Pfarre

Spittal an der Drau

GEISTLICHER IMPULS zum Wort in der Schrift und GLAUBENSFRAGEN

Pressetexte von KR Mag. Ernst Windbichler

Spittaler Woche, 25. August 2021

Briefe aufgeben, aber nicht die Hoffnung!

„Wann wird es wieder richtig Sommer, ein Sommer, wie er früher einmal war?“- sang einst fröhlich Rudi Carrell. Die Zeiten waren auch früher nie rosig, auch wenn im Rückblick oft ein goldener Glanz entsteht. Zur Zeit aber scheint es, dass es in der Welt noch nie so schlimm war. Man kann nun resignieren, die Augen verschließen, die Hände in den Schoß legen, oder, nach Martin Luther, „beten, als ob alles Arbeiten nichts nützt und arbeiten, als ob alles Beten nichts nützt“. Und die Hoffnung stirbt nicht, auch nicht zuletzt.

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Kleine Zeitung, 22. August 2021

Herr, zu wem sollen wir gehen?

Die Reaktion auf die lange Brotrede Jesu ist kein Applaus, sondern Massenabfall. Sein göttliches Sendungsbewusstsein erregt Ärgernis. Es gibt im Leben oft solche Wendepunkte, wo wir uns entscheiden müssen: Dableiben oder weggehen: aus einer Familie, einem Beruf, einer Ehe, aus meiner Kirche, vielleicht auch aus einer persönlichen Gottesbeziehung.

Wie schnell ist es vergessen, das große Ja, das ich einmal gesagt habe: Ja, ich werde meine Kinder christlich erziehen, ja, ich werde zu dir stehen in guten und bösen Tagen, ja, ich will an Gott glauben und mein Leben nach ihm ausrichten.

Jesus zwingt niemanden in seine Nähe, er respektiert unsere Antwort. Vielleicht dürfen wir das zum Anlass nehmen und uns fragen: Was hält mich noch in dieser fehlerhaften Kirche? Die Waagschale unserer Entscheidung senkt sich unweigerlich nach unten. Was können wir in die andere Waagschale legen?

„Du hast Worte des ewigen Lebens“, sagt Petrus im Namen seiner Freunde. Trotz allem, was sie jetzt nicht verstehen. Trotz des Karfreitags, der noch auf sie wartet und der wohl zur größten Glaubensprüfung ihres Lebens werden wird.

Wohin sollen wir gehen? Wir haben keine gleichwertige Alternative. Manchmal tut es gut, wenn wir so im Glauben herausgefordert werden und uns wieder neu vergewissern müssen: Wo stehe ich eigentlich? Ist mir mein Glaube nicht längst zur Gewohnheit geworden? Zur liebgewordenen oder zur lästigen Gewohnheit? Bin ich dafür dankbar? Jede Herausforderung bewirkt so auch eine Heraus-förderung. Was Jesus sagt, ist oft eine Zumutung in diesem doppelten Sinn: er mutet uns etwas zu: d.h. er erwartet unseren Mut und er will uns auch Mut geben.

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Spittaler Woche, 4. August 2021

Hätte aber die Liebe nicht

Ergänzung zum GTI-Treffen: Wenn ich meinen Boliden perfekt designe, den Motor tune, die Leistung hochzüchte, vergäße aber, Sprit in den Tank zu füllen, so nützte es mir nichts. Wenn ich der perfekte Schrauber wäre, die Felgen und jedes Chromteil vergolde und mir für die teuersten Accessoires jeden Cent vom Mund abspare, vergäße aber auf den Sprit, es nützte mir nichts. Erst er bringt das Auto zum Laufen, spielt sich nicht in den Vordergrund, hält allen Temperaturen stand. Die Liebe ist der Treibstoff in jeder Beziehung.

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Spittaler Woche, 14. Juli 2021

Der Herr ist mein Treibstoff

In Anlehnung an einen alten Psalm könnten nicht nur Biker beten: Der Herr ist mein Treibstoff, er leitet mich auch auf kurvigen Strecken und sorgt sich um mein Leben. Er umgibt mich wie der Fahrtwind, er zeigt mir mein Lebensziel, ich richte meinen Lenker danach aus. Ob ich auch fahre in engen Tälern oder auf lichten Höhen, ich fürchte kein Unheil. Denn er bewahrt mich vor Leichtsinn und Übermut. Er hält mein Leben im Gleichgewicht, er lässt mich nicht fallen und einmal darf ich wohnen in seinem Haus für immer und ewig.

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Kleine Zeitung, 11. Juli 2021

Der Herr ist mein Basislager

Der Kaiser schickt Soldaten aus, Jesus sendet seine Freunde. Nicht Gelehrte, Politiker, rhetorisch Geschulte, nein, einfache Fischer die meisten, aber Menschen mit Begeisterung, Sehnsucht und Gottvertrauen. Erstaunlich, dass er ihnen und uns allen zutraut, seine Sendung fortzuführen.

Sie haben keine anderen Hilfsmittel bei sich, als die Vollmacht ihres Meisters. Keine Rücklagen, kein Lohn, keine Ausfallsversicherung, keine Erfolgsgarantie, kein Recht auf Dankbarkeit, kein Lichtbildausweis, kein Impfpass, nur die Botschaft von der heilsamen Nähe Gottes, das ist ihr Ausweis, ihr Rucksack, ihre Bergsteigerausrüstung. So sollen sie die Kunst des Loslassens üben und dabei merken: ich verkünde nicht mich selbst, ich verkünde Jesus. Jeder, der von Gott redet, und dazu gehören natürlich auch die Pfarrer, gerät gern in die Gefahr, dass er die Menschen an sich zieht, statt dass er sie weiterverweist. Ohne Zweifel ist das angenehm, wenn Menschen an meinen Lippen hängen. Aber doch gilt: Ich muss mir immer bewusst sein: ich bin nur das Nadelöhr, der Türöffner, der zum Eintritt einlädt in das weite Land der Zuneigung Gottes, nur Wegweiser: ein Wegweiser aber steht niemals mitten auf der Straße, er steht am Rand und weist die Richtung. Ich bin nur die Leitung: nicht ich bin wichtig, sondern der Inhalt, der in mir fließt, meine Aufgabe ist es, durchlässig zu sein. Das ist für jeden, der in der Verkündigung tätig ist, sehr entlastend: denn selbst wenn ich ein schlechter Türöffner, ein verwitterter Wegweiser, eine undichte Leitung bin, so bin doch letztlich nicht ich der Mittelpunkt. Nur das eine darf ich nicht: die Tür zum Evangelium verschließen, ein unleserlicher Wegweiser oder eine verstopfte Leitung sein.

So also hat sich Jesus Mission vorgestellt: als einladende, glaubhafte, spürbare und heilsame Ansage der Nähe des liebenden Gottes. Wir gehen in dem Wissen, dass der Herr unser Basislager ist, wo wir, oft müde und verzagt, wieder zurückkehren und neue Kraft schöpfen können.

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Spittaler Woche, 12. Mai 2021

Der Himmel: Haus der offenen Tür

Das Fest Christi Himmelfahrt wird von manchen Bräuchen begleitet: in vielen Pfarren begeht man Bittprozessionen. Dem scheidenden Herrn sollen unsere Anliegen als „Reisegepäck“ mitgegeben werden. Der krönende Abschluss ist vielerorts das „Engelauftanzen“: mit einem Seil und von Engelsfiguren begleitet wird die Statue des auferstandenen Herrn durch ein Loch in der Decke in den Dachboden der Kirche gezogen. Kinder winken. Aber es ist kein Abschied. Seine „Neue Heimat“ ist unser Herz und der Himmel ein Haus der offenen Tür.

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Spittaler Woche, 21. April 2021

Was gute HirtInnen auszeichnet

Der nächste Sonntag nennt sich in kath. Kirchen „Guter Hirten- Sonntag“, weil in den Messen von Jesus als Hirte die Rede ist und um Menschen gebetet wird, die sich in seinen Dienst stellen lassen mögen. Gute Hirten können auch Hirtinnen sein, müssen nicht nur der Herde vorausgehen, sondern manchmal auch hinterher, oder auch mittendrinnen, müssen nach Schafen riechen, auch die leisen Stimmen hören, bereit sein, ihr Leben einzusetzen. Wahrscheinlich hat Gott die Bitte um sie schon erhört und wir müssen sie nur noch entdecken.

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Kleine Zeitung, 18. April 2021

Den Lockdown des Karfreitags überwinden!

50 Tage dauert die Osterzeit am Kalender, 10 Tage länger als die strenge Fastenzeit, wohl auch, weil die Freude über diesen gottgeschenkten Neubeginn stärker sein soll als der Rückblick auf die dunkle Trauerphase. Bis Pfingsten begleiten uns nun im Gottesdienst die Texte der Apostelgeschichte, die vom Wachsen dieses noch so kleinen und zarten Bäumchens Christentum erzählen.

Jetzt steht er an vorderster Front, Petrus, der ängstliche Verleugner, und tritt auf einmal mit aller Kraft für seine Überzeugung ein. Dieses eine Argument spricht auf jeden Fall für die Echtheit der Auferstehung, diese erstaunliche Verwandlung der Herzen, dass am Boden zerstörte Menschen auf einmal neuen Mut fassen, dass nach diesem totalen Lockdown eine gute Zukunft beginnen kann. Jetzt merkt er plötzlich nicht mehr nur Chaos und Sinnlosigkeit, sondern einen göttlichen Plan. Der Teppich der Heilsgeschichte mit seinem wirren Durcheinander an Fäden und Mustern, jetzt sieht er ihn von der Vorderseite und erkennt das fertige Bild, ahnt auch den roten Faden der Liebe Gottes, der überall durchschimmert. Freilich, der Vorwurf des „Gottesmordes“, den Petrus da ausspricht, hat unheilvolle Folgen gezeitigt, antisemitische Ausfälle auch im Christentum haben sich immer wieder darauf berufen. Petrus aber richtet diesen Vorwurf nicht an alle Juden insgesamt und spricht auch von ihrer Unwissenheit. Nicht Kollektivschuld, sondern Umkehr und Neuorientierung ist angesagt. Gerade im Blick auf seine eigene Lebensgeschichte kann der Apostel den Mund nicht zu voll nehmen, darf aber doch voll Stolz und Demut bekennen: Für all das sind wir Zeugen. Eine Zeugenschaft freilich, die mehr ist, als ein bloßer Schwur auf die Bibel, sondern eine, die bereit ist, Kopf und Kragen zu riskieren. Bloßes Schönwetterchristentum wäre zu wenig. Das beweist er auch am Schluss seines Lebens. Bei schönem und schwerem Wetter im Glauben und zum Glauben zu stehen - eine herausfordernde Hausaufgabe nicht nur in der Osterzeit!

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Spittaler Woche, 31. März 2021

Auch nach Ostern fasten!

Obwohl die kirchliche Fastenzeit jetzt hineinmündet in das Osterfest, so bleibt uns doch die vom Virus aufgezwungene Fastenzeit noch länger erhalten. Auch wenn vieles, auf das wir verzichtet haben, nun wieder neu geschätzt wird, so können wir doch ein Fastenwerk ruhig auch in der Osterzeit fortsetzen, nämlich das „Empörungsfasten“. So leicht geraten Menschen aus der Fassung, sind hin- und hergerissen. Fasten heißt auf Deutsch: Sich festmachen, zusammenreißen, wieder ganz werden. In diesem Sinne: Reißen wir uns zusammen!

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Spittaler Woche, 10. März 2021

Am Hungertuch nagen kann nützen

Damit die übersättigten Augen wieder hungrig werden, verhängte man in vielen Kirchen in der Fastenzeit die Altäre und Kreuze mit einem einfachen violetten Hungertuch, aus dem später die kostbaren und reich bebilderten Fastentücher wurden. Erst die Abwesenheit lässt uns vieles neu zu schätzen. Der Wert der Gesundheit, der Nahrung, der Gegenwart eines Menschen zeigt sich oft erst durch ihr Fehlen. Erst hinter dem Stoff des Alltags liegt das Wesentliche, unter der Hülle dieses Lebens wächst das Eigentliche.

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Kleine Zeitung, 07. März 2021

Jesus auf Kollisionskurs

Ein Jesus, der, vom heiligen Zorn gepackt, den Händlern und Geldwechslern Hausverbot erteilt, so einer ist uns weniger bekannt. Auf einem Plakat lese ich: „Zeig ihnen Jesus“. Irgendein Strenggläubiger hat mit einem einzigen Buchstaben den Sinn sehr verändert: Aus „Zeig ihnen Jesus“ wurde: „Zeig’s ihnen, Jesus!“. Manche hätten das gern. Aber es ist doch immer derselbe Jesus, der freundliche und der zornige, der leidenschaftliche und auch der friedfertige, und immer geht es um das Wachstum des Reiches Gottes.

Gewalt kann manchmal das letzte Mittel sein in dieser unvollkommenen Welt, aber es bleibt eine Niederlage der Menschheit, wie der Papst einmal gesagt hat. Jesus war nicht gewalttätig und hat mit seinem Strick am Tempelvorplatz niemanden verletzt. Aber er hat gezeigt, dass es nicht gleichgültig ist, was mit dem Heiligtum geschieht, dass da gehandelt und gefeilscht wird, nicht nur unter Menschen, sondern auch mit Gott.

Dann aber auch die Deutung: Der alte Tempel hat ausgedient, er selbst ist der bevorzugte Ort der Gottesbegegnung. Seitdem ist jeder Mensch ein Wohnort des Höchsten. „Dein Leib war Gottes Tempel, er schenke dir die ewige Freude!“, spreche ich bei jedem Begräbnis und schwenke das Weihrauchfass dazu.

Ein Frühjahrsputz im Tempel meines Herzens, das wäre eine schöne Hausaufgabe für den Rest der Fastenzeit.

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Spittaler Woche, 17. Februar 2021

Asche über mein Haupt

Diesmal wird uns am Aschermittwoch die Asche wirklich aufs Haupt gestreut und nicht, wie sonst, auf die Stirn gezeichnet. Welch ein Gegensatz: Vom Faschingsnarren zum Gevatter Tod, vom Märchenprinz zum Aschenputtel. Asche zu Asche, Staub zu Staub, burn out aller Materie. Eine düstere Aussicht, aber am Ende doch das Licht: Der Phönix steigt aus der Asche, Sieg des Lebens. Vor einem Jahr: Der erste lock down, alles war vor Schreck erstarrt. Heuer gibt es doch schon mehr Zuversicht, überhaupt, wenn sie österlich angehaucht ist.

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Spittaler Woche, 27. Jänner 2021

Der Weg vom Saulus zum Paulus

Mit dem Fest Pauli Bekehrung am 25.1. endet die jährliche Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Ein gutes Datum! Denn auf diesem Weg zur Einheit kommen wir nur weiter, wenn es immer ein Weg der Bekehrung ist, wo wir nicht anderen, sondern uns selber an die Brust klopfen. Es muss nicht so radikal sein, wie die 180- Gradwende vom Saulus zum Paulus, aber doch ein Weg in die Mitte unseres Glaubens, dort, wo die verschiedenen Richtungen wie die Speichen eines Rades zusammentreffen und sich ganz von selbst einander annähern.

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Kleine Zeitung, 24. Jänner 2021

Gottes Heilswille ist universal

Den Propheten Jona zu lesen lohnt sich. Spannend und humorvoll, mit viel Augenzwinkern und in aller Kürze beschreibt der Autor die Geschichte eines Frommen, der die gottlose Stadt Ninive warnen soll. Die Flucht vor diesem Auftrag endet vorerst für drei Tage im Bauch des Fisches, ein Bild für Unsicherheit und Ausweglosigkeit. Aber manchmal ist eine Sackgasse nötig, damit neue Einsicht wächst.

Viele sehen darin auch einen geheimnisvollen Hinweis auf die drei Tage Jesu im Grab. Dann ein neuer Anlauf und siehe da: der Gesandte schießt über sein Ziel hinaus, wird vom Warner zum zornigen Weltuntergangspropheten und Verschwörungstheoretiker, der Fake News verbreitet, denn von Zerstörung hat Gott nichts gesagt. Heute würde er wohl viele Weggenossen finden, die ihm beipflichten. Aber er muss sich eines Besseren belehren lassen: Gott hat keine Freude an Vernichtung, sinnt nicht auf Rache und Vergeltung, achtet auf die Lebensqualität von Mensch und Tier. Sein Heilswille ist universal. Er sieht jedes noch so kleine Zeichen der Reue und Umkehr und spendet neue Zukunft. Seine Geduld ist nie zu Ende, wohl aber die des übereifrigen Mahners. Er hat nicht mit dem Erfolg seiner Predigt gerechnet. Voll Enttäuschung und Zorn über das Erbarmen Gottes wünscht er sich sogar den Tod. Trotzig verlangt er den sofortigen Vollzug des himmlischen Strafgerichtes. Aber äußerst liebevoll und mit leiser Ironie belehrt Gott seinen sturen Diener eines Besseren.

Diesen Gott, dessen Barmherzigkeit jedem Menschen offen steht, verkündigt auch Jesus in Wort und Tat und nichts freut ihn mehr, als wenn seine Predigt auf fruchtbaren Boden fällt. Allen Pessimisten und Wutbürgern, die es auch unter den Frommen gibt, ist diese Parabel Mahnung und gute Aussicht: Umkehr ist möglich, v.a. wenn sie bei mir selbst beginnt.