Pfarre

Wolfsberg

Abschied vom „guten Hirten“ – Wolfsberg nahm dankbar Abschied von Stadtpfarrer i.R. Engelbert Hofer 

In Wolfsberg wurde am Donnerstag, dem 19. Feber 2026, in würdiger und zugleich sehr berührender Weise Abschied vom „guten Hirten“, Stadtpfarrer i.R. Engelbert Hofer, genommen.

Der langjährige Seelsorger prägte über Jahrzehnte hinweg das kirchliche wie auch das gesellschaftliche Leben der Stadt. Als Stadtpfarrer war er nicht nur für seine tiefgehenden Predigten geschätzt, sondern vor allem für seine Nähe zu den Menschen, seine Zugewandtheit und seine herzliche Art. Für viele war er ein treuer Wegbegleiter in wichtigen Lebensmomenten – im Glauben wie im Alltag.

Die feierliche Messe wurde zu einem bewegenden gemeinschaftlichen Ereignis. Die große Beteiligung der Bevölkerung und der Geistlichkeit zeugte von der hohen Wertschätzung und der spürbaren Dankbarkeit für sein segensreiches Wirken.

Zelebriert wurde der Gottesdienst vom Generalvikar der Diözese Gurk, Dr. Johann Sedlmaier. Die Predigt hielt Stadtpfarrer Dr. Christoph Kranicki, der in einfühlsamen Worten das Leben und Wirken seines Vorgängers würdigte.

Für die würdevolle musikalische Gestaltung sorgten an der Orgel Stjepan Molnar und Kantor Thomas Salzmann. Der Kirchenchor St. Johann verlieh der Feier ebenso einen feierlichen Rahmen wie die Stadtkapelle Wolfsberg und der Männergesangsverein St. Margarethen.

So wurde der Abschied zu einem Zeichen lebendiger Gemeinschaft – getragen von Erinnerung, Dankbarkeit und dem festen Vertrauen des Glaubens.

Predigt von Stadtpfarrer Dr. Christoph Kranicki

Ich bin der gute Hirt: Ich kenne dich, ich kenne deine Geschichte. Fürchte dich nicht vor mir – ich werde dich beschützen, ich werde dir den Weg zeigen, ich werde dich begleiten.

Liebe Schwestern, liebe Brüder! Es ist ein einfaches Bild – und doch so kraftvoll, so berührend, dass es eigentlich keiner weiteren Erklärung bedarf. So liebt Gott: wie ein guter Hirt, der seine Herde nie verlässt.

Und dieser Gott braucht Menschen. Er ruft in seine Nachfolge: Weide meine Schafe! Und bemühe dich, nach meinem Vorbild auch für andere ein guter Hirte zu sein. Ein wahrer Hirtendienst, lange bevor er durch das Kirchenrecht definiert wurde, begann in diesem Ruf Gottes: Folge mir nach! Der Gott, der die Schafe auf seinen Schultern trägt, braucht Schafe, die ihn in seinem Namen selbst weitertragen.

Seit zweitausend Jahren sind unzählige Menschen diesem Ruf gefolgt. Auch unser Pfarrer Engelbert hat ihn gespürt. Das Bild des guten Hirten hat ihn nicht nur geprägt, sondern zutiefst durchdrungen, sodass er diesen Weg als Priester gehen wollte. Das Herz des guten Hirten war sein Kompass und gab ihm Orientierung für seine Entscheidungen.

Ja, lieber Engelbert, viele Priester, Diakone, Frauen und Männer im pastoralen Dienst, haben es von dir gelernt: die Seelsorge des weit offenen Herzens, die Seelsorge aus dem Herzen des guten Hirten. Für dich war es selbstverständlich: Wenn Gott den Menschen nahe ist, dann muss auch der Priester den Menschen nahe sein. Noch bevor wir es von Papst Franziskus hörten, hast du es gelebt: Ein guter Priester, ein guter Hirte, muss nach den Schafen riechen.

Zuerst als Kaplan neun Jahre lang, dann (nach der Pause) als Stadtpfarrer vierzehn Jahre, hast du in Wolfsberg segensreich gewirkt und unzählige Spuren von Liebe hinterlassen, die nach wie vor prägen und aufrichten. Du hast – würden wir heute sagen – schon damals synodal und partizipativ diese Pfarre geleitet und dabei dennoch die Aufgabe des guten Hirten nie aus den Augen verloren. Statt niederschmetternder Diagnosen hast du Worte der Ermutigung, des Trostes und der Heilung geschenkt. Statt Strenge und bedrohlichem Zwang hast du jedem Einzelnen eine Botschaft der Hoffnung und des Vertrauens mitgegeben – sei es in der Schule, am Sportplatz, in der Nacht - beim Tee-Ausschenken oder auf deinen Pilgerreisen – mit dem Pilgerstab, ja, mit dem Hirtenstab in der Hand.

Die Bibel spricht nicht von den Augen des guten Hirten. Die Kunst akzentuiert vor allem seine breiten Schultern – als müsste sichtbar werden, dass auch Gott Kraft braucht, um den Menschen zu (er)tragen. Aber jeder, der dich gekannt hat, wird das Strahlen deiner Augen nie vergessen. Augen – wie ein Spiegel:

„nirgendwo bist du mehr

als im auge des anderen

nur er kennt dein gesicht

du wirst es nie sehen

ohne das auge des anderen

spiegel deiner würde

nirgendwo bist du größer

als im barmherzigen blick deines nächsten“

– so Wilhelm Bruners. Und Hilde Domin:

„Wo sich die Augen treffen,

entstehst du.“

Ja, lieber Engelbert, so hast du uns immer das Gefühl gegeben, angenommen zu werden, wie man ist. In deinen Augen war jeder größer, als er sich selbst oft gesehen hat. Strahlende Augen, die die Größe des Menschen sahen und nicht seine Fehler und seine Sünde.

Kennengelernt habe ich dich beim Anbetungstag in St. Michael, Anfang Feber 2014. Diese Begegnung werde ich nie vergessen: „Herzlich willkommen im Lavanttal! Wann kommst du nach Wolfsberg? Wir haben für dich Platz genug!“

12 Jahre später, am 21. Jänner 2026, durfte ich dir die Krankensalbung spenden. Wir haben das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ gesungen. Bei den Worten des Refrains hast du leicht die Lippen bewegt: „Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ - Es klingt heute wie dein letztes Glaubensbekenntnis.

Dein neuer Tag ist gekommen. Erlöst von aller Krankheit hat der gute Hirt Engelbert seine Herde und seine Alm verlassen. „Pfiat Gott, liabe Alm“ – das war das Lied, bei dem du eingeschlafen bist. Als wäre es das Lied eines Hirten, der traurig ist, fortgehen zu müssen.

Doch in Wahrheit bist du nie gegangen – der gute Hirt verlässt seine Herde niemals. Heute stärkt uns die Hoffnung, dass der Herrgott dich auf grünen Auen lagern lässt, dass er dich führt zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt dein Verlangen und schenkt dir deine Lebenskraft zurück.

Pfiat Gott, liabe Alm!

Pfiat Gott, lieber Hirte Engelbert!