Marketz gemeinsam mit Marianum-Rektor HR Prof. Kan. P. Dr. Franjo Vidović OFM in der Seminarkirche feierte, bildete den Auftakt zur Jubiläumsveranstaltung unter dem Motto "Tanzenberg im Blick".
In der Predigt betonte der Kärntner Bischof den besonderen Anspruch der Bildungseinrichtung Tanzenberg: "Eine humanistische Schule vermittelt Wissen. Sie erschließt die großen Schätze der Kultur, der Sprache, der Geschichte und des Denkens. Sie lehrt, Fragen zu stellen und kritisch zu denken. Doch christliche Bildung möchte noch mehr. Sie fragt nicht nur: Was weiß ein Mensch? Sondern auch: Wer ist dieser Mensch? Wofür setzt er sein Wissen ein? Welche Werte tragen sein Leben?", so der Kärntner Bischof. Wissen allein mache noch keinen guten Menschen, so Bischof Marketz. Man könne vieles wissen und trotzdem den Blick für den Mitmenschen verlieren. Man könne erfolgreich sein und dennoch innerlich arm bleiben. "Darum verbindet das Evangelium Herz und Verstand, Glauben und Denken, Bildung und Menschlichkeit", so der Kärntner Bischof. Gerade darin liege die besondere Berufung der Bildungseinrichtungen in Tanzenberg. Seit nunmehr acht Jahrzehnten werde hier versucht, junge Menschen nicht nur auszubilden, sondern zu bilden: "Menschen, die denken können und glauben dürfen, die Verantwortung übernehmen und sich für andere einsetzen." Die Bildungseinrichtung erinnere dabei an eine weitere wichtige Dimension: "Das Marianum war immer mehr als ein Internat oder eine Ausbildungsstätte. Es wollte jungen Menschen helfen, auf die Stimme Gottes im eigenen Leben zu hören", betonte Bischof Marketz. Bleibende Aufgabe für christliche Bildungsanstalten sei es, "jungen Menschen Orientierung zu geben in einer Zeit, die oft von Unsicherheit, Reizüberflutung und schnellen Antworten geprägt ist". Die wichtigste Frage laute auch heute nich, so der Kärntner Bischof, "Was werde ich einmal besitzen?" sondern "Wer möchte ich werden?"
Musikalisch gestaltet wurde die hl. Messe vom AbsolventInnen-Chor und der Spielmusik des BG Tanzenberg (Leitung: Sylvia Steinkellner und Dominik Maringer) mit der „Spatzenmesse“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach dem Gottesdient fand der Festakt in der Seminarkirche statt. Anschließend standen u. a musikalische Darbietungen sowie verschiedene Rück- und Ausblicke im Stationenbetrieb am Programm.
Derzeit besuchen 560 Schülerinnen und Schüler die 23 Klassen des Bundesgymnasiums Tanzenberg unter der Leitung von Direktor HR Mag. Gerald Horn, das seit dem Jahr 2022 den Titel „UNESCO-Schule“ trägt. Diese Auszeichnung steht für das besondere Engagement in den Bereichen interkulturelles Verständnis, soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und globale Verantwortung.
Das Bundesgymnasium und das Marianum Tanzenberg sind im Schloss Tanzenberg, einem über dem Zollfeld gelegenen, weithin sichtbaren Bau, untergebracht. Der imposante Bau, um 1247 erstmals urkundlich erwähnt, wurde 1898 durch die Benediktiner vom Monte Oliveto zum Kloster umgebaut. Während des Ersten Weltkrieges war das Priesterseminar der Diözese in der Abtei untergebracht. Nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten 1940 kehrten die Mönche nach dem Zweiten Weltkrieg in das Kloster zurück. 1946 siedelte die Katholische Kirche das Marianum, das Knabenseminar der Diözese Gurk, in Tanzenberg an und setzte damit einen bildungspolitisch bedeutenden Schritt. Das Marianum wurde nicht als kirchliches Privatgymnasium etabliert, sondern als Expositur des Bundesgymnasiums Völkermarkter Ring in Klagenfurt, des heutigen Europa-Gymnasiums, eingerichtet. Damals wurde das Marianum ausschließlich von Internatsschülern besucht und das vorrangige Ziel lag in der Heranführung junger Männer zur Priesterausbildung.
Seit dem Ende der 60er Jahre werden auch externe Schülerinnen und Schüler in das Marianum aufgenommen. 1980 wurde die Expositur zum eigenständigen Gymnasium erhoben. 1986 errichtete die Diözese Gurk das Tagesheim. Mit Ende des Schuljahres 2008/2009 lief der Vollinternatsbetrieb im „Kleinen Seminar Marianum“ in Tanzenberg aus.