Pfarre

Spittal an der Drau

Mag.Ernst Windbichler-Pressetexte

Pressetexte

Mag.Ernst Windbichler, Stadtpfarrer von Spittal/Drau (© Foto: iLi)
Mag.Ernst Windbichler, Stadtpfarrer von Spittal/Drau (© Foto: iLi)

Die Woche, 18.09.2019
Gipfelkreuze vernähen Himmel und Erde

Herbstzeit: es zieht uns hinauf. Unten das Tal, die Sicht wird weiter, der Weg mühsamer. Geschafft! Oben das Gipfelkreuz. Kreuz wie Kreuzstich: einerseits Betäubungsspritze. Ich kann loslassen, abschalten, ruhig werden. Berge als gesunde Droge. Auch das darf und soll sein. Kreuzstich dann auch rote Ziernaht auf Pölstern und Decken. Gipfelkreuz als Nahtstelle zwischen oben und unten, vergänglich und ewig, Himmel und Erde. Gott vernäht sie mit dem roten Faden seiner Liebe. Eine haltbare Verbindung, die niemals mehr reißt.

Kleine Zeitung, 08.09.2019
Fans oder Jünger? Mitläufer oder Nachfolger?

Es gibt sicherlich verschiedene Grade der Nachfolge, und vielleicht sind es nur wenige, die zu dieser Totalhingabe berufen sind. Nicht jeder ist ein Hl. Franziskus oder eine Mutter Theresa. Schließlich hat ja sogar der Apostel Petrus großspurig gesagt: „Herr, und wenn sie dich alle im Stich lassen, ich werde für dich sterben.“ Und dann gehört er zu den ersten, die davonlaufen und verleugnen. Trotzdem: Jesus hat ihn nicht davongejagt. Und schließlich gibt er doch noch sein Leben hin für seinen Glauben.

Niemanden will er wegschicken, er ist um jeden froh, der da ist, freut sich über jeden, der sich bemüht, auch wenn er es eher oft schlecht als recht tut. Dennoch aber will er uns einen Stachel im Fleisch mitgeben, damit wir nicht in ein bequemes und nach allen Seiten abgesichertes Mitläuferchristentum verfallen. „Weil wir bei der Taufe geschlafen haben, deshalb gibt es auch so viele verschlafene Christen“, hat einmal jemand spöttisch gesagt. Da ist schon etwas Wahres d’ran: wir wachsen, zumindest in unseren Landen, ganz selbstverständlich in den Glauben hinein, ohne uns je ausdrücklich und frei für ihn entschieden zu haben. Jesu Worte wollen zu allen Zeiten Menschen aufwecken, er will wache, entschiedene, selbstbewusste Nachfolger in seinen Spuren, Jünger, die wissen, worum es geht und im Notfall auch gehen kann, die nüchtern sind und verlässlich, die gerade deshalb auch froh und anziehend wirken.

Ich wünsche uns allen gute Fortschritte auf diesem Weg.

Die Woche, 28.09.2019
Grüß Gott, Servus, Tschüss und Hallo

„Guten Tag“ oder „Tag“ hört man immer öfter. V.a. in Österreich und Bayern sagt man noch „Grüß Gott“: im Anderen Gott begegnen und ihn als sein Geschöpf achten. „Servus“ (wie auch ciao- tschau-) heißt Diener: einander bedienen und nicht beherrschen wollen. „Tschüss“ kommt von „adieu“: Gott befohlen. Nur „Hallo“, (übrigens das erste Wort, das je durch ein Telefon gesprochen wurde), heißt eigentlich nur so viel wie: da bin ich. Der Gruß als Wunsch und Lebensprogramm. Da sag ich nur noch: Pfiat di Gott: Gott behüte dich!

Die Woche, 07.08.2019
Edith Stein: Verklärung und Vollendung

Gestern: Fest der Verklärung des Herrn. Auf dem Weg zum Leiden dürfen ein paar Freunde Jesu eine Taborstunde erleben, einen Blick hinter den dunklen Vorhang des Todes. Übermorgen: Gedenktag für Edith Stein, eine Blutzeugin neuerer Tage, die in dieser Hoffnung auf das Licht hinter und nach den Schrecken der Zeit ihr Leben gelassen hat: die jüdische Philosophin, Frauenrechtlerin, ließ sich taufen, trat in den Orden der Karmeliten ein. Sie wurde von der Gestapo verhaftet und mit ihrer Schwester 1942 in Auschwitz ermordet.

Kleine Zeitung, 28.07.2ß019
Die einfache Kunst des Betens

Es gibt viel Ratgeberliteratur zu allen möglichen Themen. Über die Kunst des Betens hat noch keiner geschrieben. Heute, so scheint es, schließt Jesus diese Marktlücke. Seine Freunde merken, wie ihn das Beten verwandelt, sie möchten auch gerne aus dieser Quelle trinken. Er aber hält jetzt keinen Vortrag, nein, er beginnt gleich mit der Praxis. Das könnten wir schon bedenken: weniger über Gott und mehr mit ihm reden.

Förmlichkeiten spielen keine Rolle: die Anrede heißt: guter Vater, wörtlich übersetzt: Papa. Das ist eines der spezifischen Vermächtnisse Jesu: er uns nimmt uns hinein in sein einzigartiges Gottesverhältnis. In keiner anderen Religion ist eine solche Vertrautheit erlaubt. Gott ist da oft das Nirwana, oder der Urgrund allen Seins und es besteht ein unendlicher Abstand zwischen der menschlichen und der göttlichen Welt. Jesus überbrückt ihn und er öffnet diese Brücke für alle Menschen. Dafür können wir gar nicht genug dankbar sein. Nicht wir selbst schaffen das aus eigener Leistung oder Magie, sondern in Jesus legt Gott selber den Zugang und macht den ersten Schritt auf uns zu.

Die Woche , 17.07.2019
Ein- und Ausatmen, ora et labora

Der 11.7. ist der Tag des Hl. Benedikt(+547), Schutzpatron Europas, Vater des abendländischen Mönchstums. Die kürzeste Zusammenfassung seiner Klosterregel lautet: ora et labora (et lege!): Bete und arbeite (und lies!). Auch am kommenden Sonntag ist von der der tüchtigen Hausfrau Martha und ihrer zuhörenden Schwester Maria die Rede, bei denen Jesus zu Gast ist. Beides muss sich die Waage halten: reden und hören, ein- und ausatmen, Spannung und Entspannung, Aktion und Kontemplation. Sonst geraten wir aus dem Gleichgewicht.

Die Woche, 19.06.2019
Fronleichnam: Der Gott im Brot

Nach dem Dreifaltigkeitssonntag steht das nächste „Küchengeheimnis“ unseres christlichen Glaubens am geistlichen Menüplan: das Fronleichnamsfest. In der unscheinbaren Brotscheibe wird der lebendige Gott unser Kumpan, unser Mitläufer und wir seine „follower“. Wir tragen den, der uns trägt, durch den Ort, aus dem Schaufenster der Monstranz blickt er auf uns und erinnert uns daran, dass jeder von uns, ein lebendiges Vorzeigegerät ist, ein Schaufenster für ihn, ob er will, oder nicht. Manchmal halt mehr oder weniger klar.

Kleine Zeitung, 16.06.2019
Seltsame Mathematik: 1+1+1=1

Der heutige Sonntag nennt sich Dreifaltigkeitssonntag. Zusammenfassung der drei großen Festkreise des Kirchenjahres: Weihnachten: Gott der Vater wird in Jesus einer von uns. Ostern: Gott der Sohn lebt, leidet, stirbt, wird vom Tode erweckt. Pfingsten: im Hl. Geist ist Gott in den Gläubigen am Werk. Und nun, am Sonntag nach Pfingsten wird uns diese Grundmauer des Christentums noch einmal in Erinnerung gerufen. Trotzdem ist dieser Glaube an den dreifaltigen und doch dreieinigen Gott nicht nur für Juden und Muslime ein trennendes Glaubenshindernis, er stellt den Verstand jedes Menschen vor eine Herausforderung. Ein Wesen in drei Dimensionen, wie geht das zusammen? In Mathematik bin ich nie ein Genie gewesen. Vielleicht hat mich die Unanfechtbarkeit und innere Logik dieser Wissenschaft zu sehr erschreckt. Da ist es tröstlich, wenn angesichts der göttlichen Dreifaltigkeit auch höhere Mathematik versagt. Ganze Bibliotheken umkreisen dieses Geheimnis, das nicht menschlicher Spekulation, sondern der Bibel selbst entspringt, wie der eine Gott als Vater, Sohn und Hl. Geist denkbar sei. Und doch gibt es Spuren, Vergleichbares: Länge-Breite-Höhe bilden den einen Raum, Stamm-Äste-Zweige den einen Baum, Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft die eine Zeit und Morgen-Mittag und Abend den einen Tag, Vater, Mutter, Kind die eine Familie, das eine Wasser ist Eis, ist Fluss, ist Dampf...

Vielleicht sind solche Gedanken zu einfältig oder zweideutig. Wichtig ist letztlich nicht das wie, sondern dass Gott kein einsames, ewig um sich selbst kreisendes Wesen ist, sondern in sich schon Gespräch, Austausch und Gemeinschaft hat. Er braucht nicht unsere Gesellschaft, um seine ewige Langeweile zu überwinden. Trotzdem bricht er auf zu uns Menschen, damit auch wir den Weg der göttlichen Dreifaltigkeit gehen: vom Ich über das Du zum Wir. Wir sind nach seinem Bild geschaffen. Über sich hinauswachsen, sich überwinden, sich verströmen und verschenken, das ist uns von höchster Stelle aus in die Gene geschrieben.

Die Woche, 05.06.2019
Leben in der Zwischenzeit

Ein Kind beschreibt Christi Himmelfahrt: „Als Jesus wieder nach Hause kam, sagte der Vater zu ihm: Jetzt bleibst du aber hier, damit dir nicht wieder was passiert!“. Gottseidank hat Jesus diesen Rat nicht befolgt, sondern fährt in seinem Hl. Geist hinein in die Herzen ängstlicher Menschen und erfrischt sie auf dem Weg in die Zukunft. Die Zwischenzeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist die spirituelle Atempause, wo wir uns dieser Geistesgegenwart bewusst werden und sie erbitten. Hoffentlich passiert dann auch was!

Die Woche, 15.05.2019
Von Eisheiligen und Wärmepumpen

Heute ist die „kalte Sophie“, die letzte der Eisheiligen. Aber eigentlich waren sie Wärmepumpen, können nichts dafür, dass ihr Todesdatum den Frühling unterbricht. In der kalten Zeit der römischen Christenverfolgung haben sie das Feuer des Glaubens bewahrt und Wärme ausgestrahlt. Pankratius, Servatius, Bonifatius, Sophie…die Reihe könnte man fortsetzen bis in unsere Tage, wo derzeit die größte Christenverfolgung aller Zeiten stattfindet. Die Organisation „Christen in Not“ hilft, das Eis zu brechen und dankbarer zu glauben.

Kleine Zeitung 05.05.2019
Das Petri Heil am Ostermorgen

Gerade in unseren Landen werden die Netze der Kirche immer leerer. Vielleicht ist es so, wie im Mittelmeer, das unter einer beständigen Verschmutzung leidet, wo die guten Fische immer weniger werden. Vielleicht aber liegt es auch an den Fischern, am kirchlichen Bodenpersonal: dass uns die Leute nicht zutrauen, dass unser Netz ein Rettungsnetz ist. Es hilft nur, ihnen immer wieder glaubhaft vorzuleben, dass wir an einen Gott glauben, der selber sein Leben hingibt im Dienst an den Seinen. So einer kann doch nichts Böses im Sinn haben. Wo wir auf ihn hören und in seinem Auftrag handeln, da brauchen wir den Kopf nicht hängen lassen.

Denn auch damals, in jener Morgenstunde am See ist das Netz prall voll und nicht gerissen. Die 153 großen Fische im Netz sind ein Wink mit dem Zaunpfahl: 153 Völker soll man damals gekannt haben. Alle Völker haben Platz, alle Menschen sind herzlich willkommen, das Netz reißt nicht, auch wenn es oft bis zum Zerreißen gespannt ist.

Die Woche, 24.04.2019
Ostern und die Frauenfrage

Wäre die Auferstehung erfunden, dann klängen alle Berichte synchron und Jesus wäre wohl als erstes den einflussreichen Männern in Religion und Politik erschienen. So aber sind ausgerechnet Frauen die ersten Osterzeugen. Nicht einmal vor Gericht sind sie zugelassen. Böse Zungen behaupten, damit wäre die Nachricht schneller unter die Leute gekommen. Gute Zungen sagen: Frauen sind immer schon die ersten Glaubenszeugen: als Mütter und Großmütter, im pastoralen Dienst, im Religionsunterricht... Das müsste man noch mehr schätzen!

Die Woche, 03.04.2019
Fastentuch und Weihkorbdecke

Die sog. Verhüllungskünstler Jeanne-Claude und Christo haben uns an das erinnert, was die Kirche schon jahrhundertelang geübt hat: das Fasten der Augen. Kostbare Kreuze und goldene Altäre werden hinter Hunger- oder Fastentüchern verborgen um ab Ostern wieder in neuem Licht bewundert zu werden. Die schön bestickten Weihkorbdecken stehen aus anderen Gründen auch in dieser kärntnerischen Tradition. Auch Fernsehschirme sollen neuerdings schon solche Tücher erhalten haben. Angeblich sind einige sogar nach Ostern noch dort geblieben.

Kleine Zeitung, 24.03.2019
Der himmlische Gärtner hat Geduld

Jeden Tag erfahren wir von unerklärlichen Katastrophen, die uns ratlos machen. Jesus will uns die Augen öffnen: Gebt nicht einem vermeintlich strafenden Gott die Schuld oder dem sündigen Menschen, schaut auf euer eigenes Herz, lernt, eure Tage zu nützen, das Leben zu schätzen. Blickt nicht zurück und fragt nach dem Warum, schaut nach vorne und fragt nach dem Wozu, was können wir lernen?

Das könnte uns Mut geben, dass wir neu austreiben wie Knospen.

Wir gleichen oft so einem „feigen Baum“, dem der Mut ausgeht, der das Fruchtbringen verweigert oder verlernt hat.

Wenn auch jeder ganz spezielle Früchte hat, gewisse Produkte bringt jeder hervor: Glaube- Hoffnung und Liebe z.B..

Ich wünsche uns ein in diesem geistlichen Sinne fruchtbares Leben, dass wir Früchte hervorbringen, aber auch die Erträge anderer genießen, auch wenn da manchmal eine saure Beere dabei ist, eine harte Nuss oder ein stacheliger Kaktus. Mit ihm muss man vorsichtig umgehen, aber wie schön kann gerade er blühen.

Mögen wir die rechte Behandlung finden und selber an uns erfahren. Wenn jetzt im Frühling unsere Hobbygärtner wieder tätig werden, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass der große Gärtner, Gott selber, durch seinen Heiligen Geist in uns schon längst und immer schon am „Garteln“ ist, denn bei ihm gibt es keine Jahreszeiten. Und wenn er den Boden nicht nur umgräbt, sondern auch düngt, dann könnte das vielleicht bedeuten, dass mit Gottes Hilfe selbst aus dem Mist, den wir manchmal bauen, noch Gutes wachsen kann.

Die Woche, 13.03.2019
Es ist doch alles umsonst!

Umsonst: das heißt zuerst einmal: vergeblich. Das erleben wir oft. Vergebliche Liebesmüh‘. Enttäuschung, Resignation. Dann heißt „umsonst“ aber auch: gratis und geschenkt: Gott und Welt, Freunde, Natur, Frühling, Wärme, Gesundheit. Da darf ich auch einmal etwas umsonst machen, darf mich loslassen, muss nicht verbittert werden. Im Wort „gratis“ steckt auch das Wort „gratia“- die Gnade und von dort ist es nicht weit zum italienischen „gracie“- Danke. Alte Erkenntnis nicht nur in der Fastenzeit: Das Wichtigste ist umsonst.

Woche, 20.02.2019
Der Schnuller auf der Trauerweide

Beim Gang mit der Urne über den Friedhof sehe ich einen Schnuller im Baum hängen. Hoffentlich kein Kind, das da gestorben ist- der erste Gedanke. Dann aber auch: angesichts der Ewigkeit bleibt auch ein Greis noch im Babyalter. Oder: Solang wir leben, saugen wir nach Glück, was uns wirklich sättigt, finden wir nie auf dieser Welt. Schließlich: ganz erwachsen sind wir erst, wenn wir einmal endgültig bei Gott angekommen sind. Der Schnuller im Baum, er kann uns freundlich einladen, über Gott und die Welt nachzudenken.

Kleine Zeitung, 03.02.2019
Der Schöpfungsmorgen der Kirche

Sonntag ist Ruhetag. Aber im Evangelium ist heute Werktag, da wird geschwitzt und gerudert, alle sind müde und verschlafen, aber Petrus versucht es einfach, weil seine Worte in ihm hängen wie Angelhaken. Viele meinen, sein Erfolg sei das wahre Petri Heil. Aber er hat jetzt ein ganz anders Heil in Sicht, er macht Jesus nicht zum Geschäftspartner in seinem Fischereiunternehmen. Er erkennt, dass an der Seite dieses Jesus ein Leben in Fülle zu finden ist. Dieser entscheidende Morgen am Ufer des Sees ist der Schöpfungsmorgen der Kirche, da beginnt ihre erste Keimzelle zu wachsen, es entsteht schon eine Gemeinschaft, in der der Ruf des Herrn das Verbindende ist.

Dieser Ruf erwischt seine ersten Jünger mitten in der Frustration und spricht doch diese Einladung ins Weite, auch für jeden von uns gilt dieses „Fahr hinaus“, dieses „Gib nicht auf, bleib nicht auf Erfolge fixiert!“.

Wie oft geht es uns ähnlich, dass wir das Menschenmögliche tun, aber die Netze bleiben leer, die Bänke, die Hände und auch die Herzen. Da könnte man den Mut verlieren, das Notstromaggregat einschalten. Warum weitermachen? Weil du es bist, Herr, das darf dann unser letzter Grund sein, du bist mit im großen Boot deiner Kirche und auch im kleinen Schifflein meiner Existenz.

In diesem Sinne kann ich nur mehr für alle unsere Lebenswege ein echtes und biblisches „Petri Heil“ wünschen.

Woche, 31.01.2019
Internationaler Tag der Straßenkinder

…das ist jedes Jahr der 31.1.. Passend dazu auch der Gedenktag des Hl. Johannes Don Bosco, einer meiner Lieblingsheiligen. 1815 als Sohn armer Bauersleute geboren, wurde er unter großen Schwierigkeiten Priester und widmete sein ganzes Leben der Arbeiterjugend von Turin, die nur vom Betteln und Taschendiebstahl lebte. Die Salesianer Don Boscos stehen heute auf der ganzen Welt im Dienst der Jugend und arbeiten nach dem freundlichen Motto ihres charismatischen Gründers: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“.

Woche, 09.01.2019

Andere Wege im neuen Jahr

Von den drei Weisen heißt es, dass sie auf einem anderen Weg heimkehrten, nachdem sie sich an der Krippe hineingekniet hatten in dieses unvermutete Wunder eines göttlichen Kindes in der Futterkrippe. Das gilt auch für unsere Welt, mich selbst und auch die Kirche in Kärnten: dass wir 2019 andere Wege gehen: Wege der Versöhnung, des Friedens, der Wahrheit und Ehrlichkeit, Wege zu Gott und zueinander. Das „K+M+B“, das unsere Sternsinger an die Türen schreiben, könnte dann auch heißten: Kommunikation- Mut- Bedachtsamkeit.

Woche, 19.12.2018

Was wir erwartet haben

Wir erwarteten eine umwälzende Revolution und es kam eine sanfte Evolution. Wir erwarteten Schwerter und es kamen Pflugscharen. Wir erwarteten einen starken Mann und es kam ein kleines Kind. Wir erwarteten ihn an der Vordertür und er kam durchs Hintertürchen. Wir erwarteten ihn im Palast und er kam im Stall. Wir erwarteten Zurechtweisung und Strafgericht und es kam Trost und Zuversicht. Wir erwarteten ein Paradies und bekamen nur Spuren des Himmels. Alle Jahre wieder und nicht nur zur Weihnachtszeit enttäuscht Gott unsere Erwartungen.

Woche, 27.11.2018
Einen anderen König feiern

„Christkönigssonntag“, so heißt in der kath. Kirche der letzte Sonntag im Kirchenjahr. „Christus ist unser Führer!“- so rief vor 80 Jahren Kardinal Innitzer 8000 Jugendlichen im Stephansdom zu. Eine begeisterte Antinazidemonstration auf den Straßen Wiens war die Folge, am nächsten Tag wurde die Residenz des Bischofs verwüstet, er selbst entkam nur knapp dem Tod. Bald feiern wir Advent, die Ankunft des Herrn, sehnen sein Reich herbei. Kein Reich mit Mauern und Grenzen, sondern ein Be-reich, in dem sein Wille geschieht.

Kleine Zeitung, 18.11. 2018
Im Ende die Vollendung sehen

„Die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden…“ heißt es heute. Für viele Menschen in den von Unwettern betroffenen Gebieten in Kärnten und Italien ist dieser Satz erschreckende Wirklichkeit geworden, ein kleiner Weltuntergang hat sich ereignet, Viele stehen vor dem Nichts und wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll. Dennoch und trotzdem die Hoffnung nicht zu verlieren, ist eine gewaltige Herausforderung. In schlimmen Katastrophen nicht ein blindes Schicksal, sondern die Geburtswehen einer neuen Welt zu sehen, das kann nur mit den Augen des Glaubens gelingen. Ja, die Welt hat ein Ablaufdatum, es ist alles nur eine Frage der Zeit, aber sie hat kein Vernichtungsdatum. Das Ende ist gleichzeitig auch Vollendung. Ausgerechnet ein Feigenbaum, der mit seinen grünen Blättern den Sommer ankündigt, wird uns als Beispiel geschenkt, welch ein positives Bild. Nicht Dornen und Unkraut haben das letzte Wort, nicht Eis und Kälte, sondern Wachstum und Wärme, Sommer und Licht. Was uns droht, ist nicht Auslöschung und ewiges Vergessen, was uns blüht, ist Leben. Entgegenkommend ist nicht der Rächer und Richter, sondern der Menschensohn, dem nichts Menschliches fremd ist. Er holt uns heim aus dieser zerbrechlichen Welt, mit der wir oft so achtlos umgehen. Seine Worte sind die Konstante inmitten aller Vergänglichkeit und Haltlosigkeit, ein Fels in der Brandung dieser so schnell zerrinnenden Zeit. Der Feigenbaum der ganzen Schöpfung ist nicht mit Ohrfeigen bestückt, sondern mit den süßen Früchten seiner frohen Botschaft. Hilfsbereitschaft und menschlicher Zusammenhalt in dunklen Zeiten gehören auch zu dieser Obstsorte. Dass wir sie nicht nur in winterlichen Zeiten genießen, sondern auch dort, wo uns das Gute so selbstverständlich geworden ist, das wäre eine lohnende Hausaufgabe.

Woche, 17.10.2018
Früchte zeigen und genießen

Überall wird Erntedank gefeiert und für die Früchte gedankt. Den sichtbaren wird eindeutig der Vorzug gegeben, Baumäpfel sind eben attraktiver als Erdäpfel. Noch seltener bedenkt und bedankt man Talente und Fähigkeiten, oder die Früchte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die jedem gegeben sind. Bald ist Weltmissionssonntag. Es gilt, diese kostbaren Gaben schmackhaft zu machen: nicht anbiedern, nicht aufzwingen, aber so leben, dass du gefragt wirst. Erntedank heißt auch: zeigt her eure Früchte und genießt sie gemeinsam.

Kleine Zeitung,07.10.2018
Liebchen ade, Scheiden tut weh!

Vom Wort „scheiden „kommt das Wort „ Abschied“. Abschiede sind immer schwer: Abschied von von einem Land, von Freunden, von der Gesundheit, von Plänen, viele kleine Abschiede sind es, die jeder durchmachen muss bevor der große Abschied kommt, das Abscheiden von dieser ganzen Welt, das aber doch auch eine Ankunft bedeutet.

Heute geht es um den Abschied aus einer Beziehung, aus einer sich gegenseitig vor Gott und vor den Menschen versprochenen Lebensgemeinschaft. Auch das tut weh, den Kindern am meisten, für die Ehepartner aber ist es oft eine Erlösung. Weh hat es vorher getan, als die Liebe aufgehört hat, als die Enttäuschungen gekommen sind, als sich gezeigt hat, dass die Erwartungen zu hoch gewesen sind, als alles in die Brüche gegangen ist.

Zur Zeit Jesu, da war es einfacher und v.a. auch billiger. Der Mann konnte die Frau aus jedem beliebigen Grund auf die Straße stellen, ohne Abfertigung, ohne Scheidungsanwalt, ohne Gütertrennung. Schließlich war sie ja sein Eigentum. Ehebruch konnten immer nur Frauen begehen, niemals die Männer. Mit dieser Praxis war Jesus natürlich nicht zufrieden und er erinnert daran, dass die beiden von allen Anfang an füreinander geschaffen sind.

Letztlich gibt es kein Rezept für eine glückliche Ehe. Jemand hat einmal gesagt: es gibt keine glücklichen Ehen, es gibt nur Ehen, die täglich glücken.

Wo aber Partner aneinander scheitern, wo alles zerbricht, da sollen solche Menschen wissen: geraden den Gescheiterten ist Gott ganz besonders nahe. „Kommt alle zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen“, so hat er gesagt. Sie dürfen wissen, dass sie bei ihm gut aufgehoben sind, denn auch er hält zu uns, in guten Tagen und bösen Tagen und auch an den ganz normalen Tagen, bis unsere Tage einmal einmünden in seine Ewigkeit.

Woche, 26.09.2018
Müssen Engel Flügel haben?
29.9.: Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Und am 2.10.: Fest der Hl. Schutzengel. Der 27.9. ist dem Hl. Vinzenz von Paul(+1660) gewidmet, dem Begründer der neuzeitlichen Caritas. Sein spannender Lebenslauf führt ihn hin zu den Armen, die Caritas Internationalis und die Vinzentiner(innen) führen sein Lebenswerk fort. Er sagt mir: Engel müssen nicht Männer mit Flügeln sein, Mutter Theresa war so ein Engel, der Vinzipfarrer Wolfgang Pucher ist es und jeder von uns kann es, er muss nicht unbedingt ein Erzengel sein.

Woche, 05.09.2018
Maria Geburt fliegen die Schwalben furt
Der 8. September wird oft der „Kleine Frauentag“ genannt. Es herbstelt. Maria fliegt nicht fort, sie bleibt auch in winterlichen Zeiten. Nur von zwei Menschen wird in der Kirche Geburtstag gefeiert: von Maria und Johannes dem Täufer. Bei allen anderen Heiligen ist ihr Sterbetag der Geburtstag für den Himmel. Früher hat man mehr den Namenstag betont. Beides ist wohl wichtig: dass es mich gibt, und dass ich einen Namen, eine Persönlichkeit, ein Ansehen habe. Und etwas über seinen Namenspatron zu wissen, könnte auch nicht schaden.

Kolummne Kleine Zeitung 26.08.2018, Foto Ili
Kolummne Kleine Zeitung 26.08.2018, Foto Ili

Die Woche, 25.07.2018
Großeltern: Geschichts- und Geschichtenerzähler Großmutter soll mir eine Gutenachtgeschichte vorlesen“, verlangt die kleine Lisa von ihren gestressten Eltern, die noch einen Abendtermin haben. „Aber du hast doch die CDs, die PlayStation und den PC!“. „Aber denen kann ich mich nicht auf den Schoß setzen!“. 26. 7, Gedenktag von Joachim und Anna, der Legende nach den Großeltern Jesu mütterlicherseits, und die Patrone dieser unentbehrlichen Wegbegleiter. Sie sind lebendige Bindeglieder zum Glaubens-und Erfahrungsschatz der Vergangenheit, nicht nur Geld- und Zeitspender.

Kleine Zeitung 03.06.2018
Der Sonntag und die sieben Zwerge

In manchen Schlafzimmern hin früher das fromme Bild von Jesus, der mit seinen Aposteln durch das Getreidefeld geht. Da spürt man nichts von Ärger und Provokation. In Wirklichkeit heißt das aber: Hungrige Jesusfreunde reißen Kornähren aus, das ist Erntearbeit, das ist am Sabbat verboten. Der Sabbat, der große wöchentliche Ruhetag, ist das große Erbe des Judentums an die Menschheit, denn Gott selbst ruhte am siebenten Tag. In der französischen Revolution hat man versucht, die 10 Tage Woche einzuführen und ist kläglich gescheitert. Kein Wunder, dass man diesen Tag schützt. Man kann aber auch über das Ziel hinausschießen und ihn zur Belastung machen, wenn man ihn mit einem Zaun von Gesetzen umgibt oder ganz abschafft. Jesus hat solche Zäune überwunden, wenn es um das Wohl des Menschen ging.

In einem Märchen heißt es: Da waren 7 Zwerge, 6 davon arbeiteten den ganzen Tag im Wald, einer aber musste im Haus bleiben, kochen und waschen und für eine gute Atmosphäre sorgen. Und wenn die anderen müde nach Hause kamen, dann konnten sie es sich gut gehen lassen. Sie hatten Zeit zum Plaudern und Spielen. Eines Tage aber sagten sie: das ist nicht in Ordnung, dass unser Bruder nicht mit zur Arbeit geht. Er ist ein Taugenichts. Er soll genauso wie wir sich anstrengen. Und er musste fortan mit zur Arbeit. Aber als sie nun heimkamen, da war es kalt und ungemütlich, niemand nahm sie freundlich in Empfang, und sie wurden immer mürrischer, es wurde unerträglich. Jetzt erst entdeckten sie, wie kostbar der Dienst ihres Bruders gewesen war, und sie setzten ihn schließlich wieder in sein altes Amt ein.

Diese sieben Zwerge, das sind die Wochentage, und der, der für das gute Klima sorgt, das ist der Sonntag. Wenn der Sonntag auch zum Arbeitstag wird, dann hört sich das gute Klima auf. Das ist die Moral aus dieser Geschichte.

Seine Krönung erhält der Sonntag, wenn der Mensch in Gemeinschaft mit anderen mit Gott auf Du und Du ist, wenn er von ihm erfahren darf: Du, Mensch, bist für mich der Mittelpunkt, ich will, dass es dir gut geht, das ist für mich die Hauptsache, und alle Gesetze und Gebote sollen helfen, dass du leben kannst, du und die anderen.

Die Woche, 21.05.2018
Segelschiff, Luftballon und Hl. Geist

Das Pfingstfest nennt man oft den Geburtstag der Kirche, weil der stürmische Gottesgeist die Lähmung der Jesusfreude überwunden und ihnen in Herz und Glieder gefahren ist. Aber es ist wie beim Segelschiff: den Wind sieht man nicht, aber die Segel blähen sich, es geht vorwärts, auch bei Gegenwind kann man noch kreuzen. Die Luft im Ballon ist nicht greifbar, aber er wird groß und steigt nach oben. Dem Hl. Geist einen Landeplatz bieten, das hält jeden und die Kirche insgesamt am Leben und treibt sie vorwärts und aufwärts.

Die Woche, 02.05.2018

Hl. St. Florian, du Wasserkübelmann

…verschone unsre Häuser, zünd andre dafür an, heißt es in einem Lied. An seinem Gedenktag am 4.5. ehrt die Feuerwehr ihren Patron, der vorerst mit ihr gar nichts zu tun hatte. Was nämlich in Florian (=der Blühende) geblüht und gebrannt hat war sein Glaube, zu dem er und 40 Freunde auch im Zeitalter der römischen Christenverfolgung bis in den Tod gestanden sind. Der Wasserkübel erinnert an seinen gewaltsamen Tod in der Enns, wo heute das Stift St. Florian steht. Für unseren Glauben gilt aber auf jeden Fall: Wasser Marsch!

Kleine Zeitung, 22.04.2018

Jesus, der all inclusive Hirte

Ein Hirte, der sein Leben hingibt, wo gibt es das, damit kann Jesus nur sich selber meinen. Und dieser Einsatz bis zum Letzten macht ihn auch glaubhaft und das gibt ihm eine Autorität, der ich gerne folge. Auch wenn letztlich nur er selber diesen Hirtentitel ganz für sich beanspruchen kann, so muss doch bei allen, die solche hirtenähnlichen Aufgaben wahrnehmen, etwas von dieser letzten Hingabe zu merken sein, seien es nun Väter, Mütter, Erzieher, Lehrer, Priester.

Doch was die Markenqualität eines guten Hirten weiterhin kennzeichnet, das ist seine Beziehung zu den Schafen. Sie gehören ihm, sie gehorchen ihm, sie kennen seine Stimme, er kennt sie mit Namen. Heute kennt man die Tiere oft nur mehr an der Blechmarke im Ohr. Und der gute Hirte wird immer mehr durch den elektrischen Zaun oder durch Stacheldraht ersetzt. Das ist billiger und bequemer. Die persönliche Beziehung geht verloren.

Und mit dem Menschen ist es genauso: zu unserer Identität gehören jede Menge von Zahlen und immer mehr Arbeitskräfte werden ersetzt durch Maschinen und Computer. Umso mehr brauchen wir heute Frauen und Männer mit sozialer Kompetenz, mit emotionaler Intelligenz, die beziehungsfähig sind. Wie sollen wir sonst einen Gott verkünden, der durch und durch kontaktfreudig ist, wenn wir selber nicht offen aufeinander zu- und miteinander umgehen können. Keine Frage: mehr denn je brauchen wir Menschen nach dem Vorbild Jesu, des guten Hirten schlechthin. So zu sein und um sie zu bitten, sind wir im Namen Jesu ermächtigt. In seiner Nachfolge kann ich es ertragen, ein Herdentier zu sein, kein dummes, nicht immer schäfchenweiches und lammfrommes, zwar nicht immer weißes, aber doch auch nicht ganz schwarzes, doch trotz allem vertrauensseliges Schaf.

Die Woche, 11.04.2018

Der ungläubig gläubige Thomas

Er ist eine österliche Figur, die nur beim Evangelisten Johannes ihre Wirkgeschichte erhält, Thomas, der Zweifler an der Auferstehung, uns wie aus dem Gesicht geschnitten. Er trägt den Beinamen: Zwilling, vielleicht, weil Glaube und Zweifel Geschwister sind. Von ihm stammt das kürzeste Glaubensbekenntnis: „Mein Herr und mein Gott“. Nicht mehr irgendein höheres Wesen oder der unpersönliche Herrgott, sondern der, der mich im Innersten ergreift, uns Thomase und Thomasinen. Ostern kann längst gegessen sein, aber es ist nie vorbei.

Die Woche, 21.03.2018

Palmesel und Karfreitagsratschen als Lehrmeister

Sie sind nicht nur in Kärnten augenzwinkernde Bezeichnungen für Spätaufsteher, sondern Erinnerung an die Karwoche, der es nun entgegengeht. Die tragende Rolle des Palmesels sagt mir: Trag auch du den Herrn zu den Menschen, auch wenn es manche für eine Eselei halten. Die knarrenden Ratschen am Karfreitag ersetzen die Glocken, künden vom Leiden und Sterben Jesu. Die Botschaft soll nicht verstummen, wie tief Gott für uns sinken kann. Und im Zeitalter der Gleichberechtigung: Auch Onkel können hervorragende Ratschtanten sein.

Kleine Zeitung, 11.03.2018

Das Kreuz als Therapiezentrum

Das Kreuz, eine Fahne, an dem wir das Dunkle anschauen können, das im Menschen steckt. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis es die Christen dargestellt haben. Es ist immer ein Schandpfahl gewesen. „Verflucht ist, wer am Galgen hängt“, hieß es. Heute ist das Kreuz entschärft, es ist eher zu einem Schmuckstück geworden. Der Evangelist Johannes lädt zu einer therapeutischen Sichtweise ein: er rät uns, auf das Kreuz zu schauen, weil wir darin all der Grausamkeit begegnen, zu der nur je ein Mensch fähig sein kann. Wer das Kreuz anschaut, der blickt aber auch seiner eigenen Todesangst ins Auge, und das ist wohl die tiefsitzendste Angst, die man haben kann. So kann der Mensch sein, und das hat er vor sich. Aber dann dürfen wir noch einmal hinschauen, und dürfen es im Licht der Auferstehung, im Licht von Ostern betrachten: als Zeichen einer unverständlichen und ganz und gar radikalen Liebe Gottes zu uns, als Pluszeichen.

Für viele Menschen, ist es deshalb einer der Lieblingssätze aus der ganzen Hl. Schrift, wenn es heute heißt: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ Wir wissen nicht, warum er diesen schweren und blutigen Weg wählt, um uns seine Liebe zu zeigen. Auf jeden Fall lässt er nicht andere draufzahlen, sondern gibt sich in Jesus selber hin, nicht aus Rache, sondern aus Liebe zur Welt. Und zwar nicht nur für die heile Welt, sondern gerade für diese so entsetzlich unvollkommene Erde. Jesus will uns unter Einsatz seines Lebens einen anderen Gott zeigen, einen, der nicht hin-richtet, sondern her- und aufrichtet. Sein Gericht reimt sich auf Licht. Wenn er richtet, dann lichtet sich das Dunkel.

Die Woche, 28.02.2018
Suppe essen, Schnitzel zahlen

Unter diesem Motto begann vor 60 Jahren eine Familie eine Spendenaktion für in Armut geratene Frauen. Inzwischen hat sich die „Aktion Familienfasttag“ zu einer weltweiten ökumenischen und vielfach ausgezeichneten Aktion ausgeweitet, zu einem fixen Meilenstein hin auf dem Weg zum Osterfest. „Teilen macht stark“- das spüren dann v. a. jene Frauen, die keinen Zugang zu Bildung, Einkommen und Mitbestimmung haben. Auch wir haben uns am Sonntag unsere Fastensuppe (n) schmecken lassen und es hat gut gemundet. Probieren Sie es aus!

Die Woche, 07.02.2018
Es darf gelacht werden…

Ja, auch in der Kirche. Zumindest manchmal. Ob Jesus selber gelacht hat steht zwar nicht in der Bibel, aber doch, dass er bei einer Hochzeit war. Sicher nicht mit toderster Mine und den Wein hat er nicht nur gekostet sondern noch vermehrt. Ob er auch getanzt hat? Nein, lassen wir das, das geht zu weit! Zurück zur Kirche: Kennen Sie den? Eine Abordnung aus der Pfarre St. N. beschwert sich beim Bischof: „Unser Pfarrer predigt so schlecht!“. „So, was predigt er denn?“ „Immer liest er uns so langweilige Hirtenbriefe vor!“.

Kleine Zeitung, 20.01.2018
Von der Heilung einer Identitätskrise

Das erste Wunder Jesu im Markusevangelium berichtet von der Heilung eines Menschen, der nicht mehr „Ich“ sagen, der nur mehr „Wir“ sagen kann. Viele Stimmen sprechen aus ihm. Er ist besessen, besetzt von allerlei Ansprüchen und Zwängen.

Vieles davon kann man heute mit Hilfe der Psychologie erklären und auch heilen, Manches aber bleibt rätselhaft und dunkel, dämonisch. Jesus scheut die Auseinandersetzung nicht, und er setzt diese gespaltene Persönlichkeit machtvoll wieder zusammen, so dass sie eins wird, dass sie ganz wird. Da wird dann jemand, der ganz auseinander ist und ganz durch-einander, am Schluss wieder eins. Das Zerrissene wird zusammengefügt und man ist wieder gut beisammen. Der aus der Fassung geratene fasst sich wieder. Jemand, der nicht mehr ganz dicht ist, wie ein zerbrochener Krug, der wird wieder brauchbar, der Ungenießbare fügt sich wieder ein in die Gemeinschaft. Der Ver-Rückte, der aus der Mitte gerückte, findet wieder zu sich selbst.

Das ist manchmal eine schmerzliche Erkenntnis, dass ich mir nicht selber helfen kann, dass ich mich nicht selbst erlösen kann. Deshalb schreit der Besessene heute im Evangelium so sehr, aber es ist ein Geburtsschrei, es beginnt ein neues Leben für ihn.

Es ist immer schon Kennzeichen falscher Religionen und Lehren gewesen, sich selbst erlösen zu wollen. Wir können nicht, wie der Lügenbaron Münchhausen, uns selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen, das kann nur einer, der selbst auf festem Grund steht. Deshalb hat Jesus neben anderen Titeln auch den Titel Heiland und Erlöser, weil er immer wieder am Ufer steht und uns herausziehen will aus allerhand tiefen Löchern, aus denen wir aus eigener Kraft nicht mehr herausfinden. So kann auch mein Grab noch zur Türschwelle und Sprungschanze in ein neues Leben werden.

Die Woche, 17.01.2018
Die Trennung ist ein Skandal

Vom 18.-25.1. feiern wir die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. In der 2000jährigen Geschichte des Christentums sind wir immerhin 1500 Jahre einen gemeinsamen Weg gegangen. Auch sonst ist es mehr, was uns verbindet, als was uns trennt. Diese Einheit beginnt nicht oben, bei der Lösung der großen theologischen Fragen, sondern an der Basis: im respektvollen Umgang miteinander, im Verzicht auf Schuldzuweisungen, in der gemeinsamen Arbeit an den Problemen der Zeit. Nur so bleiben wir glaubwürdig vor Got und der Welt.

Die Woche, 28.12.2017
Frisch und g’sund, net klunzn und klagn

Am unschuldigen- Kinder- Tag, von dem viele schmunzelnd behaupten, es sei ihr Namenstag, sind die „Schapperkinder“ wieder unterwegs, „bis i wieda kim schlagn“. Ja, manche sind wirklich mit Schicksalen geschlagen, wie damals die unschuldigen ermordeten Kinder von Bethlehem und ihre Eltern. Aber genau aus dieser Welt, die auch so schrecklich sein kann, hat sich der Höchste nicht vornehm herausgehalten. Das Gott so tief sinken kann, ist für uns Christen die „Spezialität des Hauses“, die uns auch nach Weihnachten froh macht.

Kleine Zeitung, 17.12.2017
Er war nicht selbst das Licht

„Gaudete- Freuet euch!“- so heißt der dritte Adventsonntag. Manchmal gibt es dazu ein rosarotes Messkleid in der Kirche und die rosarote Kerze am Kranz. Für die Kinder heißt diese Farbe „Pink“ und sie wissen oft nicht mehr, dass wir im Glauben zwar nicht blauäugig aber doch ein wenig durch die rosarote Brille auf diese Welt hinschauen dürfen. Die kürzeste Zusammenfassung der Weihnachtsbotschaft heißt zwar: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“. Dennoch: „Das Licht leuchtet in der Finsternis“. Geduldig und unverzagt. Johannes der Täufer, der Mensch, der nicht im Rampenlicht stehen will, ist heute dieser Freudenbote. Er will nicht Superstar sein, sondern nur Zeuge, Rückstrahler des Lichtes, wie der Mond, der auch nur strahlt, weil er von der Sonne angeleuchtet wird. Wahres Licht und fleischgewordenes Wort ist nur der Eine. Ihn zu reflektieren, auf das Wort zu horchen, ihm zu gehorchen, eine Antwort zu geben ist adventliche Hausaufgabe. Nur der Zeuge kann letztlich überzeugen, Bücher, Argumente und Beweise ergreifen nicht das Herz. „Wer bist du?“- diese Frage an Johannes gilt uns allen. Nicht Name, Titel, Beruf und Adresse sind gefragt, sondern ob ich Jammerlappen oder Licht bin: wenn schon nicht Halogenscheinwerfer oder festlicher Luster, so wenigstens Armleuchter oder Funzel.

Die Woche, 06.12. 2017
Der Nikolaus siegt über den Krampus

In diesen Tagen ist er wieder unterwegs, der Nikolaus, ca. 10 davon sind es in unserer Pfarre. Längst schon ist er nicht mehr mahnender Erziehungsgehilfe überforderter Eltern, er erzählt, lobt, ermuntert und schenkt. Auch der Krampus als drohender Begleiter hat sich verselbständigt und läuft bei den Perchten mit. Und sollte er doch einmal Kumpan des Nikolaus sein, dann muss er ihm gehorchen. Geb’s Gott, dass auch in der Welt und in unserem eigenen Inneren immer mehr das Gute siegt über das Böse und die Liebe über den Hass.