Bischof Marketz bei ökumenischem Gottesdienst in Villach: Karfreitag ist Aufruf zu Mitgefühl und Verantwortung
Superintendentin Mattioli: Karfreitag gibt menschlichem Leid Raum und Würde
Klagenfurt, 3. 4. 26 (pgk). Der Karfreitag sei kein Tag des Ausweichens, sondern Möglichkeit, Schmerz und Ungerechtigkeit bewusst wahrzunehmen. Dies betonte Diözesanbischof Dr. Josef Marketz heute Karfreitag Vormittag beim ökumenischen Gottesdienst, den er gemeinsam mit Superintendentin Mag. Andrea Mattioli in der evangelischen Pfarrkirche Villach-Nord feierte und der live in Radio Kärnten übertragen wurde. Der Tag des Leidens und Sterbens Jesu Christi am Kreuz rufe, so Bischof Marketz, zu Mitgefühl und konkreter Verantwortung auf. Die Passionsgeschichte führe vor Augen, wie Jesus leide, und fordere dazu heraus, "nicht nur mitleidiges Bedauern, sondern echtes Mitfühlen" zu zeigen. "Es ist ein Aufruf, nicht wegzusehen, wo Menschen heute leiden: in den Rissen unserer Gesellschaft, in den Krankenhäusern, in den Kriegsgebieten; nicht wegzuhören, wo der Schrei nach Gerechtigkeit laut wird, die Ohnmacht nicht mehr auszuhalten ist", sagte Bischof Marketz. Dieses Mitgefühl müsse sich auch im Handeln ausdrücken.
In seiner Ansprache betonte der Kärntner Bischof auch die ökumenische Dimension: Das Kreuz sei "das Zeichen unserer Erlösung", zugleich aber "ein Zeichen des äußersten Leidens", das alle Christinnen und Christen verbinde. In der Passion zeige sich ein Gott, der gerade im Leid gegenwärtig sei: "Gott ist da, wo es schwierig, mühsam, leidvoll und aussichtslos ist". so Bischof Marketz.
Der letzte Ruf Jesu "Es ist vollbracht" sei "kein resigniertes Ende, sondern der Sieg der Liebe Gottes, die alles Leid verwandelt". Deshalb bleibe der Karfreitag "trotz der Dunkelheit ein Tag der Hoffnung", betonte der Kärntner Bischof.
Superintendentin Mattioli bezeichnete den Karfreitag als Tag, "an dem man innehält, nicht nur individuell". Der Tag gebe menschlichem Leid Raum und Würde, "indem wir nicht darüber hinwegfeiern und die schweren Seiten des Lebens als einen Störfall betrachten, der eigentlich nicht sein darf", so die Superintendentin. Sie sei überzeugt, "dass wir diesen Raum brauchen und das Innehalten heilende Kraft entfalten kann. Jesu Leid löst das nicht auf, sondern stellt uns in das Licht Gottes. Es stellt uns in seine Nachfolge, in die Nachfolge des Auferstandenen." Was letztlich zähle und bleibe, sei die Liebe, "die uns zu Verantwortung ruft und zum Widerstand gegen herrschendes Unrecht. Im festen Vertrauen, dass diese Liebe letztlich siegt."