Pfarre

Spittal an der Drau

Mag.Ernst Windbichler-Pressetexte

Pressetexte

Mag.Ernst Windbichler, Stadtpfarrer von Spittal/Drau (© Foto: iLi)
Mag.Ernst Windbichler, Stadtpfarrer von Spittal/Drau (© Foto: iLi)

Kleine Zeitung, 20.09.2020
Gott ist nicht bei der Gewerkschaft

Es geht in dieser Geschichte um auch den Neid des Menschen: dass man dem anderen nichts gönnen will, obwohl man ja selbst genug hat. Natürlich: die Wirtschaft lebt davon. Wir dürfen uns fragen: wie geht es mir, wenn andere anscheinend bevorzugt werden? Dabei ist uns so Vieles geschenkt: Leben, Gesundheit, Arbeitskraft und nicht zuletzt der christliche Glaube, alles gratis. Gott hat andere Maßstäbe und ist nicht bei der Gewerkschaft. Ob man Ihn überhaupt ernst nehmen kann? Ich persönlich wünsche es mir und allen jedenfalls aus ganzem Herzen. Trotz aller Großherzigkeit muss dann ja auch bedacht werden: die Anzahl der Augenblicke, wo Gott uns in seinen Weinberg ruft, ist nicht endlos. Einmal ist die letzte Gelegenheit, wer weiß schon so genau, wann sie kommt. So ist dieses Gleichnis bei allem Trost auch eine ernstgemeinte Einladung. Schließlich ist der Lohn, den Gott uns gibt, sowieso immer zu groß, als dass wir ihn verdient hätten. Und den 7. Himmel gibt es nicht, der erste reicht vollkommen!

Woche, 02.09.2020
Der Sonntag: eine Grenzüberschreitung

Jeder Sonntag ist eigentlich eine Heimkehr, wir lassen die Grenze des Alltags hinter uns, treten eine Reise an in die eigene Tiefe, ganz ohne Kontrollen und nervtötende Wartezeiten genießen wir eine Spur des Himmels, eine Ahnung des verheißenen Landes der Ruhe, einen wöchentlichen Kurzurlaub auf „Dahamas“. Wer noch dazu das Sonderangebot des Evangeliums, der Frohen Botschaft in Anspruch nimmt, der wird ein wenig immun gegen bodenlose Angst und Verzweiflung, eine Gratisimpfung für die Seele, ganz ohne Arzt und Apotheker.

Kleine Zeitung, 09.08.2020
Ein Haus voll Glorie schaukelt

Die Kirche, ein festes Haus und doch unterwegs, einem Hausboot ähnlich, „ein Haus voll Glorie schaukelt“, müsste es dann wohl heißen. Beide Pole sind wichtig im Hausboot der Kirche: Verlässlichkeit und Geborgenheit, aber auch Aufbruch und Risiko. Nicht die Angst soll uns beherrschen. Denn Jesus ist mit im Boot, ist kein Gespenst, keine Märchenfigur.

Echte Risikobereitschaft zeigt Petrus: er wird zum Aussteiger, aus dem Boot und über das Wasser auf Jesus zu. Glaube kann Berge versetzen, aber er trägt auch. Auf dem Wasser gehen bedeutet: die Chaosmächte des Todes besiegen, wie Jesus es getan hat. Wenn wir ihn nicht aus dem Auge verlieren, können wir nicht untergehen. Wie dem Mann über Bord sagt er auch uns: „Komm! Hab keine Angst, der Glaube trägt dich!“ So wird es Ostern auf dem Boot.

Wer meint zu sinken, der darf zu Gott schreien ohne falsche Scham. Er kommt zwar nicht persönlich, um an uns handgreiflich zu werden, aber er schickt vielleicht einen Menschen, ein Buch, einen Gedanken, eine Gelegenheit. Wem das Wasser bis zum Hals steht, der greift nach dem kleinsten Strohhalm.

Ich wünsche uns, dass wir in diesem Blick auf ihn auch in der kommenden Woche wieder Ängstlichkeit und Engherzigkeit überwinden und viele Erlebnisse und Vorkommnisse als Rettungsringe und Schwimmreifen des liebenden Gottes verstehen, die uns vor dem Versinken bewahren wollen.

Woche, 12.08.2020
Die wahren Schätze der Kirche

Ein „Schatz“ ist nicht nur eine vergrabene Kiste mit Goldstücken, sondern auch die Bezeichnung für einen kostbaren Menschen. So hat es auch der Diakon Laurentius, der Patron des heutigen Tages, verstanden, als er unter Folter gezwungen wurde, dem römischen Kaiser die Schätze der Kirche zu bringen. Er zog mit den Armen und Kranken Roms vor den kaiserlichen Palast: „Das sind die wahren Schätze der Kirche!“. Das hat ihm den Tod auf dem glühenden Rost beschert und so nebenbei ist er auch der Patron aller Kochkünstler geworden.

Woche, 22.07.2020
Ohne Frauenpower keine Kirche!

Die prominenteste Frau am Kirchenkalender dieser Woche ist die Hl. Maria Magdalena, die nun gar den Titel Apostolin bekommen hat, weil sie als erstes die Auferstehungsbotschaft verkündet. Als nächstes gesellt sich Brigitta von Schweden(+1373) dazu: Mystikerin, Ordensgründerin und Schutzpatronin Europas. Dann die Hl. Anna mit ihrem Gemahl Joachim, die Großeltern Jesu mütterlicherseits. Sie alle halten die Kirche am Leben, genauso, wie die Hl. Männer dieser Woche: Christophorus, der Reise- und Jakobus, der Pilgerpatron.

Woche, 01.07.2020
Urlaub in Karantanien, Dahamas und Balkonien

Aus dem Wort Quarantäne (vom Lateinischen für 40) ist immer mehr das Wort „Karantäne“ geworden. Es erinnert an das Herzogtum Karantanien, aus dem Kärnten hervorgegangen ist, auch an Karawanken und Carinthia. Heute, 1. Juli, beginnt für viele der Urlaubsmonat, vielleicht ein bisschen anders als sonst. Nicht ferne Länder, sondern die Schönheit der Heimat ist gefragt. Gelegenheit auch für jene nahe und doch so schwere Reise in das Land der Seele, frei nach Karl Valentin: „Heute will ich mich besuchen, einmal schauen, ob ich zuhause bin!“.

Kleine Zeitung, 28.06.2020
Im Loslassen gewinnen

„Wer Vater oder Mutter, oder Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert...“.Auch heute klingt dieser Absolutsheitsanspruch anstößig. Noch aufregender wohl zur Zeit Jesu , noch dazu im Orient, wo Blutsverwandtschaft und Stammeszugehörigkeit noch viel mehr gelten. Es gibt also eine Art geistliche Verwandtschaft, die noch viel höher einzuschätzen ist, als die Bande des Blutes und der Herkunft. „Wer den Willen meines Vaters tut“, sagt Jesus ein anderes Mal, „der ist für mich Vater und Mutter und Schwester und Bruder“ (Mt12, 50). Vater und Mutter haben die Aufgabe, Dir das Nest zu bauen, aber sie dürfen nicht erwarten, dass ihnen dafür Deine ganze Liebe gehört. Das müssen die Eltern ihren Kindern auch erlauben, müssen sie fliegen lassen. Auch wenn es schmerzlich ist, wenn sie den falschen Weg einschlagen. Noch einmal mehr aber gilt das für einen, der sich in den Dienst Jesu stellt. Das vierte Gebot wird damit nicht aufgehoben. Nun aber hat ein anderer, Gott selber, seine Hand auf Dich gelegt. Ihm gebührt der erste Platz in Deinem Herzen. Nichts und niemand kann an seine Stelle treten.

Immer wieder muss es deshalb betont werden: Glaube ist nicht in erster Linie ein Festhalten an einer Lehre, an einer Philosophie, sondern nicht mehr und nicht weniger, als eine Liebesbeziehung zu diesem Gott, die ganz ergreifend ist. Ich kann ihn nicht in die Schublade legen und nach Belieben hervorholen als ein Ding neben anderen. „Gott zu lieben aus ganzem Herzen, mit all deinem Denken und all deiner Kraft, das ist das wichtigste und erste Gebot“ (Mt 22,37)- sagt Jesus einmal. Das ist mehr, als ein frommer Augenaufschlag, ein guter Gedanke oder ein rasches Stoßgebet.

Und was habe ich davon? Diese Frage wird in der Bibel selten beantwortet, heute aber ist vom Lohn die Rede: unser Leben gewinnt nicht an Länge und Breite, sondern an Tiefe, nicht an Quantität sondern an Qualität.

Woche, 10.06.2020
Fronleichnam, Monstranz und Gustav Adolf

Morgen ist es wieder soweit: Fronleichnam, diesmal nur bescheiden und ohne Prozession. Aber der Inhalt bleibt: Auch und gerade in Zeiten wie diesen ist Gott unser Kumpan (cum pane= mit dem Brot) und unsere Wegzehrung. Nicht nur in feierlichen Hochämtern, sondern auch in ganz bescheidenen Verhältnissen. Keine Konkurrenz, sondern Ergänzung will im evangelischen Raum das Gustav- Adolf-Fest sein, dessen Erlös guten Zwecken zukommt. Gebet und Werk, Wort und Tat sind die schönste und überzeugendste Monstranz für unseren Glauben.

Woche, 20.05.2020
Tage zum Bitten und Danken

Die drei Tage vor dem Fest Christi Himmelfahrt bilden eine katholische Spezialität, sie heißen Bitttage. Ein gemeinsames „Beten mit den Füßen“ wird normalerweise geübt, hin zu einem Bildstock oder einer Kapelle. Bevor der Herr seine Sendung vollendet, sollen ihm noch unsere Anliegen wie in einem Rucksack mitgegeben werden, v. a. auch die Bitte um gutes Wetter. Das brauchen wir immer, auch in unseren Beziehungen und Entscheidungen. Auch der Dank hat hoffentlich seinen Stammplatz. Jeden Tag, denn seine Heimat ist ja auch in mir.

Kleine Zeitung,12.05.2020
Rede und Antwort -Wie reden von dem, was mich trägt?

Gerade für eifrige und oft allzu fromme Mitchristen ist es schwer auszuhalten, dass es Mitmenschen gibt, die von Gott und Glaube, von Kirche und Religion so wenig halten, sich nicht interessieren, sich gleichgültig oder gar abschätzig verhalten. Vielleicht wissen sie nur nicht, was ihnen entgeht, man müsste es ihnen nur richtig erklären und schmackhaft machen, so meinen sie. Das ist ein Weg, den uns Jesus ja auch gezeigt hat: In seinen Gleichnissen, Erzählungen und Wundern bekommen seine Zeitgenossen einen Vorgeschmack des Reiches Gottes, das er verkündet hat. Wenn das Herz voll ist, geht der Mund über, so heißt es und wenn das wirklich der Fall ist und ohne Hintergedanken von Gott gesprochen wird, dann mag das seine Wirkung nicht verfehlen. Es gibt ja schließlich auch die andere, eher abschreckende Versuchung: Sich anbiedern oder aufdrängen, vielleicht sogar ironisch, zynisch oder verächtlich auf jene herabzuschauen, die noch nicht so weit sind. Gerade in diesen Zeiten der Krise waren wir ja sehr eingeschränkt in der persönlichen Verkündigung und die leeren Kirchenräume, so sagen manche, wären ein aufschreckender Blick in die Zukunft des Glaubens. Umso mehr mag das Wort gelten, das man dem Hl. Franz von Assisi zuschreibt: „Predige so gut du nur kannst, wenn nötig sogar mit Worten!“. Die Predigt des Lebens, zusammengefasst im Programm der Gottes- und Nächstenliebe, kann Menschen in die Spuren Jesu locken. Ähnlich rät der Dichter und Diplomat Paul Claudel: „Rede nur, wenn du gefragt wirst, aber lebe so, dass man dich fragt!“. Der Apostel Petrus, der in Rom seinen Brief an die verfolgte Christengemeinde schreibt, rät uns dazu noch, sich selber zu fragen: Warum bin ich Christ? Was trägt und hält mich? Nur dann kann ich gut und ehrlich antworten- wenn ich gefragt werde. Von unseren Kirchen kann ich lernen: sie geben öffentlich Zeugnis, sind gebauter Glaube, den sie manchmal auch glockenhell verkünden, stehen geduldig unaufdringlich da, aber die Türen sind einladend offen.

Woche, 29.04.2020
Anstand, Abstand, Aufstand und doch: Blütenstand!

Ostern ist der Aufstand des Lebens gegen den Zustand des Todes. Wie der Natur im vollen Blütenstand, so blüht auch uns das Leben. Auch wenn wir zur Zeit Abstand halten, der Auferstandene rückt uns unverschämt zu Leibe, hält keine Distanz, geht uns sogar unter die Haut, lässt sich umfassen von Maria Magdalena und Thomas darf den Finger in die Wunden legen. Ganz ohne Maske haucht er die atemlosen Jünger an, erfüllt sie mit seinem Geist, gibt der Seele Unterstand und hilft uns, mit Anstand bis zum Endstand der Krise durchzuhalten.

Kleine Zeitung, 05.4.2020
Nach unten auf der Karriereleiter

Durch den ganzen Palmsonntag geht ein Riss, nicht nur in Zeiten wie diesen. Auch wenn wir heuer nicht öffentlich feiern, keine Prozessionen veranstalten, so blicken wir doch zurück auf vergangene Palmsonntage und sehnen uns nach den Zeiten, wo alles wieder möglich sein wird, was uns jetzt genommen ist. Wer also nach der Segnung der Palmzweige nicht gleich nach Hause geeilt ist, der erlebt, kaum in der Kirche angekommen, den eigenartigen Fortgang der Karriere dieses seltsamen Königs auf dem Esel. Es ist eine Karriere nach unten, bis hinein in den Tod. Es folgt nämlich die Passionsgeschichte. Den Vorspann dazu bietet uns der Philipperhymnus des Apostels Paulus, der diesen Abstieg in einem feierlichen Lied zusammenfasst. Er verfasst diesen Brief im Gefängnis, das sicher etwas unbequemer war, als ein staatlich verordneter Aufenthalt in den eigenen vier Wänden. Trotzdem aber spricht er immer wieder von seiner Freude und fordert uns auch dazu auf: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit, noch einmal sage ich euch: freuet euch!“ (Phil 4,4). Seine Freude kommt aus der Gewissheit der Nähe Gottes in jeder Situation. Denn der Herr, auf den er vertraut, hat sich in die Tiefe unserer irdischen Existenz begeben. Ganz oben, an höchster Stelle fällt der Entschluss, nicht erzwungen, sondern freiwillig wird er dem Menschen gleich. Nicht Halbgott oder verkleideter Engel, nein, an unserer Seite in unseren Leiden, Schmerzen, Ängsten und Krankheiten, in unserer Todesverfallenheit. Mit Haut und Haar, von Kopf bis Fuß einer von uns. Auch nicht Politiker, Gelehrter oder Mitglied der gehobenen Gesellschaft, nein, einer von den Kleinen und Unscheinbaren. Und noch tiefer geht es hinein in Folter und Tod. Keine Dunkelheit soll es geben, die nicht von seinem Licht erhellt ist. Aber der Tiefpunkt wird zum Wendepunkt, der Grabstein wird zum Sprungbrett an die ursprüngliche Seite Gottes, aber nicht ohne uns alle mitzunehmen. Aber das wäre dann schon eine Osterpredigt.

Woche, 01.04.2020
Die Heilige Corona und andere Nothelfer

Schon seltsam, dass eine Märtyrerin des 3. Jahrhunderts n. Chr. schon viele Jahrhunderte vor dem Auftauchen des gleichnamigen Virus u. a. auch bei Seuchengefahren angerufen wurde. Auch die Schatzsucher vertrauen auf sie. In Zeiten wie diesen gilt es viele Schätze zu heben: auch menschliche, innerliche und geistliche. Einander zum Nothelfer werden! Korona heißt: die Krone. Der Mensch als Krone der Schöpfung, und doch so verletzlich. Im Blick auf Ostern gibt es Hoffnung: die Krone des Lebens kann uns nicht genommen werden.

Woche, 04.03.2020
Christliche Gelassenheit steht uns gut

Die Aufforderung „Fürchtet euch nicht!“ durchzieht wie ein roter Faden die ganze Bibel. Angesichts der panischen Reaktionen auf den sog. Coronavirus möchte ich sie gern in Erinnerung rufen. Schließlich steckt der Virus des Todes seit der Geburt in jedem von uns, kein Kraut ist gegen ihn gewachsen, keine Impfung wird helfen. Aber etwas in uns gibt es, das nicht zerstört werden kann. Im Zugehen auf Ostern, das Fest des Lebens, schöpfe ich Mut und kann Vieles gelassener sehen. Der Vorrat an Hoffnung wird sicher niemals ausgehen.

Die Woche, 19.02.2020
Es darf gelacht werden
Der kommende Sonntag ist Faschingssonntag. Lustig soll es hergehen. In der Kirche sind die Leute meist ernst und nachdenklich. Höchstens beim Friedensgruß huscht ein Lächeln über die Gesichter. Der Krankenbesuch eines Pfarrers fällt mir ein. Das „Buch der 1000 Witze“ hat er mitgebracht. „Wie hat es Ihnen gefallen?“- fragt er beim nächsten Mal. „Wenn ich nicht gewusst hätte, dass es die Hl. Schrift ist, ich hätte bald lachen müssen!“. Schön wär’s, wenn die Freude der Frohbotschaft noch mehr spürbar und ansteckend wird.

Kleine Zeitung, 16.02.2010
Von der neuen Gerechtigkeit
Heute ein Ausschnitt aus der Bergpredigt, die vielleicht auch deshalb so heißt, weil sie etwas von der Mühsal einer Bergtour hat, die uns aber auch mit jedem Schritt höher hinaufbringt auf unserem Lebens- und Glaubensweg. Trotzdem ist der Berg der Seligpreisungen am See Genezareth keine steile Felswand, sondern ein menschenfreundlicher Hügel, an dem keiner scheitern soll. Vor ihm brauchen wir nicht zu resignieren, sondern können mit dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten sagen: „Yes, we can!“. Jesus macht heute dazu eine zwar oft unerwünschte aber doch äußerst heilsame Einmischung in unsere ganz privaten Herzensangelegenheiten. Sein Staatsgebiet, das ist mein Inneres. Dort, in unserem Herzen, soll Gottes Gebot Geltung haben, nicht als aufgezwungener Gesetzeskatalog, nicht als Buchstabengerechtigeit, nicht als Angstreaktionen auf göttliche Strafandrohungen, sondern als Liebesangebote.

Wir dürfen einige dieser Einmischungen ein wenig näher anschauen: z.B. unsere Urteile und Worte, unser Umgang miteinander: Dass der Mord nicht nur als vollbrachte Tat zählt, sondern auch unsere Mordlust oder der Rufmord darunter fällt.

Ob es der Ehebruch ist, der schon in Gedanken beginnt, oder unser Umgang mit der Wahrheit, der Handschlagqualität haben sollte, sodass es nicht mehr nötig ist, zu schwören, ob wir auch uns selber gegenüber ehrlich sind, immer geht es um die rechte Gesinnung, um das Hören auf unser Gewissen, auf diesen inneren Lehrmeister, den jeder von uns manchmal spürt und hört. Nicht den Buchstaben der Gebote, sondern ihren Geist gilt es sich anzueignen, das ist diese größere Gerechtigkeit, die von uns erwartet wird. Kein Kadavergehorsam wird verlangt, wir sind ja nicht Gottes eingeschüchterte Kettenhunde, sondern seine freien Kinder und Freunde.

Woche, 29.01.2020
Die Kirche muss sich ändern!
Am Sonntag wird unser neuer Bischof geweiht. Schier unlösbare Erwartungen werden an ihn herangetragen. Mutter Theresa, die er gut gekannt hat, wurde einmal gefragt, was sich in der Kirche ändern muss. Nach kurzem Nachdenken sagte sie: „Sie und ich!“. Nicht so oft zu fragen: Was kann die Kirche für mich tun, sondern auch: Was kann ich für die Kirche, den Glauben tun?- das wäre schon ein guter Lösungsansatz für den Weg in die Zukunft. Unserem Bischof Josef wünschen wir viel stärkenden geistlichen und menschlichen Rückenwind!

Kleine Zeitung, 12.01.2020
Den glimmenden Docht nicht auslöschen!

Mit dem heutigen „Sonntag der Taufe des Herrn“ endet offiziell die Weihnachtszeit, zumindest auf dem Kalender. Aber auch wenn Christbaum und Krippe, Weihrauch und Lebkuchen wieder verschwinden, hinter Weihnachten können wir nicht mehr zurück. Die wunderbare himmlische Zuwendung des Himmels an die Erde, die in Jesus Hand und Fuß bekommen hat, wird nicht mehr zurückgenommen, sie bleibt eine tragende Grundmelodie für jeden Tag unseres Lebens. Das kleine Weihnachtskrippenbaby ist groß geworden und zieht seine Lichtspuren hinein in die Dunkelheit dieser Welt. Die Taufe Jesu im Jordan durch den Täufer Johannes ist der sichtbare Auftakt, die Ouvertüre, in der die wichtigsten Themen schon anklingen. Anders als unsere Kindertaufe markiert sie den öffentlichen Beginn seiner Sendung, die sich zuerst nicht an die Frommen, Gerechten und Mächtigen wendet, sondern die Hoffnungslosen und Sehnsuchtsvollen erreichen will. Der glimmende Docht soll nicht ausgelöscht und das geknickte Rohr nicht zerbrochen werden. In dieser uralten tröstlichen Weissagung des Jesaia hat Jesus wohl seinen eigenen Auftrag wieder erkannt. Die Lieder vom geheimnisvollen Gottesknecht, der unseretwegen heilt, leidet und stirbt und von Gott gerettet wird, sagen schon sein Schicksal voraus. Er, der es nicht nötig hätte, sich von Sünden reinigen zu lassen, stellt sich solidarisch hinein in die Fluten des Jordan, in die Reihe der Umkehrwilligen wie in eine Warteschlange vor dem Beichtstuhl. Die im Trüben fischen, die mit allen Wassern Gewaschenen haben das nicht nötig. Heilung, Licht, Befreiung, Gerechtigkeit sollen aufblühen, wo Wüste ist und trockenes Land. Dann brauchen wir uns nicht zu fürchten, wenn wir auch einmal „über den Jordan gehen“ müssen. Das Wasser wird uns zwar manchmal bis zum Hals stehen, aber die Fluten werden nie mehr über unserem Kopf zusammenschlagen.

Woche, 08.01.2010
Unter einem guten Stern

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich gerade den ersten von drei Tagen als Sternsingerbegleiter hinter mir. Meistens werden wir willkommen geheißen und erwartet, immer öfter hören wir aber auch ein höfliches aber bestimmtes: „Nein, danke!“. Wir lassen uns nicht entmutigen. Wir wollen uns niemandem aufdrängen. Nur anbieten und einladen. Die Kinder sind dennoch mit Begeisterung dabei, auch alle, die sie verköstigen, begleiten, mit ihnen proben. Ganz zu schweigen von den Begünstigten. Danke allen Beteiligten und Spendern!

Woche, 11.12.2019
Weihnachtszeit ist Wendezeit

Wussten Sie, dass am Hl. Abend Adam und Eva Namenstag haben? Mit Adam, dem „Erdling“, hat die Schöpfung begonnen, mit Jesus, dem neuen Menschen, geht sie in die Vollendung. Ein kleines Zeichen gibt uns die Natur in wenigen Tagen: am Höhepunkt des Winters wird das Licht schon wieder heller und die Tage länger. Unmerklich zuerst, aber unaufhaltsam. Mit der Geburt Christi kommt ein Licht in die Welt, das nicht mehr schwächer wird. Er teilt die Zeit in ein Davor und ein Danach. Wir leben in hoffnungsvoll gewendeter Zeit.

01.12.2019 Kleine Zeitung
Die Allwettergarderobe des Christen

Ein seltsamer Modetipp am Beginn eines neuen Kirchenjahres: „Zieht den Herrn Jesus Christus an!“ (Röm 13,14a), rät uns Paulus. Jetzt im Winter sind wir froh über wärmende Kleider. Das will unser Glaube auch sein: Daunenjacke und Wintermantel, Schutz vor Kälte und Nässe. Aber doch noch viel mehr: er will unsere Allwettergarderobe sein. Deshalb ist er auch manchmal Ballkleid: das Jubeln und Tanzen, die Freude und Unbeschwertheit gehören genauso zur seelischen Grundausstattung, wie das Trauergewand. Kleider machen Leute: Gott gibt mir Würde und Ansehen. Das Taufkleid ist Königsmantel, macht mich wertvoll und einzigartig. Nicht der Pyjama und das Nachthemd sind unser Merkmal, sondern eher die Küchenschürze und der Arbeitsmantel. Denn: „Es ist Zeit, vom Schlafe aufzustehen…die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe!“ (Röm 13,12). Karl Rahner wird der Satz zugeschrieben: „Weil die meisten von uns im Schlaf getauft worden sind, deshalb gibt es auch so viele verschlafene Christen“. Die gut besuchten Roratemessen im Advent sind nicht nur ein geistlicher Morgensport für hartgesottene Frühaufsteher, sondern Einübung in geistliche Wachsamkeit. Auch Papst Franziskus mahnt immer wieder in seiner markanten Art, nicht die Couch zu unserem Lieblingsmöbelstück zu machen. Auch von der Rüstung ist dann noch die Rede, aber nicht vom Panzer und heruntergelassenem Visier. Dieser Gefahr erliegen wir manchmal: dass wir die Zugbrücke hochziehen, uns absondern vor dieser bösen Welt. Nein: von den Waffen des Lichtes ist die Rede. Heller soll es werden. Es besteht keine Verdunkelungsgefahr, wenn wir uns auf die Spuren einlassen, die Jesus uns vorgegangen ist. Auch keine Verletzungsgefahr, denn: „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“ (Röm 13,10). Die kommende Zeit mit ihren geistlichen Sonderangeboten lädt uns ein, unsere geistlich-seelische Garderobe zu überprüfen und dem gerecht zu werden, was bei unserer Taufe über uns gesagt worden ist: „Du hast Christus angezogen, bewahre diese Würde für das ewige Leben!“. Wer ihn anzieht, bleibt anziehend.