„Worte und Herzen entwaffnen“ – Erntedank in Wolfsberg
Ein Fest des Dankes, des Friedens und der herzlichen Begegnung feierte die Stadtpfarre Wolfsberg beim diesjährigen Erntedank. Zahlreiche Gläubige, viele Kinder und Vertreter der örtlichen Vereine kamen zusammen, um für die Gaben der Schöpfung zu danken – und zugleich eine Botschaft mit nach Hause zu nehmen, die weit über diesen Festtag hinausreicht: „Worte und Herzen entwaffnen“.
Der Auftakt des Erntedankfestes fand am Weiherplatz statt. Zahlreiche Menschen hatten sich dort versammelt, unter ihnen viele Kinder sowie Vertreter der örtlichen Vereine. Nach dem Segensgebet sorgten besonders die Kinder (Begleitet durch Melissa Walzl und Martha Radl) für einen schönen und berührenden Moment: Buchstabe für Buchstabe erschlossen sie das Wort „Erntedank“ und verbanden jeden einzelnen Buchstaben mit einer eigenen Bedeutung. So wurde bereits zu Beginn sichtbar, worum es an diesem Tag gehen sollte: nicht nur um die Früchte der Felder und Gärten, sondern um die vielen Gaben, die das Leben reich machen und für die es Danke zu sagen gilt.
Vom Weiherplatz setzte sich anschließend die Prozession in Richtung Hoher Platz in Bewegung. Dort, bei der Mariensäule, wurde die Heilige Messe gefeiert. Stadtpfarrer Christoph Kranicki gab dem vertrauten Ort an diesem besonderen Tag einen neuen Namen: Da hier die Gottesmutter im Zeichen der Mariensäule seit über 300 Jahren verehrt wird, wurde der Hohe Platz zum „Marienplatz“.
Und Maria stand tatsächlich im Mittelpunkt der Feier. Ihr Magnificat, ihr großer Lobgesang auf Gott, wurde zum Ausgangspunkt einer Botschaft, die unmittelbar in die Gegenwart führte. „Das Magnificat Mariens ist wie ein Programm, um das Herz zu bewahren und Menschen des Friedens zu sein“, betonte Pfarrer Kranicki. Damit verband er den Wunsch von Papst Leo XIV., „die Herzen und die Worte zu entwaffnen“.
Gerade in einer Zeit, in der Worte trennen, verletzen und Fronten schaffen können, wurde der Erntedank damit auch zu einer Einladung, Frieden ganz konkret zu leben: im eigenen Herzen, in den Familien, in der Nachbarschaft und überall dort, wo Menschen einander begegnen.
Einen bemerkenswerten Gedanken griff Pfarrer Kranicki auch im Zusammenhang mit einem Schreiben von Papst Leo zur Bewahrung des Menschseins im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz auf. Dieses beginne mit „Magnifica“ und ende mit „Magnificat“: „Magnifica – also die großartige Menschheit. Und Magnificat – meine Seele preist Gott.“ Darin liege mehr als ein sprachlicher Bogen, führte der Stadtpfarrer aus. Es sei vielmehr ein Weg, der auch für das eigene Leben Bedeutung habe: „Erst dann wird und bleibt die Menschheit ‚großartig‘ – magnifica, wenn sie nicht aufhört, Gott mit Demut zu preisen – ‚Magnificat‘.“
Neben Maria rückte an diesem Erntedankfest auch der heilige Franz von Assisi in den Mittelpunkt. Im Blick auf 800 Jahre franziskanisches Erbe erinnerte Hauptzelebrant an das bekannte „Gebet um Frieden“ und ermutigte die versammelte Gemeinde, sich dessen Worte immer wieder zu eigen zu machen: „Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens.“
Mitgestaltet wurde die Heilige Messe von Kindern und vom Liturgieausschuss der Stadtpfarre Wolfsberg. Für den festlichen musikalischen Rahmen sorgte die Stadtkapelle Wolfsberg unter der Leitung von Thomas Schauer, die der Feier einen besonders würdigen Klang verlieh.
Nach dem Gottesdienst war das Erntedankfest noch lange nicht zu Ende. Im Markussaal und im Innenhof wurde weitergefeiert – mit Begegnungen, Gesprächen und spürbarer Herzlichkeit. Das Team der Stadtpfarre Wolfsberg mit PGR-Obfrau Beatrix Stocker hatte mit großem Einsatz alles vorbereitet und damit einen Rahmen geschaffen, in dem Gemeinschaft gelebt wurde.
Für zusätzliche Freude sorgte eine Verlosung mit mehr als 30 Preisen. So blieb am Ende eines erfüllten Erntedankfestes vor allem eines: Dankbarkeit. Dankbarkeit für die Früchte der Erde, für die Menschen, die sich eingebracht und mitgeholfen haben, für die Kinder, die Vereine und die Musik – und für all jene Begegnungen, die aus einem Fest wirkliche Gemeinschaft machen.
Und aus dieser Dankbarkeit erwächst zugleich eine Bitte: Mögen die Gottesmutter Maria und hl. Franz von Assisi uns helfen, unsere Herzen zu bewahren und zu „entwaffnen“, Frieden zu stiften und Brücken zu bauen. Damit wir als herzliche Gemeinschaft Zeugnis geben von jener Liebe Gottes, die Menschen verbindet – und damit wir selbst immer mehr zu dem werden, worum der heilige Franziskus gebetet hat: Werkzeuge seines Friedens.