Bischof Egon Kapellari feiert 90. Geburtstag
Klagenfurt, 8. 1. 26 (pgk). Am kommenden Montag, dem 12. Jänner, feiert der ehemalige Gurker (1982 – 2001) und emeritierte Grazer (2001 – 2015) Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari seinen 90. Geburtstag. In einem Interview anlässlich dieses bevorstehenden persönlichen Jubiläums in der steirischen Kirchenzeitung „Sonntagsblatt“ vom 4. Jänner 2026 – dem einzigen Interview, das Bischof Kapellari seit seinem 85. Geburtstag gegeben hat – verweist der 64. Bischof der Diözese Gurk auf seine bis heute andauernde starke Bindung an Kärnten: „Das wird mein Leben lang so bleiben und beruht auch auf Gegenseitigkeit“, so Bischof Kapellari. In den fast zwei Jahrzehnten an der Spitze der Diözese Gurk habe er alle Pfarren mindestens einmal in fünf Jahren visitiert. „Und ich habe auch, so wie es mein Vorgänger Joseph Köstner gehalten hat, die meisten Firmungen selbst gespendet“, betont der ehemalige Kärntner Bischof. Als Höhepunkt seiner Amtszeit in Kärnten nennt Bischof Kapellari im Gespräch mit dem „Sonntagsblatt“ den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1988 in Gurk im Rahmen der Dreiländer-Wallfahrt mit Pilgerinnen und Pilgern aus Kärnten, Slowenien und Friaul.
Das Wirken von Bischof Kapellari in der Diözese Gurk war geprägt von starken pastoralen, sozialen und kulturellen Impulsen. So initiierte er nicht nur die vorhin erwähnte Dreiländerwallfahrt, sondern auch die „St. Georgener Gespräche“ mit prominenten Referenten wie Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., Karl Lehmann, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Hans Urs von Balthasar oder Johann Baptist Metz. Weitere Schwerpunkte seines Bischöflichen Wirkens in der Diözese Gurk waren u. a. das Hemma-Jubiläum von 1987 bis 1989 anlässlich der Heiligerklärung der Kärntner Landesmutter im Jahr 1938 mit der Hemma-Ausstellung auf Schloss Straßburg und der Eröffnung des Caritas-Altenwohn- und Pflegeheimes „St. Hemma-Haus“ in Friesach sowie das im Jahr 2000 gemeinsam mit dem Land Kärnten gestaltete Programm „Kunst der Begegnung. Kärnten 2000“ mit der Ausstellung „ICH gegenüber“ auf Schloss Straßburg.
Ein besonderes Zeichen der immer noch bestehenden engen Verbundenheit von Bischof Kapellari zu Kärnten war 2021 der gemeinsame Festgottesdienst mit Diözesanbischof Dr. Josef Marketz und dem Linzer Altbischof Dr. Maximilian Aichern im Gurker Dom, mit dem der ehemalige Kärntner Bischof ein persönliches Dreifachjubiläum, nämlich seinen 85. Geburtstag, das 60-Jahr-Jubiläum seiner Priesterweihe sowie das 40-Jahr-Jubiläum seiner Bischofsernennung, feierte. Bei diesem Gottesdienst dankte Bischof Marketz seinem
Vor-Vorgänger für dessen „bleibende Spuren seines Wirkens in Kärnten“. „Es war eine nachhaltige Prägung, die Du dem Land neben vielem anderen vor allem mit Deiner intellektuell geformten Spiritualität und Deiner Betonung der Beziehung von Religion, Kirche und Kunst hinterlassen hast“, so Bischof Marketz.
Egon Kapellari, von 1982 bis 2001 Diözesanbischof von Gurk und von 2001 bis 2015 Diözesanbischof von Graz-Seckau, wurde am 12. Jänner 1936 in Leoben geboren. Nach der Matura 1953 am Gymnasium in Leoben studierte er bis 1957 an der Universität Graz Rechtswissenschaften und anschließend Theologie an den Universitäten Salzburg und Graz. Am 9. Juli 1961 wurde er in Graz zum Priester geweiht. Von 1962 bis 1964 war Kapellari Kaplan in der Grazer Kalvarienbergpfarre. Anschließend wirkte er bis 1981 als Hochschulseelsorger der Katholischen Hochschul- gemeinde und als Leiter des Afro-Asiatischen Instituts in Graz. Ab 1968 war er auch für das Grazer Priesterseminar mitverantwortlich.
Am 7. Dezember 1981 wurde Kapellari von Papst Johannes Paul II. zum 64. Diözesanbischof der Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt. Die Bischofsweihe erfolgte am 24. Jänner 1982 durch den damaligen Salzburger Erzbischof Karl Berg. Als Bischöflichen Wahlspruch wählte Kapellari „Omnia vestra, vos autem Christi“ („Alles ist Euer, Ihr aber gehört Christus“). Am 14. März 2001 wurde Kapellari zum Diözesanbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt und übernahm am selben Tag deren Leitung.
In der österreichischen Bischofskonferenz war Kapellari für zahlreiche Bereiche zuständig. So war er von 1982 bis 1992 Referent für Jugendseelsorge („Jugendbischof“), von 1982 bis 1992 Mitglied des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), zwei Funktionsperioden lang Mitglied des damaligen „Päpstlichen Rates für den Dialog mit den Nichtglaubenden“ im Vatikan, von 1997 bis 2015 Mitglied der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) in Brüssel sowie Referatsbischof für Liturgie, Kultur und Medien. Als Medien-Bischof war er zudem Präsident der Katholischen Medien-Akademie Wien, Präsident und Herausgeber der Kathpress und Ansprechpartner für österreichische Medien. Von 2001 bis 2015 war Kapellari auch Stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz.
Neben seinen vielfältigen Aufgaben als Seelsorger und Bischof verfasste Kapellari auch mehr als 20 Bücher sowie zahlreiche Aufsätze in Sammelwerken, Zeitschriften und Zeitungen. Eines seiner bekanntesten Bücher, nämlich „Heilige Zeichen in Liturgie und Alltag“ (2008), wurde auch auf Italienisch, Polnisch, Slowenisch, Slowakisch, Spanisch und Koreanisch aufgelegt.
Heute lebt Bischof Kapellari bei den Grazer Elisabethinen in einem Haus für Betreutes Wohnen.