Das Wort zur Schrift (Mt 10,39b)
Wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen (Mt 10,39b)
Foto: Peter Rupitsch
Wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen (Mt 10,39b)
Ich bin froh, dass ich diesen Satz auch anders verstehen darf: Sein Leben verlieren: Das heißt auch: Zeit opfern und Energie, sich verausgaben für eine Aufgabe im Reich Gottes, sein Ansehen riskieren, Widerspruch in Kauf nehmen, eine Verleumdung oder eine Beleidigung einstecken, es aushalten in einer Kirche,wo so viele davonlaufen, nicht aus der Kirche austreten, sondern in der Kirche auftreten, sich mit eigenem Versagen und dem Versagen anderer nicht abfinden, ankämpfen gegen Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit und manchmal auch gegen Dummheit. Und sein Kreuz auf sich zu nehmen, damit ist nicht nur das geduldige Ertragen oder das passive sich Fügen gemeint, sondern eine aktive Tat: Mein Schicksal, meine Angst, den Widerspruch in mir und gegen mich, mir nicht auflegen lassen, sondern es in die Hand nehmen, dieses Kreuz, und aktiv tragen. Wer das tut, der verliert auch sein Leben, oder zumindest das, was man im allgemeinen Sinn für Leben und Lebensqualität hält. Und der darf doch nicht erst im Jenseits, sondern schon in diesem Leben erfahren, dass er Leben gewinnt: Dass sein Leben zwar nicht an Breite aber doch an Tiefe und Höhe zunimmt.
Text: Dechant KR Mag. Ernst Windbichler - 9800 Spittal/Drau
Evangelium nach Matthäus (Mt 10,39b)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.