Seit 40 Jahren im Dienst für Gott und die Menschen
Pfarrvikar Benoit Matumona Nzonzi blickt auf 40 Jahre priesterlichen Dienst zurück.
(Foto: Pfarre Spittal/Drau)
40 Jahre im Dienst als Priester: Pfarrvikar Benoit Matumona Nzonzi hat viele Menschen auf ihrem Glaubensweg begleitet und dabei Spuren hinterlassen, von der Demokratischen Republik Kongo über Innsbruck bis nach Kärnten.
Im folgenden Gespräch blickt er auf seinen Weg, seine Berufung und prägende Erfahrungen zurück, und darauf, was ihn bis heute antreibt.
Herr Vikar, was hat Sie damals dazu bewegt, Priester zu werden, und wie erinnern Sie sich an Ihre Anfänge im Kongo?
Meine priesterliche Berufung hat viel mit dem Beruf meines Vaters, eines Krankenpflegers, zu tun. Er behandelte auch Leprakranke und musste die Patienten oft in Quarantäne stellen. Dadurch wurde ich schon als Kind sehr früh mit Leid und Elend konfrontiert. Ich wollte, wie mein Vater, ebenfalls diesen Beruf ergreifen.
Mit etwa fünf Jahren begegnete ich in meinem Dorf zum ersten Mal einem Priester. Er stand im Dienst von Jesus, der ein Herz für Kranke und Notleidende hatte. Das Feuer der Priesterberufung wurde dadurch in mir entzündet. Dieser Priester wurde später der erste einheimische Bischof meiner Heimatdiözese Popokabaka. Das war meine erste Begegnung mit der Kirche.
Mit meinen Eltern habe ich nie gebetet. Als ich später bei den Jesuiten ins Internat kam, war ich sehr fasziniert vom Engagement der Erzieher und Professoren aus Europa. Durch den Religionsunterricht wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass Jesus wie ein Arzt (oder Krankenpfleger) für Leib und Seele ist. So bin ich von meinem ursprünglichen Lebensziel abgekommen und habe mich auf den Priesterberuf vorbereitet.
Dann ging alles reibungslos, und ich wurde am 13.07.1986 in meiner Heimatdiözese Popokabaka zum Priester geweiht.
Ihr Weg führte Sie zum Studium nach Innsbruck. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit haben Sie besonders geprägt?
Mein Studium in Innsbruck zählt zu den Wundern meines Werdegangs. Niemals zuvor hatte ich von Europa geträumt. So kam mir Innsbruck wie eine andere Welt vor.
Im Priesterkolleg „Canisianum“ bildeten wir eine internationale Gemeinschaft, die sich aus Studenten aus West- und Osteuropa, Afrika, Indien, Amerika, Korea und Japan zusammensetzte. Man konnte sich in dieser bunten internationalen Miniaturwelt durchaus wohlfühlen und entfalten.
Ich musste persönlich fast alles neu lernen: die Sprache, die Speisen, den Verkehr … All das war mir fremd. Denn im Kongo hatte sich mein Leben hauptsächlich auf dem Land abgespielt. Ich war durch und durch ein echter „junger Buschmann“.
In jener Zeit waren wir nur wenige Afrikaner. Neugier war überall spürbar. Aber die Anpassung vollzog sich bei mir schnell. Ich war fast überall sehr herzlich willkommen, und aus dieser Zeit sind sogar feste Bindungen entstanden, die bis heute bestehen.
In Ihrem Dienst als Seelsorger in unserer Diözese haben Sie vieles erlebt. Woran denken Sie besonders gerne zurück?
Die Diözese Gurk war für mich wie eine Fortsetzung dessen, was ich in Innsbruck erlebt habe. Man ist hier kein Einzelgänger, sondern wird in ein unterstützendes System eingebunden.
Mein Wirkungsbereich umfasste Villach, Spittal an der Drau, Penk und Kolbnitz. Als Vikar habe ich von Pfarrer Alfons Maria Wedenig in Villach und anschließend von Dechant Ernst Windbichler viel gelernt. Das war für mich eine gute Basis für meinen Dienst als Pfarrprovisor in Penk und Kolbnitz.
Diese beiden geistlichen Persönlichkeiten bedeuten mir mehr als nur Mitbrüder im Priesteramt. Sie sind auch in meinem persönlichen Leben eine verlässliche Stütze. Die Menschen haben mich gut angenommen, und niemand fürchtet sich vor mir als „schwarzen Mann“.
Wie hat sich Ihr Priestersein in den vergangenen 40 Jahren verändert und was ist gleichgeblieben?
Wenn ich an den Kongo denke, muss ich sagen: Meine Generation war eine Übergangsgeneration zwischen der Zeit der Missionare und der Zeit des einheimischen Klerus. Zur Missionszeit wurden wir von der Weltkirche mitgetragen. Die Möglichkeiten, seiner Pastoralarbeit nachzugehen, waren kein Problem: Wir hatten fast alles zur Verfügung – Essen, Krankenversorgung und Mobilitätsmöglichkeiten. Heutzutage muss sich jeder selbst durchschlagen.
Als ich im Jahr 2000 in die Diözese Gurk aufgenommen wurde, gab es noch genügend Priester. Ich war der einzige Afrikaner. Inzwischen sind wir viele Priester aus der Weltkirche. Man spricht von Pfarrverbänden und von einer aktiven Beteiligung hauptamtlicher und ehrenamtlicher Schwestern und Brüder, die nicht Priester sind.
In den vergangenen 40 Jahren hat sich viel verändert, auch in Afrika. Der Heilige Geist wird mit seinen Gaben die Kirche auch in Zukunft weiter leiten.
Gab es in Ihrem Dienst besondere Begegnungen oder Momente, die Sie bis heute tief berührt haben?
Im Lauf der Zeit musste ich feststellen, dass die Menschen überall die gleichen Probleme haben. Die Fähigkeit, einander die Herzen zu öffnen und sich zu einigen – darin liegt der Schlüssel zur Lösung von Problemen. So wird das Unmögliche möglich (vgl. Mk 11,24ff.).
Sie haben im Kongo eine Schule aufgebaut. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei, und was bedeutet dieses Projekt für die Kinder vor Ort?
Ein berühmtes Zitat aus der Antrittsrede von John F. Kennedy am 20. Januar 1961 lautet: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“
Was konnte ich für mein Land sonst tun, als das weiterzugeben, was ich bekommen habe: eine gute Ausbildung. Die Schule ist eine Chance für viele Kinder, auch wenn die Erhaltung der Schulgebäude und die Bezahlung des Lehrpersonals große Herausforderungen darstellen.
Ich danke allen, die mir bei der Bewältigung dieses Problems beistehen, indem sie immer wieder ihre Herzen (und auch ihre Brieftaschen) öffnen. Besonders danken möchte ich Frau Uli Milachowski und Ines Stockkhammer, die sich mit großem Einsatz Jahr für Jahr für verschiedene Projekte zu diesem Zweck engagieren.
Mein Dank gilt auch dem Verein Mölltalherz für Kongo mit Obmann Konrad Weichselbraun sowie Bernhard Huber, Viktor Pacher, Hans Tuppinger und Hans Platzer.
Was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die heute über eine geistliche Berufung nachdenken oder ihren eigenen Weg suchen?
Ein Pater beschreibt unsere Zeit sehr treffend: „Wir leben in einer Welt mit vielen Angeboten, die uns alles Mögliche verheißen – und all diese Angebote sollen uns selbstverständlich glücklich machen und ein sinnvolles Leben ermöglichen. Die Werbung ist voll davon. Jedes beworbene Produkt präsentiert sich als unentbehrlich, damit das Leben gelingt.“
Gott spricht auch in dieser Situation auf unterschiedliche Weise zu uns. Eines dieser Zeichen kann eine erleuchtende Idee sein, die eine göttliche Botschaft in sich trägt. Diese sollte man nicht einfach ignorieren.
Wenn ich an mich selbst denke: Ich habe zwar mit meinen Eltern nie gebetet, aber durch die Arbeit meines Vaters konnte ich die Stimme Gottes zur Priesterberufung vernehmen. Ich wünsche den Jugendlichen, dass sie inmitten der vielen Stimmen auch die innere Stimme hören.
Gott spricht nicht nur in der Kirche zu uns Menschen – er hat viele Möglichkeiten, unser Herz zu erreichen.